Europäisches Forum Alpbach: Was kann AI, was darf AI

Auf der einen Seite erleichtert KI unser Leben, auf der anderen Seite braucht es Spielregeln, um sicherzustellen, dass der Einsatz von KI stets zum Wohle der Menschheit stattfindet. Im Rahmen des Forum Alpbach diskutierte eine Expertenrunde über das Thema KI & Ethik. [...]

In Alpbach diskutierten (v.l.n.r.) Matthias Strolz (Portfolio-Entrepreneur, ehem. Parteichef NEOS), Rainer Nowak (Chefredakteur Die Presse), Dorothee Ritz (GM Microsoft Österreich), Bernd Carsten Stahl (Professor der De-Montfort-Uni. Leicester UK) und Andreas J. Ludwig (Vorstandsvorsitzender Umdasch Group AG).
In Alpbach diskutierten (v.l.n.r.) Matthias Strolz (Portfolio-Entrepreneur, ehem. Parteichef NEOS), Rainer Nowak (Chefredakteur Die Presse), Dorothee Ritz (GM Microsoft Österreich), Bernd Carsten Stahl (Professor der De-Montfort-Uni. Leicester UK) und Andreas J. Ludwig (Vorstandsvorsitzender Umdasch Group AG). (c) Microsoft Österreich / APA / Hetfleisch

Das Thema rund um künstliche Intelligenz (KI) und Ethik rückt immer stärker in den gesellschaftlichen Mittelpunkt. Auch Microsoft forscht in dem Bereich künstliche Intelligenz und will diese für Jedermann ermöglichen. Deswegen macht sich das Unternehmen zum ethischen Umgang mit AI schon länger Gedanken und initiierte eine Expertenrunde im Rahmen der Wirtschaftsgespräche in Alpbach. Unter dem Titel „Was kann AI, was darf AI – Welchen regulatorischen Rahmen benötigt Innovation?“ diskutierten Matthias Strolz (ehem. Parteichef NEOS, Portfolio-Entrepreneur), Andreas J. Ludwig (Vorstandsvorsitzender, Umdasch Group AG), Bernd Carsten Stahl (Professor an der De Montfort University, UK, Leiter des Centre für Computing & Social Responsibility) und Dorothee Ritz (Geschäftsführerin von Microsoft Österreich) unter der Leitung von Rainer Nowak, Chefredakteur der Tageszeitung Die Presse, über das Potenzial und die Herausforderungen, die der Einsatz von KI mit sich bringt und wie eine Regulation am Puls der Zeit aussehen könnte.

Österreichische Unternehmen haben KI auf ihrem Radar

Künstliche Intelligenz spielt für Unternehmen eine immer größere Rolle. Das bestätigt eine KI-Studie von EY und Microsoft aus dem Vorjahr: Für 81 Prozent der österreichischen Unternehmen ist KI das wichtigste Digitalisierungsthema überhaupt. 57 Prozent erwarten zudem einen hohen Einfluss durch KI auf Geschäftsfelder, die es zum heutigen Zeitpunkt noch gar nicht gibt.

Das Bundesministerium Digitalisierung & Wirtschaftsstandort erwartet durch den Einsatz von KI ein Wirtschaftswachstum von drei Prozent jährlich (Mission with Vision, Studie von Accenture im Auftrag von BMVIT und BMDW). Das entspricht eine Verdoppelung des aktuellen Basiswachstums. Gleichzeitig schöpfen vor allem kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) noch nicht das volle Potenzial der neuen Technologien aus. Verbesserte rechtliche Rahmenbedingungen sowie gezielte Beratung zur Umsetzung der digitalen Transformation sind dabei wichtige Faktoren. Was die Skills und Expertise im Bereich KI betrifft, liegt Österreich unter dem europäischen Durchschnitt. Hier wird mehr Mut zur Innovation von den Unternehmen gefordert, um von den Möglichkeiten der KI vollends profitieren zu können.

Ethik der AI – Freiraum versus Grenzen

KI verändert jede Branche und wird, genau wie alle großen technologischen Umbrüche, für neue Möglichkeiten sorgen, aber auch Ängste auslösen. „Aus wirtschaftlicher Sicht ist KI ein Wachstumstreiber ersten Ranges, bei der Entwicklung neuer KI-Technologien muss der Fokus jedoch ganz klar auf dem ethischen Umgang sowie auf der Demokratisierung der entwickelten Technologien liegen“, erklärt Dorothee Ritz, Geschäftsführerin von Microsoft Österreich. „Auf globaler Ebene hat Microsoft daher kürzlich eine Milliarde US-Dollar in die Non-Profit-Organisation OpenAI investiert.“ Ziel der Organisation, die im Übrigen auch von Elon Musk unterstützt wird, ist die Sicherstellung, dass die künstliche Intelligenz der gesamten Menschheit zugutekommt. Ritz fügt hinzu: „Wir sind uns der Verantwortung als Konzern bewusst und nehmen die Sorgen und Ängste der Menschen ernst.“

Um sicherzustellen, dass neue Technologien nur zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger eingesetzt werden, sind Leitplanken und Gesetzesvorgaben unverzichtbar. Da die Gesetzesmühlen meist langsamer mahlen, als sich das Rad des technologischen Fortschritts dreht, liegt die Herausforderung seitens der Politik darin die Regulierungen flexibel genug zu gestalten. „Es braucht eine gesamteuropäische Initiative für die vorausschauende Regulierung disruptiver Technologien, um das volle Innovationspotenzial von KI nutzen zu können.“ fasst Matthias Strolz zusammen. „Es gilt, die bestmöglichen Rahmenbedingungen sowohl für Investoren und Investorinnen, als auch für Forscher und Forscherinnen zu schaffen.“ Ähnlich sieht das auch Andreas J. Ludwig: „KI bietet uns in Bereichen wie Forschung, Gesundheit oder Umwelt immense Chancen. Ich fürchte allerdings, dass unser Wertesystem – und somit auch die politischen und gesellschaftlichen Governance-Systeme – das gesamte Ausmaß der damit einhergehenden ethischen Herausforderungen noch nicht ermessen können. Es braucht globale Konzepte und Leitlinien, damit die humangesellschaftlichen Auswirkungen uns nicht böse überraschen.“

Über einen Punkt sind sich die Diskutierenden einig: Grundlegende Werte und Prinzipen müssen stets im Mittelpunkt stehen. Der Erfolg neuer Technologien baut auf das Vertrauen, dass alles korrekt abläuft. „Daher sind Regulierungen notwendig, um den Menschen ehestmöglich die Ängste und Sorgen vor KI zu nehmen und den Fokus auf die vielen Möglichkeiten und das nahezu unbegrenzte Potential zu lenken“, so Ritz.

Das Rad muss nicht neu erfunden werden 

Die Forschung zu Ethik der KI unterscheidet vor allem zwei Themenfelder. Sie setzen sich einerseits aus etablierten Fragen der Menschenrechte, andererseits aus politischen Fragen zusammen. Die Computerwissenschaft beschäftigt sich mit dem Thema Ethik der KI schon länger: „Etablierte Ansätze müssen nicht wieder neu erfunden werden“, so Bernd Carsten Stahl, Professor an der De Montfort University. „Um sinnvoll weiter zu kommen, müssen wir über den Hype hinausblicken. Es gilt festzustellen, welche Probleme vorhanden sind und existierende Lösungsansätze aufzugreifen und weiterentwickeln.“  Dazu gehören unter anderem Methodologien der Softwareentwicklung ebenso wie rechtliche Ansätze zu Datenschutz, Datensicherheit und Menschenrechte. „Obwohl KI sowohl in der Entwicklung als auch in der Anwendung weitgehend eine globale Technologie ist, ist die heutige Diskussion sehr auf Österreich fokussiert. Dies zeigt aber nur, dass ethische Fragestellungen immer auch eine lokale Dimension haben und nur im lokalen Kontext verständlich sind“ fasst Stahl die Komplexität der Fragestellung zusammen. „Gefragt sind Strategien der Parlamente, in Österreich sind diese noch ausständig. Deutschland hat hingegen bereits eine Strategie präsentiert und will bis 2025 drei Milliarden für eine gemeinwohlorientierte Nutzung von KI bereitstellen. Diese Summe steht jedoch in keiner Relation zum Thema, darüber können Nationen wie China nur lachen.“ fügt Strolz hinzu.

Emotionale Kompetenz als notwendige Komponente

Aufgabe der künstlichen Intelligenz ist es nicht, den Menschen zu ersetzen. Sie soll den Menschen im Alltag vielmehr begleiten, unterstützen und sinnvoll ergänzen. Richtig eingesetzt sorgt ein abgestimmtes Mensch-Maschine Team für effizienteres Arbeiten und eine gesteigerte Produktivität. Die oft vorhandene Angst um Arbeitsplätze wird entkräftet, denn neue Berufsfelder entstehen. „So wird es beispielsweise in Zukunft den Beruf des Empathologen geben. Dessen Aufgabe könnte es sein, künstliche Intelligenz mit der Fähigkeit auszustatten eigene und fremde Gefühle zu verstehen und angemessen darauf zu reagieren“, schildert Ritz etwaige neue Berufsfelder. Vielfältige Komponenten, abseits des technologischen Aspektes, sowie emotionale Kompetenz kommen damit bei der Entwicklung von KI verstärkt zum Tragen. Emotionale Intelligenz und Empathie wird als notwendiger Bestandteil fortschrittlicher Entwicklung von KI weitläufig unterschätzt. 

Strategische Umsetzung mit dem Menschen im Mittelpunkt

Wir sind täglich mit künstlicher Intelligenz in Berührung. Es fängt bei Sprachassistenten an und hört bei komplexen Algorithmen, die zur Bekämpfung schwerer Erkrankungen eingesetzt werden noch lange nicht auf. Es geht immer weniger darum, was ein Computer oder eine KI-Anwendung kann. Es geht darum, was KI tun soll. Regelungen und Methoden müssen entwickelt werden, um Haftbarkeitsfragen zu klären, hält Strolz fest: „Um sicher zu stellen, dass der Mensch der Chef ist und bleibt, brauchen wir einen sogenannten ‚Kill-Switch’“.

„AI-Strategien werden bereits ausformuliert und diskutiert. Nun geht es um die Umsetzung“, fasst Ritz zusammen. „Um international mithalten zu können, muss das Thema in Österreich sowohl von der Wirtschaft als auch von der Politik weiter vorangetrieben werden – ohne dabei die Bürger und Bürgerinnen zu überrumpeln und zu überfordern.“ Dem stimmt Ludwig zu: „Es sind schon Richtlinien vorhanden, es liegt nun an uns, diese auch konkret zu realisieren“ Parallel zu den technologischen Errungenschaften betont Strolz die Stärkung des Menschen als sozial-biologisches System: „Machine Learning und AI werden Veränderungen ermöglichen, die wir uns heute noch schwer vorstellen können. Aber eine Maschine wird nie eine Seele haben und diesen Unterschied gilt es zu kultivieren.“

Um genau das sicherzustellen, gilt es nun konkrete und gezielte Rahmenbedingungen zu entwickeln, die vorgeben was KI tun soll. Im Zuge der Breakout-Session in Alpbach wurden zahlreiche Impulse entwickelt, die als Vorlage für die Politik dienen könnten.

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