Apple Watch: Series 6 und SE im Vergleich

Das iPhone SE machte es vor, jetzt folgt die günstigere Apple Watch SE. Die Kompromisse sind gut gewählt. [...]

Die Apple Watch SE punktet mit ihrem Preis, ohne zu viele Abstriche zu machen (c) Apple

Die Apple Watch Series 6 (Test) ist das aktuelle Spitzenmodell unter Apples smarten Uhren. Mit ihrem Erscheinen verschwanden die Series 4 und die Series 5 von der Bildfläche, sodass sich jetzt bei Apple noch genau drei Modelle kaufen lassen – von der baugleichen Nike-Ausgabe und der leicht abgehobenen Hermès-Edition abgesehen: die eben erwähnte Series 6, die angestaubte Series 3 aus dem Jahr 2017 und die Apple Watch SE, die sich zwischen diesen beiden Modellen positioniert.

Genau wie beim iPhone SE richtet sich die Apple Watch SE an Interessenten, die nicht das neuste Spielzeug suchen, sondern jenes mit dem besten Preis-/Leistungsverhältnis. Auf die Series 3 gehen wir an dieser Stelle nicht ein, denn das Gerät ist definitiv von gestern. Es kommt mit dem kleinen, eckigen Display, bietet kein EKG, keine Sturzerkennung oder andere gehobene Sensoren und wird noch nicht einmal als unabhängige LTE-Version angeboten. Ihre Funktion beschränkt sich darauf, mit einem unanständig-tiefen Einstiegspreis von 219 Euro die billige Konkurrenz vom Leib zu halten. In dieser Funktion überzeugt sie zweifelsfrei – aber mehr ist da nicht.

Display und Gehäuse

Die Apple Watch SE kommt in den Größen 44 Millimeter oder 40 Millimeter und bietet das abgerundete Display, das Komplikationen bis in die «Ecken» erlaubt. Dieses Display wurde erstmals mit der Apple Watch Series 4 eingeführt. Es zeigt rund 30 Prozent mehr Fläche, sodass die kleinere 40-Millimeter-Version auch für Frauen geeignet ist; denn bis zur Series 3 wirkte die kleinere Version wie eine Kinderuhr, die an keinem Handgelenk ernstgenommen werden konnte.

Die Auflösung ist dieselbe wie bei der Series 6, allerdings mit einem großen Unterschied: Während die Series 6 das Zifferblatt ständig anzeigt («Always On»), wird es bei der Apple Watch SE erst durch eine Drehung des Handgelenks aktiviert.

Ich bin mir nicht sicher, ob das fehlende Always-On-Display überhaupt ein Nachteil ist. Denn nach kurzer Zeit bringt man es zur Meisterschaft, wenn es darum geht, das Display der Apple Watch SE mit einer ultra-minimalistischen Handbewegung zu aktivieren. Umgekehrt musste ich schon einige Mal die Series 6 in den Theatermodus versetzen, wenn mich das Display im schummerigen Heimkino störte.

Optisch kaum zu unterscheiden, aber das Always-On-Display fehlt (c) PCtipp.ch

Die Apple Watch SE wird nur im Aluminiumgehäuse angeboten; die Versionen in Edelstahl oder sogar Titan bleiben der Series 6 vorbehalten. Dabei waren meine Erfahrungen mit der Edelstahl-Ausführung nicht nur positiv, weil das edle Finish nach kurzer Zeit und trotz sorgfältiger Behandlung mit Mikrokratzern übersät war, während die Aluminium-Version auch nach einem Jahr wie neu aussah. Andererseits sind die Edelstahl- und Titanmodelle durch ein Saphirglas geschützt, das man eigentlich nur mutwillig mit einem Diamanten zerkratzen kann.

Sensoren und Kompromisse

Für viele Käufer spielen die verbauten Sensoren eine wichtige Rolle. Doch die Gemeinsamkeiten sind überraschend häufiger, als die Unterschiede. Der Apple Watch SE fehlen:

EKG. Die Apple Watch SE kann keine einkanaligen EKGs anfertigen. Diese werden bei der Series 6 ganz einfach erstellt, indem die App gestartet und der Zeigefinger für 30 Sekunden an die digitale Krone gehalten wird. Das Resultat der Messung wird in der Health-App auf dem iPhone gespeichert und bei Bedarf als PDF an den zuständigen Arzt geschickt. Hingegen misst auch die Apple Watch SE im Hintergrund die Herzfrequenz und schlägt Alarm, wenn sie eine ungewöhnlich hohe oder niedrige Herzfrequenz oder sogar Rhythmus­störungen entdeckt.

Das EKG, das schon die Series 4 beherrschte, wurde gestrichen (c) PCtipp.ch

Blutsauerstoff. Der Apple Watch SE fehlt außerdem die Möglichkeit, den Sauerstoffgehalt des Blutes zu messen. Allerdings stellt sich hier die Frage nach dem Nutzen, denn sogar Apple selbst schreibt zu diesem Thema, es diene «lediglich der Nutzung zu Zwecken im Zusammenhang mit der allgemeinen Fitness und dem allgemeinen Wohlbefinden».

Auch die Messung des Blutsauerstoffes fehlt (im Bild: Series 6), doch bei dieser Funktion stellt sich die Sinnfrage (c) PCtipp.ch

Doch davon abgesehen, hält die Apple Watch SE sehr wohl mit. Sie bietet wie die Series 6 …

  • Sturzerkennung
  • Internationale Notrufe
  • Warnung bei zu lauter Umgebung
  • Kompass
  • Immer aktiver Höhenmesser
  • GPS
  • … und ist wasserdicht bis 50 Meter

Ausserdem ist auch die Apple Watch SE als LTE-Version erhältlich, sodass viele Funktionen inklusive Telefonie auch ohne iPhone verfügbar bleiben – ein entsprechendes Mobil-Abo mit eSIM vorausgesetzt.

Gute Kompromisse

Das fehlende EKG könnte für die Apple Watch SE bei medizinisch vorbelasteten Personen das Aus bedeuten. Alle anderen wiegen sich auch beim günstigen Modell in der Gewissheit, dass die Herzfrequenz im Hintergrund überwacht wird und Volkskrankheiten wie Vorhofflimmern gemeldet werden. Der zweite große Unterschied ist das Always-On-Display, das jedoch nicht immer ein Vorteil sein muss, etwa im erwähnten Heimkino.

Die Abstriche sind also gering; allerdings ist der Preisunterschied auch nicht so überwältigend, dass er alle Zweifel zerstreuen würde. Die Apple Watch SE ist im Grunde genommen eine Apple Watch Series 4 – einfach ohne die EKG-Funktion, die ganz offensichtlich der Preisgestaltung zum Opfer fiel.

Was bleibt? Wenn Sie noch nie eine Apple Watch besessen haben und nicht gleich in die Vollen gehen möchten, dann wird die Apple Watch SE zu einem Einstieg, bei dem nichts schiefgehen kann. Wenn Sie hingegen auf das EKG, das Always-On-Display oder auf knallige Farben wertlegen, dann bietet sich die Series 6 an. So oder so können Sie nichts falsch machen.


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