ISG Index: Outsourcing in EMEA legt weiter zu

Das Managed-Services-Vertragsvolumen der Region übersteigt im zurückliegenden Quartal zum zweiten Mal in Folge und wie in drei der letzten fünf Quartale 2,7 Milliarden Euro, was eine Rückkehr zum hohen Ausgabenniveau von vor 2015 bedeutet. [...]

"Die Technologieausgaben bleiben auf einem hohen Niveau, und so sehen die Technologieanbieter kurzfristig auch zuversichtlich in die Zukunft", sagt Friedrich Löer, Partner bei ISG Information Services Group Germany. "Für den Rest des Jahres 2019 erwarten wir für den globalen as-a-service Markt gegenüber dem Vorjahr ein Umsatzwachstum von 22 Prozent." (c) ISG

Das Volumen der europäischen Managed-Services-Verträge lag im vergangenen Quartal zum zweiten Mal in Folge bei über 2,7 Milliarden Euro, was auf eine mögliche Rückkehr zum hohen Ausgabenniveau von vor 2015 hindeutet. Dies meldet der aktuelle EMEA ISG Index auf Basis der neuesten Zahlen der Sourcing-Branche. Er wird von Information Services Group (ISG) herausgegeben, einem Marktforschungs- und Beratungshaus im Technologie-Segment.

Der EMEA ISG Index erfasst Outsourcing-Abschlüsse der Privatwirtschaft mit einem jährlichen Vertragsvolumen (Annual Contract Value, ACV) von mindestens 4 Millionen Euro. Er zeigt, dass das kombinierte ACV aus Managed Services und as-a-Service-Verträgen in Europa, dem Nahen Osten und Afrika (EMEA) im ersten Halbjahr um 12 Prozent auf 8,9 Milliarden Euro gestiegen ist.

Managed Services, die in den beiden ersten Quartalen 2019 ein ACV von jeweils mehr als 2,7 Milliarden Euro umfassten, erreichten im ersten Halbjahr ein Volumen von 5,7 Milliarden Euro. Die entspricht einem Plus von 10 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vergleichszeitraum 2018. Bei den Teilmärkten der Managed Services stieg das IT-Outsourcing (ITO) um 12 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro, während das Business Process Outsourcing (BPO) um 1 Prozent auf 1 Milliarde Euro zulegte. Im zweiten Quartal 2019 überschritt das ACV bereits zum dritten Mal in den vergangenen fünf Quartalen die Schwelle von 2,7 Milliarden Euro.

Angesichts anhaltend starker Nachfrage nach Cloud-basierten Lösungen stieg das as-a-Service-ACV im ersten Halbjahr um 17 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Dabei wuchs Infrastructure-as-a-Service (IaaS) um 19 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro, Software-as-a-Service (SaaS) um 9 Prozent auf 846 Millionen Euro.

as-a-Service-Markt wächst weiter

Die wachsende Nachfrage nach as-a-Service zeigt sich ungebrochen, sodass diese Lösungen mittlerweile 36 Prozent des gesamten Markts ausmachen. Im zweiten Quartal erreichte as-a-Service 1,6 Milliarden Euro, ein Plus von 9 Prozent. IaaS, das sich zur digitalen Basis für Unternehmen entwickelt (und dessen Wachstum sich seit 2016 verdreifacht hat), kam ersten im Quartal auf 1,1 Milliarden Euro, ein Plus von 7 Prozent. Software-as-a-Service erreichte mit einem Plus von 16 Prozent einen Quartalsrekord von 437 Millionen Euro.

Das Vertragsvolumen der Managed Services sank im zweiten Quartal um 1 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. Zugleich stieg aber die Zahl der geschlossenen Neuverträge: Sie erreichte 204, was einem Plus von 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Erst zum dritten Mal in der Geschichte des ISG-Index übertraf EMEA die Schwelle von über 200 Neuverträgen in einem Quartal. ITO legte um 2 Prozent zu, während BPO um 14 Prozent schrumpfte.

„In den vergangenen Quartalen haben sich die Märkte auf die Auswirkungen einiger makroökonomischen Risiken vorbereitet, welche die gesamte Weltwirtschaft betreffen – Brexit, Zölle und Handelskriege“, sagt Friedrich Löer, Partner bei ISG Information Services Group Germany. „Aber die Diskussion über das weltweite Marktwachstum hat sich überraschend zum Positiven gewendet. Die Rezessionssorgen in den europäischen Märkten jedoch sind weiterhin groß, vor allem in Großbritannien und Deutschland. Zugleich bleiben die Technologieausgaben auf insgesamt hohem Niveau. Nachdem die Brexit-Frist erneut verlängert wurde, ist Unsicherheit für viele britische Unternehmen zum Teil einer neuen Normalität geworden. Offensichtlich nehmen die Unternehmen derzeit strategische Anpassungen vor.“

Weltweit betrachtet sank das Managed Services-ACV im zweiten Quartal im Vergleich zum sehr starken Vergleichszeitraum des Vorjahres um 3 Prozent. Das ACV des gesamten Markts hingegen legte um 5 Prozent zu, da er von einem 14-Prozent-Wachstum bei as-a-Service befeuert wurde.

Ergebnisse nach Ländern

Das Wachstum bei den Managed Services wurde vor allem von den Märkten in Skandinavien, Benelux und Südeuropa getragen. Das Managed Services-ACV in Benelux hat sich im ersten Halbjahr auf 384 Millionen Euro mehr als verdoppelt, in Südeuropa um 96 Prozent auf 545 Millionen Euro und in Skandinavien um gut 24 Prozent auf 972 Millionen Euro.

Mit Blick auf die größeren Märkte Europas wuchs das französische ACV im ersten Halbjahr um 29 Prozent auf 472 Millionen Euro. Insgesamt sind die Aussichten gut: Im ersten Halbjahr wurden insgesamt 43 Deals geschlossen, was im Vergleich zu den 27 Abschlüssen im ersten Halbjahr 2018 sehr positiv ausfällt.

Deutschland, Österreich und die Schweiz (DACH) erwirtschafteten im ersten Halbjahr einen ACV von 1,4 Milliarden Euro bei Managed Services. Die bedeutet dank eines robusten ersten Quartals ein Plus von 3 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahrs. Im zweiten Quartal 2019 ging das ACV gegenüber dem starken Vergleichszeitraum 2018 um 20 Prozent zurück. Die Zahl der im ersten Halbjahr abgeschlossenen Neuverträge stieg leicht an: 82 gegenüber 77 im ersten Halbjahr 2018.

In Großbritannien und Irland ging das ACV im ersten Halbjahr um 0,4 Prozent leicht auf 1,6 Milliarden Euro zurück, da in Großbritannien wegen des Brexits nach wie vor eine große Unsicherheit herrscht. Auch die Zahl der Outsourcing-Deals gab von 111 im ersten Halbjahr 2018 auf 97 in diesem Jahr nach. ISG geht davon aus, dass britische Unternehmen bei ihren Investitionen in Managed Services weiterhin vorsichtig agieren und sich stattdessen auf neue Technologien konzentrieren, die ihre Agilität und Effizienz steigern.

Ergebnisse nach Branchen

Telekommunikation und Medien verzeichneten das größte ACV-Wachstum des Gesamtmarktes aus Managed Services und as-A-Service. Es stieg gegenüber dem ersten Halbjahr 2018 um 40 Prozent. Der Banken-, Finanz- und Versicherungssektor erhöhte die Investitionen um 29 Prozent. Dieses Plus wurde durch ein starkes Wachstum in den Bereichen Digital Banking, Cybersecurity Asset Management, FinTech sowie Kartenzahlung und -verarbeitung getrieben.

Die Branchen mit den größten Rückgängen des ACV im Gesamtmarkt waren der angeschlagene Einzelhandels-/Konsumgüter-Sektor mit minus 11 Prozent sowie der Energiesektor mit minus 28 Prozent.

Ausblick

„Die Technologieausgaben bleiben auf einem hohen Niveau, und so sehen die Technologieanbieter kurzfristig auch zuversichtlich in die Zukunft“, sagt Friedrich Löer. „Für den Rest des Jahres 2019 erwarten wir für den globalen as-a-service Markt gegenüber dem Vorjahr ein Umsatzwachstum von 22 Prozent. Diese Prognose fußt unter anderem auf einer etwas optimistischeren Einschätzung des SaaS-Segments und berücksichtigt Unsicherheiten bei IaaS, insbesondere in China und anderen asiatisch-pazifischen Märkten. Auch im Markt für Managed Services sind wir optimistisch und erhöhen unsere Wachstumsprognose auf 3,5 Prozent bis zum Jahresende. Wir beobachten die Makrotrends jedoch weiterhin genau und werden unsere Prognose anpassen, falls sich in den größeren Märkten deutlichere Veränderungen abzeichnen.“

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