„Handel ist Wandel“: Logistik für den E-Commerce

Am 19. November fand im Handelsverband die Tagung "Logistik für den E-Commerce" statt. Im Anschluss wurden die "E-Commerce Quality Awards" verliehen. [...]

E-Commerce Quality Awards 2013 (c) Handelsverband - Katharina Schiffl
Rainer Schwarz (DPD Direct Parcel Distribution Austria GmbH)

Bei der Tagung diskutierten Experten aus Handel, Forschung und Logistik, mit welchen neuen Aufgaben Handelsunternehmen und Logistiker im E-Commerce aktuell konfrontiert sind, und betonten die Herausforderung, Kundenerwartungen gleichzeitig zu erfüllen und zu managen.

„Die logistische Welt zeigt große Dynamik, wobei folgende Trends zu beobachten sind: gesellschaftliche Individualisierung, demographischer Wandel, Social Media, Urbanisierung, technologische Neuerungen wie das Web 2.0 sowie der globale Wirtschaftswandel“, erläuterte Volker Lange, Leiter Verpackungs- und Handelslogistik am Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik in Dortmund. Es komme zu einer Verschmelzung von physischer und virtueller Welt mit der Folge eines veränderten Konsumverhaltens, denn Kaufwünsche können im Internet fast jederzeit befriedigt werden. E-Commerce-Logistik müsse die Herausforderungen von kleinen Sendungseinheiten, geringem Warenwert, kurzen Lieferlaufzeiten, engen Zeitfenstern und hohen Retourenanteilen meistern. Eklatantestes Merkmal des Online-Handels ist laut Lange, dass Push-Marketing hier ins Leere greift: Im Gegenteil bestimme der Kunde, welche Waren er wann kaufen und erhalten will, oft am liebsten am selben Tag. Dieser Umstand hat massive Auswirkungen auf logistische Abläufe und die damit verbundenen Kosten.

Roman Leydolf, Gründer und Geschäftsführer der Systemlogistik Distribution GmbH, beurteilte die  E-Commerce-Entwicklung in Österreich noch zurückhaltend. „Die Durchdringung des Online-Handels ist noch nicht hoch wegen der hohen Filialdichte, der Möglichkeit, etwa an Tankstellen auch außerhalb der Ladenöffnungszeiten einzukaufen, und schließlich des Festhaltens am stationären Handel“, begründete Leydolf die noch vergleichsweise geringe E-Commerce-Nutzung.

„In Österreich ist in Hinblick auf die viel zitierte Same-Day-Delivery nur der Wiener Raum kostentechnisch machbar, im restlichen Österreich ist ’nur‘ Overnight-Zustellung möglich. Die Variante ‚Click and Collect‘ mit Abholung in einer Filiale ist bereits erfolgreich“, erläuterte Leydolf die Situation in Österreich. Für optimalen E-Commerce seien perfekte Lagerlogistik, flächendeckende variable Zustellung und ergänzende Services rund um den Webshop erforderlich.

„Online und Mobile bedeuten eine Ausweitung der Wettbewerbszone, und das hat Einfluss auf die Wahrnehmung des stationären Handels aus Kundensicht“, analysierte Nordal Cavadini, Partner beim Beratungsunternehmen Oliver Wyman in Zürich. „Der stationäre Einzelhandel muss reagieren, online gehen, Wettbewerbsverdrängung forcieren und stationäres Netzwerkmanagement überdenken.“ Ein gutes Sortiment gepaart mit guter Logistikdienstleistung seien essentiell. Nachteile des E-Commerce mit Lebensmitteln seien primär im Verpackungsmüll und in der Verderblichkeit der Lebensmittel zu sehen.

IST SCHNELLER IMMER BESSER?
Zentrales Thema in der Podiumsdiskussion war die Qualität in der Logistik, für die der Kunde auch gerne bereit ist zu zahlen. Die Diskutanten Andreas Breinbauer (Fachhochschule des bfi Wien GmbH), Johannes Kofler (Handelsverband; Conrad Electronic International GmbH), Andreas Pesenhofer (JCL E-Commerce GmbH) und Rainer Schwarz (DPD Direct Parcel Distribution Austria GmbH) stimmten darin überein, dass Kundenerwartungen identifiziert werden müssen und die eigenen Stärken eines Handelsbetriebs eingebracht werden sollten. Schneller sei dann besser, wenn die Qualität nicht unter der Geschwindigkeit leide. Die Diskutanten plädierten für eine Entschleunigung und Vereinfachung in der E-Commerce-Logistik und dafür, dem Kunden zu unterschiedlichen Preisen eine Auswahl an Liefer-Geschwindigkeiten anzubieten.
 
Zum Abschluss der Tagung verliehen Johannes Kofler, Vizepräsident des Handelsverbands, und Geschäftsführerin Patricia Mussi, die „E-Commerce Quality Awards 2013“. Über die Auszeichnung in der Kategorie Multichannel durfte sich diesmal die Firma IKEA freuen. In der Kategorie Benutzerfreundlichkeit behauptete sich das Unternehmen paybox mit der Seite onlineaufladen.at. Erstmals wurde auch ein Award in der Kategorie Mobile vergeben, die die Fielmann GmbH mit ihrer Kontaktlinsen-App für sich entscheiden konnte.

Für die Awards nominiert waren alle Träger der Gütesiegel „E-Commerce Quality“ und „M-Commerce Quality“ des Handelsverbands. Die Preisträger wurden von einer Fachjury ausgewählt, die von WKO, Handelsverband und der COMPUTERWELT beschickt wurde und an der außerdem die Vorjahressieger teilnahmen.

Rund hundert Gäste aus dem Handel waren der Einladung zur Tagung „Logistik für den E-Commerce“ gefolgt, als Moderator führte Oliver Feldkircher, Geschäftsführer von smartsale 360, durch den Nachmittag. (pi)

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