Hands-on: Huawei P40 Pro

Huawei hat die neueste Ausgabe seiner P-Serie vorgestellt. Ohne vorinstallierte Google Apps aber mit beeindruckender Hardware, vor allem was die Kamera betrifft. [...]

Huawei ist mit dem P40 Pro ein technisch beeindruckendes Flaggschiff gelungen. (c) Huawei

Auf großen Klimbim musste Huawei aufgrund der aktuellen Situation bezüglich Corona verzichten. Dennoch ließen es sich die Chinesen nicht nehmen, heute ihre Neuzugänge der P-Serie vorzustellen. Während die Lite-Versionen des P40 ja bereits im Vorfeld vorgestellt wurden, erblickten heute das P40, das P40 Pro und das P40 Pro+ die Welt.

5G ist Standard – bei uns

Die Pro-Version des neuen P40 gibt es generell als 5G- und als LTE-Version. Huawei verzichtet aber darauf, Letztere in unserer Region zu lancieren. Hier fokussiert sich Huawei auf den Launch der Geräte mit dem hauseigenen 5G-Prozessor Kirin 990 5G, der bereits beim Falt-Phone Huawei Mate Xs verbaut war. Und damit kommen wir zur Hardware der Geräte allgemein.

Die Hardware in der Übersicht

Das Display und der Akku und was beides miteinander zu tun hat

Eine Menge Arbeit hat Huawei in sein Display gesteckt. 6,58 Zoll misst dieses bei der Pro-Version und weist drei grundsätzliche Neuerungen gegenüber seinem Vorgänger auf. Erstens: Die Body-to-Display-Ratio wurde noch einmal verbessert, die Ränder quasi auf Null getrimmt. Zweitens: Abrundungen, also Curved, gibt es nun nicht mehr ausschließlich an den Seiten, sondern auch oben und unten. Quad Curve Overflow Design nennt das Huawei. Die Kurven sind aber eigentlich nur sanfte Abrundungen für ein angenehmeres haptisches Erlebnis, sodass man grundsätzlich von einem flachen Display sprechen kann. Dies ist insofern positiv, als dass es so zu keinen Edge- oder Waterfall-bedingten Fehleingaben kommt. Generell stelle ich im Hands-on fest: Die Haptik ist sehr angenehm. Weder zu schwer, noch zu groß und vor allem: nicht zu breit. Liegt also sehr angenehm in der Hand. Das matte Alu-Glas-Gemisch auf der Rückseite trägt ebenfalls dazu bei. Zudem sind Fingerabdrücke darauf kaum zu sehen und die Farbe Silver Frost unseres Testgeräts weiß zu gefallen.

Drittens: Huawei schont die Augen. In den Einstellungen lässt sich die Bildwiederholrate auf 90 Hertz hochfahren, was das Scroll-Erlebnis sehr viel angenehmer macht. Natürlich wirkt sich das auch auf die Laufzeit des Akkus aus. Dieser hat in der Pro-Variante eine Kapazität von 4200 mAh, womit man auch bei 90 Hertz und intensiver Nutzung locker durch den Tag kommt. Auch am zweiten Tag ist da noch was übrig. Zudem legt Huawei ein 40-Watt-Netzteil bei, das den Akku in gut 50 Minuten von 0 auf 100 Prozent bringt. Die Auflösung und Pixeldichte haben wir ja bereits in obiger Tabelle abgehandelt. Sie betragen 2640 × 1200 Pixel respektive 441 Pixel pro Zoll. Zum Vergleich: Das P40 Pro hat bei einem 1,1 Zoll kleineren Display 400 ppi.

Kamera und Video

Keine große Überraschung: Huawei legt den Fokus der Neuerungen auf die Kamera – kein Wunder, denn dort vermochten die Chinesen in den letzten Jahren immer wieder neue Duftmarken zu setzen. Zunächst zur Optik auf der Front: Der Drop-Notch ist Geschichte. Vielmehr setzt nun Huawei auf die sogenannten Punch Holes, also ein Cut-out im Display. Dieser ist beim P40 Pro relativ ausgeprägt, was aber einen Grund hat: Dort ist die 32-Mpx-Frontkamera (Blende: ƒ/2,2) samt Autofokus untergebracht sowie ein Infrarotsensor, der für eine zuverlässigere Gesichtserkennung zuständig ist. Auch ToF unterstützt die Frontlinse. Diese Aufgabe löste sie mit Bravour: Im Licht und in totaler Dunkelheit ereigneten sich keine Fehler. Der sonst häufig problematische Fototrick funktionierte nicht. Lediglich bei der grossen, schwarzen Sonnenbrille versagte die Gesichtserkennung den Dienst

Spannend bei der Frontkamera ist einmal mehr Huaweis AI. So erfasst die Kamera 4K-Bilder vor, während sowie nach dem Auslösen und sucht den sogenannten Golden Snap, also den Höhepunkt der Aufnahme. Anschliessend werden drei dieser Golden Snaps dem Nutzer zur Auswahl gestellt.

Auf der Rückseite fühlt man sich ans Galaxy S20 Ultra erinnert: ein rechteckiger, vertikal angelegter Kamera-Array mit dem Branding des Foto-Partners Leica versehen. Huawei hat dort vier Linsen verbaut: den Hauptsensor mit 50 Megapixeln, einem optischen Bildstabilisator und fünfzigfachem Zoom (hundertfach beim P40 Pro+), davon fünffach optisch (zehnfach beim P40 Pro+). Huawei bezeichnet diese als UltraVision-Kamera. Zudem wurde ein System namens Octa Phase Detection entwickelt, um gesamthaft und schnell fokussieren zu können. Natürlich kommt auch hier das sogenannte Pixel-Binning zur Anwendung, sodass das Bild schlussendlich 12,5 Megapixel aufweist. Übrigens auch bei Nacht. Weiter gibt es einen 40-Megapixel-Video-/Super-Wide-Angle-Sensor, einen 12-Megapixel-Telephoto-Sensor und eine ToF-Kamera.

Der Video-Modus unterstützt ebenfalls 4K bei 60 Frames pro Sekunde, was ansehnliche Resultate erzeugt. Auch hier kommt AI bei Bedarf zum Zug und produziert quasi einen Trailer, ein mehrsekündiges Highlight-Video, sollten Sie einen Ausschnitt eines längeren Videos haben wollen – beispielsweise beim Sport, wo auch der Ultra-Steady-Modus zum Tragen kommt.

Google, ja Google …

Explore it on App Gallery prangt schon auf dem Karton des P40 Pro. Nein. Grad im Moment und wenn Sie mich fragen: Auch in Zukunft kommt Google nicht aufs Huawei-Phone zurück. Dafür hat Huawei schon zu viel in die App Gallery, den hauseigenen App Store, in Huaweis Mobile System und in die eigene Cloud investiert. Diese lassen sich schon ganz gut an, die Auswahl an Apps wird schnell grösser und viele namhafte Hersteller haben schon eine App-Version für Huawei entwickelt. 

Dennoch ist es eine Hypothek. Möglich, dass man um Gmail, den Google Kalender und – womöglich – sogar mal um Google Maps herumkommt, wenn Huawei seine Partnerschaft mit TomTom forciert und mit einer konkurrenzfähigen Kartenlösung daherkommt. Aber die conditio sine qua non, quasi der europäische Todesstoß, wird WhatsApp sein. Auch wenn es bessere Messenger gibt (und die gibt es zuhauf), wenn das Umfeld WhatsApp nutzt, nutzt es eben WhatsApp. In unserem Test konnten wir WhatsApp via Phone Clone auf dem P40 Pro tatsächlich installieren und erfolgreich verwenden. Eine Garantie, dass dies auf Dauer funktioniert, ist das aber nicht. Zudem werden Backups auch nur lokal angelegt, denn eine Schnittstelle zu Google Drive gibt es freilich auch nicht.

Preise und Verfügbarkeit

Das P40 kostet 800 Euro und ist ab dem 7. April erhältlich. Besteller erhalten bis am 4. Mai 50 GB Cloud-Speicher von Huawei für ein Jahr kostenlos. Die Pro-Version schlägt mit 999 Euro zu Buche. Verfügbar ab 7. April. Vorbesteller erhalten ein Huawei MediaPad M5 Lite dazu. Beim Pro+ schweigt sich Huawei noch über das Datum aus. Der Preis wird 1399 Euro betragen. Zudem gibts eine neue Lite-Version der Huawei Watch GT 2 (GT2e), die ab dem 7. April für 169 Euro in die Läden kommt. 

Fazit

Es gibt nicht viel zu sagen. Das P40 Pro von Huawei ist wieder mal ein großartiges Smartphone. Kamera, Display, Haptik – top. Wir heben den Daumen. Auch wenn sie kontinuierlich wächst und qualitativ sicher mithalten kann, stellt sich allerdings nach wie vor die Frage nach der App Gallery – respektive den viel genutzten Apps, die man dort (noch?) nicht findet. 


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