Eversports: Mitarbeiter in Kurzarbeit – Online-Kurse als neue Chance

Die Corona-Krise macht auch vor IT-Anbietern nicht halt. Eversports, Anbieter einer SaaS-Lösung für Sportanlagen und Fitness-Center, kämpft mit den Auswirkungen des Shut-downs. [...]

Hanno Lippitsch, Gründer und CEO von Eversports: "Die Krise hat uns doch hart erwischt" (c) Eversports

Für Fitness-Studios und Sportanlagen war und ist die Corona Krise eine harte Zeit.  Fitness-Studios dürfen nach wie vor nicht öffnen. Das ist für Betreiber alles andere als einfach. Die aktuelle Situation trifft aber auch IT-Dienstleister der Fitness-Studios – davon kann Hanno Lippitsch, Gründer und CEO von Eversports, ein Lied singen. Die Idee des 2013 gegründeten Unternehmens: Eversports bietet eine Software, die Sportstätten und Sportler zusammenführt. Die SaaS-Lösung für Anbieter dient einerseits dazu, Sportstätten zu verwalten und ermöglicht den Kunden die Suche und Online-Buchung. Für alle Sport-Begeisterten ist die Nutzung der Webplattform sowie der App kostenlos. Die COMPUTERWELT sprach mit Hanno Lippitsch, wie sein Unternehmen aktuell die Situation bewältigt.

Wie handhabt Eversports die Corona Krise bzw. welche Maßnahme werden intern gesetzt?

Lippitsch: Die aktuelle Krise hat uns doch sehr hart getroffen. Wir sind derzeit in Österreich, Deutschland und den Niederlanden tätig. Von den Niederlanden aus betreuen wir auch den italienischen und spanischen Markt. Da sich da der Markt nicht wunschgemäß entwickelt hat und aufgrund der Corona-Krise haben wir uns insgesamt im ersten Quartal von 20 Mitarbeitern trennen müssen. Mit den verbleibenden 50 Mitarbeitern haben wir Anfang April die Kurzarbeit gestartet. Damit hoffen wir, keine weiteren Schritte unternehmen zu müssen und so gut durch die Krise zu kommen.

Ab Mitte März waren  Mitte März alle Mitarbeiter im Homeoffice. Nachdem schon zuvor der Großteil der Mitarbeiter mehrere Tage im Monat im Homeoffice gearbeitet hat, war diese Umstellung für uns nicht so gravierend wie wahrscheinlich für viele andere Unternehmen. Inzwischen sind wieder einige Mitarbeiter auch vor Ort im Büro im Einsatz. Um den Betrieb unseres Unternehmens zu erhalten, war es für uns aber vorallem wichtig, dass wir Wege finden, unser Angebot schnell an die neuen Gegebenheiten anzupassen.  

Wie stehen Sie zu den Maßnahmen der Regierung, sie nutzen ja auch selbst jetzt Kurzarbeit?

Wir empfinden die Maßnahmen der Regierung in den Märkten, in denen wir aktiv sind, als angemessen und hilfreich. Wir haben das komplette Team jetzt zur Kurzarbeit angemeldet, die Einreichung hat funktioniert.  Anfangs gab es da ein wenig Verwirrung, weil alle paar Tage die Regeln verändert worden sind. Wir hoffen aber jetzt, dass die Abwicklung bzw. Abrechnung der Kurzarbeit möglichst unbürokratisch stattfinden wird.  Wir sind jedenfalls froh, dass es die Möglichkeit der Kurzarbeit gibt.

Welche Maßnahmen und Aktionen bietet Ihr Unternehmen aufgrund der Corona Krise seinen Kunden?

Wir haben sehr schnell agiert und es unseren Sport-, Fitness- und Yoga-Anbietern möglich gemacht, mittels Online-Live-Streaming-Aktivitäten auch bei geschlossenen Studios und Sportcentern Umsätze zu generieren. Manche Anbieter haben da sehr schnell regaiert und haben durch Online-Angebote den Umsatz sogar halten können. Andere hat die Schließung der Sportanlagen und Fitness-Studios arg erwischt.

Für die Online-Kurse haben wir für unsere Partner auch neue Bereiche auf unserer Webplattform und in den mobilen Apps (iOS & Android) geschaffen, damit ihre neuen Online Lessons auch leicht entdeckt und gebucht werden können.  Es war für uns auch überraschend zu sehen, wie gut, diese neuen Online-Angebote von den Leuten angenommen wurden, etwa für Yoga Stunden. Ein großer Vorteil bei den Online-Angeboten ist, dass es da kein Limit bei den Teilnehmerzahlen gibt. So sind etwa bei beliebten Angeboten wie den Online-Kursen des Yoga-Lehrers Patrick Broome statt 50 jetzt 200 oder 300 Teilnehmer keine Seltenheit. Online-Fitness-Stunden sind damit auch eine neue Opportunity, die auch in Zukunft sicher ein Teil des Angebots bei unseren Partnern sein wird.

Wir selbst haben auch einen Teil dazu beigetragen: Wir bieten für alle kostenlos eine tägliche zehnminütige Online-Sportpause um 15 Uhr an, die „Eversports Company Sports Break“.  Seit April haben auch  unsere Partner die Möglichkeit, die Eversports Company Sports Breaks zu „hosten“: Sie können ihre Angebote so ein wenig bewerben und allen Menschen in Homeoffice Zeiten ein  Mindestmaß an Bewegung ermöglichen. 

Ihre Software ist ja eine SaaS-Lösung, wer ist Ihr Cloud-Partner?

Technologie spielt bei der Bewältigung der derzeitigen Herausforderungen natürlich auch eine wichtige Rolle. Anfangs hatten wir einen deutschen Host-Partner. Vor ca. vier Jahren haben wir uns dann zum Wechsel entschieden: Seither setzen wir für den Betrieb der Eversports-Plattform auf die Dienste von Amazon Web Services (AWS). Darunter sind beispielsweise Amazon Relational Database Service (Amazon RDS), AWS Elastic Beanstalk, Amazon ElastiCache, AWS Lambda und AWS Step Functions. Auch wenn diese Dienste schon in der Vergangenheit zentral für den kosteneffizienten und reibungslosen Betrieb unserer Plattform waren, wurden wir in der jetzigen Situation nochmal darin bestätigt, wie wichtig eine flexible Infrastruktur ist: In weniger als 72 Stunden konnten wir alle notwendigen Funktionen entwickeln und automatisieren, um unseren Kunden digitale Möglichkeiten bereitzustellen, ihre Kurse online anzubieten.  Zusätzlich hat uns AWS täglich mit technischem Support und bei der Planung unserer Lösung unterstützt um diese auch langfristig stabil zu gestalten, und uns mit Partnern, mit deren Unterstützung wir unser Angebot weiter ausbauen können, in Verbindung gebracht.

Wie gehen Sie persönlich in Ihrem Unternehmen mit der Krise um, wie verhalten Sie sich?

Die Krise hat anfänglich natürlich viele Ängste ausgelöst und ich hatte das Gefühl, dass die Tage nicht mehr genug Stunden haben, um mit allen Herausforderungen umzugehen. Mittlerweile sind viele Themen entschärft und wir konzentrieren uns mehr und mehr auf die Chancen die Krise bringt. Unter anderem schaffe ich es mittlerweile selbst öfter Sport zu machen, da man sich mit Online-Videos die An- und Abreise-Zeit zum Studio spart und im 15 Minuten Takt immer neue live-Klassen starten.


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