„Digitalisierung ist ein kontinuierlicher Prozess zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit“

Herbert Hadler, Geschäftsführer von PSI Automotive & Industry Austria, lässt im Gespräch mit der COMPUTERWELT das Jahr 2020 Revue passieren, erklärt, was wir aus der Corona-Krise lernen können und skizziert die wichtigsten IT-Trends für das kommende Jahr. [...]

Herbert Hadler, Geschäftsführer von PSI Automotive & Industry Austria: "Zum einen muss der Informationsfluss garantiert sein, zum anderen muss trotz Social Distancing das Wir-Gefühl gestärkt werden. Keiner darf sich verlassen fühlen." (c) PSI Automotive & Industry Austria

Inwiefern hat die Corona-Krise den Geschäftsverlauf 2020 Ihres Unternehmens beeinflusst?
In der Phase des ersten Lockdowns waren einige unserer Kunden mit Auftragsvergaben zurückhaltend, bzw. haben diese verschoben. Besonders betroffen davon waren unsere Automotive-Kunden. Mit dem Ende des ersten Lockdowns hat sich das Geschäft wieder deutlich belebt und es wurden bereits neue Projekte beauftragt. Der zweite Lockdown hat sich noch nicht auf unser Geschäft ausgewirkt, dies könnte noch kommen. Dennoch können wir heute schon sagen, dass unsere Kunden und damit die PSI Automotive&Industry voraussichtlich gut durch dieses Krisenjahr kommen werden und auch schon Projekte für 2021 aufgegleist worden sind.

Wie wird sich die Corona-Krise Ihrer Meinung nach im kommenden Jahr auf die IT-Branche bzw. auf Unternehmen auswirken?
Das kann aus heutiger Sicht wegen der umfangreichen Stützungsmaßnahmen der Bundesregierung nicht exakt eingeschätzt werden. Es ist jedoch zu befürchten, dass einige mittelständische Kunden in der Nach-Corona-Phase in wirtschaftliche Schwierigkeiten kommen werden und das wird sich dann zwangsläufig durch Projektstopps bzw. Projektverschiebungen auf die IT-Branche auswirken. Andererseits ist jede Krise auch eine Chance, Altbekanntes auf den Prüfstand zu legen, Verbesserungen umzusetzen und letztlich gestärkt daraus hervor zu gehen.

Welche Lehren lassen sich aus dem Jahr 2020 im Allgemeinen und aus der Corona-Krise im Speziellen für die Zukunft mitnehmen?
Transformationsprozesse können unter Druck von außen ungeplant aber erfolgreich beschleunigt werden. Durch die zwangsweise Verlagerung des Arbeitsplatzes in das Home Office wurde bewiesen, dass man Kundenbetreuung und Projektabwicklung durchaus übers Web realisieren kann. So konnten wir bei zwei Neukunden eine ERP-Einführung mit minimalsten Anwesenheitszeiten vor Ort beim Kunden durchführen und somit beweisen: die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten.

„Transformationsprozesse können unter Druck von außen ungeplant aber erfolgreich beschleunigt werden. Durch die zwangsweise Verlagerung des Arbeitsplatzes in das Home Office wurde bewiesen, dass man Kundenbetreuung und Projektabwicklung durchaus übers Web realisieren kann.“

Herbert Hadler, Geschäftsführer von PSI Automotive & Industry Austria

Wie gehen Sie persönlich bzw. im Job mit Lockdown, Home Office, Home Schooling und Social Distancing um? Mit welchen Strategien und Verhaltensweisen sorgen Sie für Ausgleich?
Im Lockdown war das Wichtigste, umgehend klare Corona-Regeln für die gesamte Belegschaft zu definieren: was ist wann und wie zu tun, wo gibt es Informationen, wer kann angesprochen werden. Darüber hinaus wird in recht kurzen zeitlichen Abständen die gesamte Belegschaft von der Geschäftsführung über Corona, über die wirtschaftliche Situation, über laufende Projekte usw. informiert. Zum einen muss der Informationsfluss garantiert sein, zum anderen muss trotz Social Distancing das Wir-Gefühl gestärkt werden. Keiner darf sich verlassen fühlen. Die größte Herausforderung besteht jedoch für das mittlere Management, also Teamleiter und Abteilungsleiter, die ihre Mitarbeiter über die Distanz führen, anleiten und insbesondere zusätzlich motivieren müssen.

Was waren Ihre beruflichen bzw. persönlichen Highlights im Jahr 2020?
Die Erkenntnis, dass trotz des abrupten Lockdowns durch hohes Engagement gegenseitiges Verständnis aller beteiligten Parteien, die Projekte weiter getrieben werden konnten und dadurch das Unternehmen nahezu unbeschadet die Krise überstehen wird. Privat war ich von zwei Coronafällen in meinem häuslichen Umfeld betroffen, die beide wieder genesen sind.

Welche Themen sollten Ihrer Meinung nach im kommenden Jahr auf der Agenda von IT-Managern ganz oben stehen und warum bzw. welche IT-Themen werden 2021 eine besonders wichtige Rolle spielen?
Die digitale Transformation muss weiter oberstes Thema für die Unternehmen und die IT als stark beteiligte und umsetzende Abteilung sein. Begleitend zur digitalen Transformation aber auch als grundlegendes Thema steht die Prozessoptimierung an. Prozesse müssen agiler werden, Kundennähe gefördert und die Vernetzung vorangetrieben werden. Mittel zum Zweck sind moderne Technologien wie integrierte Workflowmanagement-Systeme, hoch integrative Kommunikationstechniken und Bus-Systeme sowie nicht zuletzt DevOps als Philosophie der Zusammenarbeit aller Parteien in IT-Projekten. Klar ist: Digitalisierung ist kein Selbszweck – es ist ein kontinuierlicher Prozess zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit.

Dieser Artikel ist Teil einer Interviewserie, für den die COMPUTERWELT rund 50 Top-Manager aus der IT-Branche befragt hat. Weitere Interviews lesen Sie in den nächsten Wochen auf computerwelt.at.


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