Gartner: Bis 2024 werden 65% aller Unternehmen mit Low-Code entwickeln

Die Zukunft der Softwareentwicklung ist Low-Code. Zumindest, wenn es nach der Analyse- und Marktforschungsfirma Gartner geht. Denn diese prognostizierte, dass bis 2024, 65% aller Applikationen mittels Low-Code erstellt werden. Wie der Weg dorthin aussehen kann, zeigen wir in diesem Artikel. Zudem gibt es spannende Insights zum deutschen Low-Code Markt. [...]

Low Code Plattformen sind im Kommen (c) Pixabay
Low Code Plattformen sind im Kommen (c) Pixabay

Die Anforderungen an Entwicklerteams haben sich in den letzten Jahren rasant verändert. Cloud-, Web und Mobil-Technologien, Conversational Interfaces und andere Benutzeroberflächen (Stichwort: AR) treffen dabei auf wachsende Anforderungen seitens den Fachabteilungen sowie Endbenutzern. Oder wie es Watts S. Humphrey einst formulierte: “Jedes Business ist ein Software-Business.“

Mit all diesen Trends kam es in den letzten Jahren zu einem wachsenden Fachkräftemangel. Der Bedarf an ausgebildeten Softwareentwicklern steigt stetig an. So etwa arbeiten gemäß Statista 2019 bereits 990.000 Personen im Bereich des IT-Services und der Software. Im Vergleich zu 2014 – mit 741.000 Personen – ist dies ein Anstieg von 33,6% in den letzten 5 Jahren.

Trotz des Wachstums an besetzten IT-Stellen, wächst auch der Mangel an IT-Experten. Laut dem Branchenverband Bitkom erreichte der IT-Fachkräftemangel 2018 einen Höhepunkt mit 82.000 offenen Stellen. Diese Zahl hat sich seit 2014 verdoppelt. Gleichzeitig finden 82% aller Unternehmen in Deutschland, dass es einen Mangel an IT-Spezialisten gibt (2018). 2014 etwa waren es „nur“ 54% aller Unternehmen, die dieser Meinung waren.

75% aller Unternehmen setzen mindestens 4 Low-Code Tools ein

Das Marktforschungsinstitut Gartner hat eine klare Antwort auf den Fachkräftemangel. So etwa prognostiziert es, dass bis 2024 75% aller Großunternehmen mindestens 4 unterschiedliche Low-Code Entwicklungstools einsetzen werden. Insgesamt werden bis zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als 65% aller Unternehmen Low-Code als Alternative in der Softwareentwicklung einsetzen.

John Rymer vom Analyseunternehmen Forrester prägte im letzten Jahrzehnt den Begriff „Low-Code“, und auch er stimmt mit den Prognosen überein. Erst kürzlich zeigte John Rymer bei der ersten deutschsprachigen Low-Code Konferenz, den Low-Code Day Berlin, dass 33% der IT-Teams in Deutschland in den nächsten 12 Monaten eine Low-Code Entwicklungsplattform implementieren möchten. 

Abbildung: John Rymer beim Low-Code Day Berlin, 24.10.2019

Jedes Unternehmen ist ein Low-Code-Unternehmen

Sehen wir uns kurz die Situation im deutschsprachigen Raum im Detail an. Dank einer gemeinsamen Studie (August 2019) von dimensional research und Mendix, können wir dazu auf folgende Low-Code Statistiken für den deutschsprachigen Raum zurückgreifen.

So etwa wollen rund die Hälfte (51 Prozent) der Unternehmen im DACH Raum spätestens 2020 erste Anwendungen mit Hilfe von Low-Code entwickeln. Und 71 Prozent der Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gaben an innerhalb der nächsten zwei Jahre Low-Code Projekte umzusetzen.

Eine doch sehr beachtliche Entwicklung. Liegt dies ausschließlich am Entwicklermangel? Oder gibt es noch andere Gründe für den Einsatz von Low-Code Entwicklertools?

Schnellere Softwareentwicklung trotz Entwicklermangel

Wie Roland Hörmann, CEO und Mitgründer der Low-Code Plattform VisionX in seiner Keynote beim Low-Code Day Berlin kürzlich skizzierte, sieht das Bild etwa so aus:

Statistiken belegen das Gefühl sämtlicher IT-Entscheider: Es gibt zu wenig Entwickler in allen Branchen. Und den Weg über eine Outsourcing-Firma zu gehen ist auch nur ein bedingter Workaround, da dies weder die geforderte Geschwindigkeit löst noch zu einer effizienteren Zusammenarbeit (zwischen Entwicklerteam und Fachabteilung) führt. 

Die Lösung kann jedoch Low-Code heißen. Warum? 

Low-Code bietet sowohl für Citizen Developer als auch erfahrene Softwareentwickler Abhilfe.

  • Business-Teams und sogenannte Citizen Developer können einfache Benutzeroberflächen und Daten-Modelle selbst erstellen.
  • Software-Entwickler können wiederholende, einfache Programmiervorgänge vermeiden (da diese meist in Low-Code bereits vorhanden sind).
  • Software-Entwickler können sich so auf komplexere Funktionen konzentrieren und diese als Komponenten den jeweiligen Citizen Developer zur Verfügung stellen.

Praxiserfahrungen zeigen, dass mit bestehendem Entwicklerteam eine zwei- bis fünf-fach schnellere Umsetzung mittels Low-Code im Vergleich zur klassischen Programmierung möglich ist. 

Citizen Entwickler als die besseren Entwickler? 

Gartner etwa sagt, dass in Zukunft Citizen Developer mindestens 25% aller neuen Business Applikationen selbst erstellen werden. 

Ein Citizen Developer ist ein Endbenutzer, der neue Anwendungen, Programme oder Systeme erstellt, indem er Entwicklungsumgebungen verwendet, die ihm von der Unternehmens-IT zur Verfügung gestellt werden. Doch allgemein betrachtet ist ein Citizen Developer kein professioneller Programmierer, sondern ein Nutzer, der technisches Verständnis besitzt, um die an ihn geforderten Anforderungen zu lösen. (Quelle: Wikpedia)

Damit Citizen Developer erfolgreich sein können benötigen Sie Tools und neue Ansätze um Software zu entwickeln, betreuen und zu liefern. Low-Code Plattformen unterstützen diese Rollen und helfen Ihnen dabei aus der Schatten-IT herauszukommen.

Low-Code – die Lösung für Alles? Nicht ganz. 

Low-Code Tools und Werkzeuge bieten viele entscheidende Vorteile in der Softwareentwicklung und lassen auch ungeschulte Entwickler, sowie sogenannte Citizen Developer unkompliziert Applikationen visuell erstellen. Sieht man sich die führenden Anbieter am Markt an, so lassen sich einfache Applikationen recht schnell bauen. Bei größeren/komplexeren Applikationen gibt es vereinfach gesagt, zwei Limitierungsfaktoren: 

  • Vollständige visuelle Programmierung: Mit Mendix etwa lassen sich viele Bereiche visuell entwickeln. Soweit so gut. Als Anfänger ist die Einstiegshürde jedoch recht schnell recht hoch und man wird einen geschulten Low-Code Experten benötigen, der explizit mit der Plattform vertraut ist.
  • Low-Code & klassische Programmierung: Andere Anbieter – wie etwa VisionX – setzen bei komplexeren Applikationen auf die klassische Entwicklung. Das heißt, dass einfache Bausteine visuell entwickelt werden, während komplexere Funktionen von Hand – etwa durch Java-Programmierer – ergänzt werden müssen.

Je nach vorhandener Unternehmensressourcen bedarf es Entwickler mit Low-Code Plattform Expertise, oder eben nach wie vor die klassischen Entwickler-Skills.

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