Internationale Zusammenarbeit und Austausch im weltweiten Kampf gegen Cyberkriminalität

Das einhellige Fazit der ersten Konferenz "Globale Cyberkriminalität – Trends & Gegenmaßnahmen" am 22. Februar in Wien: Cyberkriminelle interessieren sich nicht für nationale Grenzen und niemand, der auf das Internet zugreift sollte den Cyberspace als sicheren Ort betrachten. [...]

Die Teilnehmer der "Globale Cyberkriminalität – Trends & Gegenmaßnahmen" sind sich einig: Ohne mehr Informationsaustausch und und Kooperation ist der Kampf gegen Cyberkriminelle nicht zu gewinnen. (c) Fotolia/peshkov
Die Teilnehmer der "Globale Cyberkriminalität – Trends & Gegenmaßnahmen" sind sich einig: Ohne mehr Informationsaustausch und und Kooperation ist der Kampf gegen Cyberkriminelle nicht zu gewinnen. (c) Fotolia/peshkov

Kriminalität verlagert sich mehr und mehr vom echten Leben in die digitale Welt. Daten sind die neue Währung und damit auch das Ziel von Angreifern. Durch die Analyse von Bedrohungen und globalen Daten hat INTERPOL drei Cyberkriminalitäts-Megatrends beobachtet: Cyber-Bankraub, Ransomware sowie IoT- and DDoS Angriffe. Die gute Nachricht ist, dass physische Banküberfälle weltweit in den letzten 20 Jahren zurückgegangen sind. In Großbritannien ist die Zahl, einschließlich gescheiterter Versuche, von 847 Fällen im Jahr 1992 auf nur 88 Fälle im Jahr 2014 gesunken. Andererseits sind Cyber-Bankraub und Online-Banking-Betrug ein heißes Thema geworden. In Kombination mit bekannten Bedrohungen wie kompromittierte Unternehmens-E-Mails (BEC) sind diese Bedrohungen eine ständige Gefahr für Unternehmen, insbesondere für den Finanzsektor. In der Zwischenzeit stören volatile Kryptowährungen die Bedrohungslandschaft, weil ihr Wert immer steiler und schneller ansteigt.

Ransomware – das Mittel zum Zweck

Ransomware ist das am schnellsten wachsende Mittel zum Zweck geworden, um als Cyberkrimineller ans schnelle Geld zu kommen. Die Wahrscheinlichkeit, verhaftet zu werden oder ins Gefängnis zu gehen, ist eher gering und Ransomware richtet sich an alle – von Großunternehmen bis hin zu Konsumenten. Während nicht jedes Opfer blindlings Lösegeld zahlt, gibt es viele, die es tun: 2016 wurden fast 1 Milliarde US-Dollar bezahlt. „Jedes fünfte Opfer, das zahlt, hat seine Daten nie zurückbekommen. Aber die Strafverfolgung muss über diese Bedrohungen im Bilde sein. Man kann damit nicht alleine fertig werden. Darüber hinaus müssen wir die Mentalität verändern von ‚Kenntnis nur, wenn nötig‘ zu ‚Teilen, wann immer möglich‘! Daher unterstützt INTERPOL aktiv die internationale Zusammenarbeit der Strafverfolgungsbehörden zwischen den Nationen und dem Privatsektor“, sagt Noboru Nakatani, Exekutivdirektor des INTERPOL Global Complex for Innovation (IGCI).

John Salomon, Regionaldirektor für Kontinentaleuropa beim Financial Services Information Sharing and Analysis Center (FS-. ISAC) argumentiert in dieselbe Richtung: „Wir brauchen mehr Informationsaustausch und Kooperation zwischen dem finanziellen, dem öffentlichen und dem privaten Sektor. Es geht um Community Building, wir müssen es jetzt tun und aufhören, nur darüber zu reden.“

Kriminalität im Internet der Dinge

Insbesondere das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) ist auf dem Weg, in einigen Jahren ein Internet of Everything zu werden. Und es könnte auch ein Internet der Bedrohungen werden, da mobile und IoT-Geräte typischerweise keine starke Verteidigung bieten, aber Datenexfiltrationsfähigkeiten besitzen. Das Firmware Security Analyse-Tool IoT Inspector von SEC Consult wurde aufgrund der wachsenden Nachfrage entwickelt, den Sicherheitsstatus von IoT-Firmware effizient auf Sicherheitsrisiken zu testen. Die Anzahl der festgestellten Sicherheitslücken in intelligenten Geräten wie Babyphones und Sexspielzeug führte sogar zu einem speziellen Forschungsfeld im SEC Consult Vulnerability Lab.

DDoS-Angriffe zeigen ebenfalls erhöhte Zahlen. Im Jahr 2012 mussten die Olympischen Spiele in London mit einem DDoS-Angriff von 100 Gigabit pro Sekunde (Gbps) fertig werden. Während des zweiwöchigen olympischen Ereignisses in Rio 2016 hatten DDoS-Attacken einen allzeit hohen Durchschnittswert mit täglichen Angriffen von über 500 Gbps. OVH, das zu den größten Hosting-Unternehmen der Welt zählt, musste 2016 bei einem massiven DDoS-Angriff mehr als 1,1 Terabyte pro Sekunde (Tbps) bewältigen. Der Ursprung allen Übels: Das alte Mirai-Botnet, das zwischen 500.000 und 550.000 Endstellen bietet und segmentiert werden kann, um mehrere Ziele gleichzeitig anzugreifen.

Verwundbare Infrastrukturen

Im Allgemeinen sind immer mehr kritische IT-Infrastrukturen online zugänglich und potenziell anfällig. „Der Cyberspace ist ein Haifischbecken. Aus militärischer Sicht muss man sich daher fragen, ob es wirklich notwendig ist, dass eine lebenswichtige IKT-Infrastruktur über das Internet offen gelegt werden muss“, sagt Oberst Walter Unger, Leiter der Abteilung Cyber Defence & IKT-Sicherheit, Bundesministerium für Landesverteidigung. Die Sicherheitslage in Österreich wird ständig überprüft und aktualisiert. Insbesondere hat die jüngste strategische Übung ASDEM18 gezeigt, dass sich die koordinierte Zusammenarbeit zwischen Ministerien und anderen Behörden ständig verbessert. Allgemein jedoch werden die Vorwarnzeiten für ernsthafte Cyberangriffe kürzer.

Philipp Blauensteiner, Leiter des Cyber Security Centers des Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (Österreichisches Innenministerium), bestätigt die übergreifende Zusammenarbeit aller relevanten Behörden. Um die Kompetenzen im Bereich der digitalen Sicherheit zu bündeln, wird in Österreich eine Strategie für digitale Sicherheit entwickelt. Unter Berücksichtigung aktueller Zahlen von KPMG verzeichnete Österreich jedoch einen starken Anstieg der Vorfälle. Blauensteiner zufolge tragen Unternehmen die Rechnung: Nur ein kleiner Teil der Angriffe in Österreich, einer von drei Fällen, wird den Bundesbehörden gemeldet. Neben Ransomware sind in Österreich auch weiter fortgeschrittene persistente Bedrohungen (Advanced Persistent Threats, APTs) im Kommen.

„Alle Arten von Bedrohungen müssen beobachtet werden. Egal wo Sie sind, Hacker suchen weltweit nach Möglichkeiten“, sagt Hiroshi Tanaka, Principal Consultant von Infosec Austria. Ihm zufolge ist Wien besonders durch die zahlreichen hier ansässigen internationalen Organisationen exponiert. Wo auch immer es viele internationale Konferenzen gibt und, wie in Wien, der Tourismus boomt, fühlen sich auch Cyberkriminelle wohl. Und es ist nicht unwahrscheinlich, dass Besucher, die Wien verlassen, mehr als nur Fotos für ihre Familien auf ihren Geräten mitnehmen.

Security ist Chefsache

Wenn es um Cybersicherheit in Unternehmen geht, empfiehlt Oberst Unger, eine Top-Down-Strategie zu verfolgen – angefangen bei der Führungsebene bis hin zu den Angestellten. Für ihn ist der erste Schritt die Risikoanalyse. Unternehmen müssen herausfinden, wo sich ihr Vermögen befindet. Kritische Bereiche von IT-Systemen müssen identifiziert und Risiken geprüft werden, um festzustellen, was passieren kann – basierend auf der jeweiligen Kernaufgabe des Unternehmens. Mit Backup-Systemen und gut ausgebildeten IT-Profis sind Unternehmen am besten beraten. Konsequente Implementierung wichtiger Sicherheitsmaßnahmen wie regelmäßige Updates und Patches für Sicherheitssoftware sowie offene Sicherheitsarchitekturen und Investitionen in fortschrittliche Verteidigungstechnologien, die von Endpoint-Geräten bis hin zur Cloud reichen.

Internationaler Austausch, mitten in Wien

Gosuke Nakae, Executive Vice President und COO Infosec, sowie Clemens Foisner, Gründer und Geschäftsführer von SEC Consult, sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis der Konferenz „Global Cybercrime Trends and Countermeasures“. Das Feedback der Teilnehmer und die Möglichkeit, sich mit Fachleuten aus unterschiedlichen Sektoren mit verschiedensten Perspektiven zu vernetzen, ist der beste Weg, deutliche und nachhaltige Schritte gegen Cyberkriminalität zu setzen. Die nächsten Aufgaben werden darin bestehen, die Beziehungen zu nationalen und globalen Gemeinschaften zu vertiefen und starke Netzwerke aufzubauen.

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