FinTechs zwingen Banken zum Umdenken

Kundenfreundlich, preisgünstig und transparent - so erobern IT-Start-ups mit Online-Finanzdienstleistungen immer mehr Bankkunden. Die Managementberatung Horváth & Partners hat einige der Unternehmen analysiert. [...]

"FinTechs grenzen sich von klassischen Banken und Finanzdienstleistern  durch eine spürbar höhere Kundenorientierung ab."
"FinTechs grenzen sich von klassischen Banken und Finanzdienstleistern durch eine spürbar höhere Kundenorientierung ab."
„FinTechs bieten keine vollkommen neuen Produkte und Dienstleistungen an, sondern grenzen sich von klassischen Banken und Finanzdienstleistern in erster Linie durch eine spürbar höhere Kundenorientierung ab“, so Ingo Kipker, Studienleiter und Partner bei Horváth & Partners. Durch Angebote wie die von nutmeg oder ayondo wird zum Beispiel komplexe Vermögensverwaltung mit nur wenigen Klicks individualisiert und online abschließbar. CurrencyFair und TransferWise bieten mit Währungstransfers eine altbekannte Leistung an – jedoch zu deutlich niedrigeren Preisen. Und mit Mint bearbeitet der Kunde all seine Konten auf einer zentralen Plattform. Im Online-Banking brechen damit neue Zeiten an.
„Seit der Finanzkrise sind viele Kunden skeptisch gegenüber klassischen Banken. Mit transparenten Preismodellen und einer einfachen Darstellung ihrer Leistungen schaffen FinTechs dort Vertrauen, wo es zuletzt fehlte“, so Kipker. „Weil sie Nischenanbieter bzw. Monoliner sind, können sie ihre Leistung gezielter optimieren als eher breit aufgestellte Banken und sind so bemerkenswert kundenfreundlich. Und dank vollautomatisierter Prozesse sind sie obendrein schneller als jeder Bankberater.“ Kreditech analysiert zum Beispiel alle online verfügbaren Daten eines Kreditantragstellers, um seine Bonität zu überprüfen und ein persönliches Kreditangebot zu erstellen. Dies geschieht in weniger als einer Minute.
„In Österreich kommt die Finanzindustrie deshalb mehr und mehr unter Innovationszwang“, stellt Michael Hilbert, Head of Financial Industries von Horváth & Partners Österreich, fest. Abgesehen von wenigen Ausnahmen hätten die meisten großen Institute aber immer noch nicht die optimale Innovationsstrategie gefunden. Viele Fragen seien noch ungeklärt, weswegen es bisher kaum entsprechende Konzepte und Maßnahmen gäbe. Banken und Versicherer sollen laut den Experten nun von den Stärken der FinTechs lernen. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für Banken und Versicherer, das eigene Geschäftsmodell sowie die Kundenorientierung zu überprüfen“, betont Kipker. Und auch bei den internen Abläufen lohnt sich ein Blick auf die Start-ups. Denn wer Prozesse automatisiert gewinnt mehr Zeit für den persönlichen Kundenkontakt – und dieser ist nach wie vor ein wichtiges Argument für die klassischen Anbieter. 
Für die Analyse betrachteten die Banken-Experten von Horváth & Partners fünfzig Geschäftsmodelle von Start-ups im Finanzsektor. Anhand der Kriterien Benutzerfreundlichkeit, Massentauglichkeit und Auswirkung auf klassische Finanzdienstleister ermittelten sie die Top 12-FinTechs: 
  • nutmeg.co.uk, GB und ayondo.de, D (Vermögensverwaltung)
  • marketinvoice.com, GB (Factoring)
  • lendingclub.com, USA (Peer-to-Peer-Kredite)
  • kreditech.com, D (Kreditvergabe)
  • kickstarter.com, USA und seedmatch.de, D (Projekt-, Unternehmensfinanzierung)
  • borro.com, GB (Onlinepfandhaus)
  • currencyfair.com, IRL und transferwise.com, GB (Währungstransfer)
  • mint.com, USA (Kontenmanagement)
  • pixelpin.co.uk, GB (Online-Authentifizierung)
  • photopay.net, GB (Überweisungen)
  • friendsurance.de, D (Versicherungen)

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