Deloitte CPO Survey 2018: In Unternehmen herrscht mangelnde Transparenz bei Lieferketten

Nur die wenigsten Unternehmen haben einen umfassenden Überblick über ihre gesamte Lieferkette. Das zeigt der aktuelle Global CPO Survey des Beratungsunternehmens Deloitte. [...]

Alexander Kainer, Partner bei Deloitte Österreich. (c) APA/Hinterramskogler
Alexander Kainer, Partner bei Deloitte Österreich. (c) APA/Hinterramskogler

In einer aktuellen Umfrage von Deloitte haben rund 500 Einkaufsleiter aus 39 Ländern ihre Einschätzungen zum Beschaffungsmarkt geteilt. Das Ergebnis: Vor allem in puncto Transparenz der Lieferanten herrscht Optimierungsbedarf. 65 Prozent der befragten Chief Procurement Officer (CPO) haben abseits ihrer Direktlieferanten lediglich begrenzten bis gar keinen Überblick über die Lieferkette. Nur sechs Prozent haben die gesamte Supply Chain vollständig erfasst. Dabei ist die Nachvollziehbarkeit nicht nur für die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften, sondern auch für die Risikoplanung essenziell.

„Ein lückenhafter Überblick über die Lieferkette kann ein großes Geschäftsrisiko darstellen. In den letzten Jahren ist die Einbindung von Lieferanten in die Produktentwicklung in vielen Industrien zurückgegangen. Beziehungen gehen meist nicht mehr über den Tier 1 hinaus“, erklärt Alexander Kainer, Partner bei Deloitte Österreich. „Um Risiken zu verringern, sollten Unternehmen die Kontakte zu Lieferanten auf allen Ebenen wieder stärken und einen Fokus auf Zulieferer in unsicheren Regionen legen.“

Innovation als strategisches Ziel

Die Weltwirtschaft befindet sich im Aufschwung. Das führt zu einem abnehmenden Inflationsdruck und zu einer verringerten Risikowahrnehmung. Daher setzen CPOs aktuell verstärkt auf Innovation. Für 58 Prozent haben die Einführung neuer Produkte und Dienstleistungen sowie die Erschließung neuer Märkte Priorität. 20 Prozent der Befragten planen außerdem eine Expansion durch Akquisitionen.

Bei aller Innovationsbereitschaft verlieren die CPOs dennoch nicht Risiken und Kosten aus den Augen. Acht von zehn Einkaufsleitern sehen die Kostenreduktion als wichtige Aufgabe. Bei mehr als der Hälfte steht auch Risikomanagement ganz oben auf der Agenda. Vor allem der ungewisse Ausgang der Brexit- und NAFTA-Verhandlungen wird von 33 Prozent als großer Unsicherheitsfaktor genannt.

„Unter den österreichischen Einkaufsleitern führen vor allem eine potenzielle Schwächung der Eurozone und zu geringe Kreditrahmen für Unternehmen zu Verunsicherung“, ergänzt Alexander Kainer.

Digitalisierung als vernachlässigtes Wachstumsfeld

Die Einführung digitaler Tools und Anwendungen im Beschaffungsbereich schreitet nur langsam voran. 17 Prozent der Einkaufsleiter haben noch keine Strategie für das digitale Beschaffungswesen erarbeitet. Zugleich ist weniger als ein Drittel davon überzeugt, dass die aktuell verfolgte Digitalisierungsstrategie sich zielführend und wertsteigernd auswirkt.

„Gerade im Logistikbereich gewinnt die Digitalisierung und hier vor allem die Blockchain-Technologie an Bedeutung. Ein Viertel der CPOs erwartet sich auch durch robotergesteuerte Prozessautomatisierung erhebliche Auswirkungen auf das Geschäft“, so Kainer. „Die österreichischen Studienteilnehmer sehen den größten Einfluss der Digitalisierung in der Optimierung der Einkaufsprozesse und im Berichtswesen.“

Mitarbeiterqualifikation als unterschätzte Herausforderung

Neben den strategischen Defiziten stellt auch die Mitarbeiterqualifikation eine Herausforderung für die digitale Transformation dar. Nur 3 Prozent der CPOs glauben, dass ihre Mitarbeiter die entsprechenden Fähigkeiten besitzen, um das Potenzial der Digitalisierung voll auszuschöpfen. Dennoch sinken die Investitionen in Mitarbeiterschulungen: Nur 16 Prozent der Befragten konzentrieren sich auf die Verbesserung der digitalen Kompetenzen ihrer Teams.

„Um von den Auswirkungen der digitalen Transformation profitieren zu können, müssen die Verantwortlichen im Einkauf eine digitale Strategie entwickeln und auch ihre Mitarbeiter entsprechend darauf vorbereiten. Wenn sie im internationalen Wettbewerb bestehen wollen, ist dies unabdingbar“, betont Alexander Kainer.

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