AIT erstellt Smart Grid Studie für Internationale Energieagentur

Die Studienergebnisse des AIT wurden Ende Mai beim Clean Energy Ministerial in Mexiko einem hochrangigen Forum von Energieministern und politischen Entscheidungsträgern aus der ganzen Welt präsentiert. [...]

(c) Falko Matte - Fotolia.com

Die Stromnetzbetreiber sehen sich mit steigenden Herausforderungen konfrontiert. Durch die verstärkte Einspeisung von Strom aus Windparks oder Photovoltaikanlagen und den Trend zur Elektromobilität müssen die überregionalen Übertragungsnetze und lokalen Verteilnetze künftig stärker miteinander kommunizieren und interagieren. „Derzeit ist die Abstimmung zwischen den Betreibern dieser beiden Netzebenen noch vorwiegend auf die Planungsphase beschränkt. In Zukunft ist eine stärkere Interaktion der Netze auch im Betrieb notwendig“, umreißt Antony Zegers vom AIT Energy Department die Situation. „Um eine optimale Interoperabilität zwischen den beiden Netzebenen sicherstellen zu können, müssen allerdings zentrale Fragen zur technischen Interaktion und zum Datenaustausch geklärt und die entsprechenden regulatorischen Rahmenbedingungen geschaffen werden.“

Das AIT Austrian Institute of Technology beschäftigt sich seit längerem intensiv mit diesen Fragen und war federführend daran beteiligt, die Thematik auch im International Smart Grid Action Network (ISGAN) zu verankern. Diese Netzwerkinitiative der Internationalen Energieagentur (IEA) hat sich zum Ziel gesetzt, die Entwicklung und Verbreitung von Smart Grid Technologien weltweit voranzutreiben. In einem vielbeachteten Diskussionspapier wurde im Rahmen dieses Netzwerks nun von der außeruniversitären Forschungseinrichtung AIT eine umfassende Untersuchung über den Status quo und die künftigen Herausforderungen vorgelegt und Lösungsvorschläge erarbeitet.

TECHNISCHE HERAUSFORDERUNGEN

Basierend auf Erfahrungsberichten aus fünf europäischen Ländern, den USA, Kanada, China und Südafrika haben sich folgende Themen als zentrale technische Herausforderungen herauskristallisiert: die Überlastung von Trafostationen und Übertragungsleitungen, Spannungsschwankungen aufgrund von fluktuierender Einspeisung und der laufende Ausgleich zwischen Erzeugung und Verbrauch. „In unserer Untersuchung sind wir zum Schluss gekommen, dass in Zukunft die Flexibilität des Verteilnetzes stärker zur Unterstützung des Netzbetriebs genutzt werden muss“, so Studien-Mitautor Zegers.

Ermöglicht wird diese Flexibilität durch eine bessere Überwachung der Verteilnetze, eine bidirektionale Kommunikation mit den Kunden und dem übergeordneten Übertragungsnetz und durch smarte Steuerungs- und Regelkonzepte. Die Technologien dafür stehen großteils bereits zur Verfügung. Nun geht es vor allem darum, diese in groß angelegten Demoprojekten zu erproben, um Erfahrungen im praktischen Einsatz zu sammeln.

REGULATORISCHE ASPEKTE

Für ein großflächiges Roll-out der angedachten Lösungen müssen neben den rein technischen Fragestellungen aber auch regulatorische Aspekte berücksichtigt werden. „Durch die Flexibilisierung lassen sich deutliche Einsparungen beim Netzausbau erzielen“, so Zegers. „Gleichzeitig muss aber auch sichergestellt werden, dass nicht durch häufiges Herunterregeln von dezentralen Erzeugern bei kritischen Netzsituationen wertvolle erneuerbare Energie verloren geht.“ Klare regulatorische Rahmenbedingungen können hier die Umsetzung von Smart Grid Lösungen wesentlich vorantreiben. ISGAN präsentierte die Studienergebnisse des AIT daher Ende Mai beim Clean Energy Ministerial in Mexiko einem hochrangigen Forum von Energieministern und politischen Entscheidungsträgern aus der ganzen Welt. (pi)


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