Hand-Durchblutung: App schlägt klassischen Test

Wer hätte das gedacht: Eine Smartphone-App kann mit der verbauten Kamera sicherer feststellen, wie es um die Durchblutung der Hand bestellt ist. [...]

Mit der Smartphone-Kamera können auch verlässliche Diagnosen durchgeführt werden.
Mit der Smartphone-Kamera können auch verlässliche Diagnosen durchgeführt werden. (c) Joachim Kirchner / Pixelio

Dies soll genauer sein als das in der Praxis gängige physische Untersuchungsverfahren, wie eine randomisierte klinische Studie des University of Ottawa Heart Institute  zeigt. Das belegt den Forschern zufolge, das große Potenzial das Smartphones für die medizinische Diagnostik haben.

Nützliche Kamera

„Aufgrund der breiten Verfügbarkeit von Smartphones werden sie zunehmend für Vor-Ort-Diagnostik in klinischen Umgebungen mit minimalen Kosten genutzt“, sagt Benjamin Hibbert, Kardiologe am University of Ottawa Heart Institute. Beispielsweise ist es möglich, ein Smartphone mit Kamera und passender Software als Plethysmograph zu nutzen, der Veränderungen in der Durchblutung misst. Eben diese Art der Anwendung hat das Team nun mit einem physischen Diagnoseverfahren, dem modifizierten Allen-Test, verglichen. Dieser dient der Bestimmung, ob die Durchblutung der Hand wirklich über beide dorthin führenden Arterien funktioniert.

Eine solche Prüfung ist beispielsweise vor Eingriffen wichtig, die eine der Arterien zeitweilig blockieren, wie das Legen eines Herzkatheters. Bei 438 Patienten, bei denen eben diese Prozedur anstand, hat das Team für die Studie neben einer klinischen Plethysmographie testweise entweder einen Smartphone-Test am Zeigefinger oder den Allen-Test durchgeführt. Die genutzte Smartphone–App, „Instant Hear Rate 4.5.0“ auf einem iPhone 4S, hat dabei eine diagnostische Genauigkeit von 94 Prozent erreicht und damit den Allen-Test um zehn Prozentpunkte übertroffen.

Strenge Prüfung

„Auch wenn Smartphones und Apps vermehrt klinisch genutzt werden, wurden sie doch nicht als medizinische Geräte entwickelt, und es ist wichtig, dass wir sie mit der gleichen Strenge evaluieren wie alle Therapien und diagnostischen Tests“, betont Studien-Erstautor Pietro Di Santo. Die aktuelle Studie sollte eben eine derart strenge Prüfung der Smartphone–Technologie darstellen. „Wenngleich die App derzeit nicht von Regulatoren für die Nutzung im Gesundheitswesen zertifiziert ist, unterstreicht unsere Studie das Potenzial von Smartphone-basierter Diagnostik als Hilfe bei der klinischen Entscheidungsfindung bei Patienten am Bett“, meint Hibbert.

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