„BrutPOS“ hackt Kassensysteme

Security-Spezialist FireEye hat eine als "BrutPOS" bekannte Malware analysiert, deren Ziel Kassensysteme sind. Die Remote-Desktop-Protokoll-Malware versucht, an Kartenzahlungsinformationen zu gelangen. [...]

Hacker schleichen sich in Kassensysteme - über das RDP-Protokoll. (c) J. Paulsen - Fotolia.com
Hacker schleichen sich in Kassensysteme - über das RDP-Protokoll.

In vielen Branchen nutzen Unternehmen alltäglich Remote-Desktop-Protokolle, die den Fernzugriff auf Systeme – beispielsweise für Softwareupdates – erlauben. Aber auch Cyberkriminelle können sich nützliche Einrichtungen wie diese zu Nutze machen. Dies zeigt unter anderem die BrutPOS-Malware. Diese Schadsoftware versucht, in einem ersten Schritt Kassenterminals über Remote-Desktop-Protokolle anzugreifen und dort anschließend Informationen zu Kartenzahlungen zu stehlen. Für dieses Vorgehen ist es für die Angreifer nicht nötig, ein anspruchsvolles Protokoll für diesen Fernzugriff zu entwickeln. Das vorhandene Remote-Desktop-Protokoll reicht aus, wenn es nicht ausreichend geschützt ist.

Gelingen solche Angriffe, liegt es nicht selten an der Wahl von zu simplen Passwörtern innerhalb der Remote-Administration-Software, die an Kassenterminals in der Regel zum Einsatz kommen. Obwohl regelmäßig große Sicherheitslücken Schlagzeilen machen, könnten Unternehmen viele Sicherheitsverletzungen schon mit einfachen Maßnahmen – wie einer durchdachten Passwortwahl – verhindern, mahnt FireEye in einer Aussendung.

BrutPOS scannt tausende Kassenterminals, auf denen die Protokolle verwendet werden, und sendet die Daten an einen Command-and-Control-Server. Die Malware-Anwendung sucht einfache und standardisierte Passwörter, um angreifbare Systeme auszumachen. Sie tauchte im März dieses Jahres erstmals auf, der Umfang dieser Bedrohung wurde jedoch erst im Laufe der Zeit deutlich. Es konnte bisher nicht genau geklärt werden, wie sich die Malware verbreitet. FireEye vermutet, dass die Angreifer mit anderen Cyberkriminellen zusammenarbeiten, um sie in Umlauf zu bringen.

FireEye hat insgesamt fünf Command-and-Control-Server gefunden, die vom BrutPOS-Botnet genutzt werden. Drei von ihnen stammen aus einem russischen Netzwerk, jeweils ein weiterer aus dem Iran und aus Deutschland. Aktuell sind nur noch zwei der russischen Server aktiv. Während der Untersuchung von FireEye haben die Angreifer mit dem Botnet 5.622 Computer in 119 Ländern angegriffen und waren in 57 Fällen mit ihrer Suche nach einfachen Passwort-Kombinationen erfolgreich.

Während der Untersuchung hat FireEye eine weitere Funktion entdeckt, die über den bloßen Angriff hinaus geht und die nun infizierten Kassensysteme ins Visier nimmt. Diese Variante der Malware scannt bei Zahlungsvorgängen entsprechende Daten, beispielsweise von Kreditkarten. Darüber hinaus scannt das Programm auch den Speicher des Systems auf Zahlungsdaten ab. Die bisherigen Ergebnisse der Untersuchungen von FireEye reichen für eine umfassende Analyse noch nicht aus. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass die Angreifer von Osteuropa aus operieren. Vermutlich aus Russland oder der Ukraine.

Der Erfolg des BrutPOS-Botnets zeigt laut den Security-Experten, dass Kassensysteme und dort zu findende Zahlungsdaten nach wie vor eines der Hauptziele von Cyberkriminellen sind. Mittels eines einfachen Scan-Vorgangs konnten schließlich in weniger als zwei Wochen über 5.000 Systeme angegriffen und in 57 von ihnen eingedrungen werden. (pi)


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