Digitalisierung verstärkt ethische Dilemmas bei Entscheidern

Von Algorithmen-Wirtschaft bis zur Klick-Ökonomie: Heimische Unternehmen bringen Verständnis für Ethik und Fairness mit. Jedoch zeichnen sich schon neue Herausforderungen ab. [...]

v.l.n.r.: Thomas Michael Zapf (Styria Media Group), JŸürgen Hofer (HORIZONT, Manstein Verlag), Michael Litschka (Department Medien & Wirtschaft der FH St. Pšölten, IMEC), Michael Sußmann (Dimension Data Austria) und Thomas Stern (Braintrust).
v.l.n.r.: Thomas Michael Zapf (Styria Media Group), JŸürgen Hofer (HORIZONT, Manstein Verlag), Michael Litschka (Department Medien & Wirtschaft der FH St. Pšölten, IMEC), Michael Sußmann (Dimension Data Austria) und Thomas Stern (Braintrust). (c) APA/APA-Fotoservice/Schedl

Keine Frage: Nicht alles, was technisch möglich ist, ist gesellschaftlich wünschenswert. Deshalb tauchen in Zeiten des digitalen Wandels auch laufend neue ethische Problemfelder auf. Wo die heimischen Unternehmen hier stehen und welche Ansätze es gibt, diese Fragen zu lösen, haben Experten bei einer Veranstaltung der Plattform „Digital Business Trends“ (DBT) letzte Woche in Wien diskutiert.

„Grundsätzlich ist bei den österreichischen Unternehmen ein gewisses Verständnis für Ethik und Fairness vorhanden“, verwies Michael Litschka von der Fachhochschule St. Pölten auf eigene Studien. Sie würden die Orientierung am Kapitalmarkt als problematisch ansehen und erkennen, dass Bonuszahlungen keine Anreize für ethisches Verhalten sind. Aber während im Bereich Corporate Governance viel geschehen sei, gebe es bei der Verantwortung als „Unternehmensbürger“ noch Nachholbedarf. Schließlich seien Bereiche wie Bildung, Kultur und Politik außerhalb der eigenen Wertschöpfung angesiedelt. Hier müsse man in Frage stellen, ob Maßnahmen freiwillig getroffen werden.

Bei der Frage, ob es mehr freiwillige Selbstregulierung – etwa wie beim Presserat – oder mehr Fremdregulierung brauche, plädierte Litschka für einen Mittelweg: Er sieht Ko-Regulierung als Mischform, die sich in vielen Fällen anbiete, für die es aber noch nicht sehr viele Beispiele gebe. In der Pharmabranche würden sich die Unternehmen etwa selbst über die genauen Abläufe bei der Medikamentenentwicklung verständigen, auch wenn bestimmte Vorgaben bestünden. Er kritisierte zudem, dass hierzulande keine Orte definiert seien, diese Fragen zu diskutieren. „In Amerika gibt es Ethics Officers, die auch bestimmte Befugnisse haben und nicht gleich klein gemacht werden, wenn sie ein Problem aufzeigen“, so Litschka.

Grenzen verschwimmen teilweise

„Die Frage bei der Regulierung ist, wer was bestimmt – beispielsweise, ob man eine Versicherung bekommt. Wer soll das in einer globalisierten Welt vorgeben und kontrollieren?“, hinterfragte Jürgen Hofer vom Manstein Verlag. Die heimischen Medien hätten grundsätzlich kein ethisches Problem, aber aufgrund des ökonomischen Drucks würden die Grenzen teilweise etwas verschwimmen, erklärte Hofer. Schließlich hätten sich die Rahmenbedingungen deutlich verändert. Man sei dem Mediengesetz mit sehr genauen Vorgaben unterworfen, während Facebook, Google und Co. das ignorieren würden.

„Mit den Plattformen sind neue Herausforderungen aufgetaucht und da werden ethische Grenzen manchmal überschritten“, meinte auch Thomas Michael Zapf von Styria IT Solutions und Styria Digital Services. Dass eine Ko-Regulation funktionieren würde, kann sich der Manager unter Verweis auf den Trend zur Zusammenarbeit durchaus vorstellen. Das würde auch Synergien ermöglichen. Wichtig für ethisches Verhalten im Unternehmen sei, Bewusstsein dafür zu schaffen und dass das Top-Management das vorlebt.

Unterdessen sei der Druck auf IT-Verantwortliche gestiegen, erklärte Michael Sußmann von Dimension Data Austria. Sie müssten sich in die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle einbringen, was aber nicht bedeute, das eigene Business gleich hastig zu „verubern“. Dennoch werde es Situationen geben, in denen die ethischen Grundsätze für den wirtschaftlichen Erfolg hinterfragt würden – etwa wenn sich der Mitbewerber nicht an die ethischen Regeln hält und das Unternehmen deshalb in Gefahr ist. „Dann wird sich auch der Ethics Officer einen neuen Job suchen müssen“, so Sußmann.

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