KI-Hörhilfe setzt auf Lippenlesen

Der israelische Assistenztechnologie-Spezialist Orcam hat anlässlich der Consumer Electronics Show (CES) die KI-Hörhilfe "Orcam Hear" präsentiert. [...]

Die intelligente Sprecher-Erkennung von Orcam wirkt dem Cocktailparty-Problem entgegen. (c) orcam.com

Das wie eine Halskette getragene Gerät setzt auf eine Kamera für eine intelligente Sprecher-Erkennung und Lippenlese-Technologie, um via Bluetooth ein Hörgerät mit einer klaren Stimme statt Coktailparty-Sprachgewirr zu versorgen. Dafür gab es bei den CES Innovation Awards die Auszeichnung „Best of Innovation“ in der Kategorie Assistive.

Gezielte KI-Stimmentwirrung

Das menschliche Gehör kann aus einem Geräuschgewirr eine bestimmte Quelle herausfiltern, beispielsweise einen Sprecher auf einer Cocktail-Party – weshalb dieses selektive Hören auch Cocktailparty-Effekt genannt wird. Im Gegensatz dazu kämpfen Hörgeräte oft mit dem Coktailparty-Problem, nämlich dass sie eben nicht in der Lage sind, aus einem Stimmgewirr einen Sprecher sauber herauszufiltern. Genau dieses Problem soll Orcam Hear mithilfe einer Kamera und intelligenter Technologien lösen.

„Mit Orcam Hear sind wir Innovationsvorreiter für eine vielseitige, effektive Lösung für Menschen, die Hörgeräte nutzen, um nahtlos – und ausschließlich – die Stimme ihrer Wahl in jeglicher Umgebung, klar und in Echtzeit, zu hören“, sagt Orcam-Co-CEO und Mitgründer Amnon Shashua gegenüber „The Jerusalem Post“. Der Kamera-Anhänger setzt darauf, mittels KI aus Körpergesten und Haltung des Nutzers zu erkennen, welchen Sprecher dieser hören will, und bei Bedarf die Person zu wechseln. Neben einem Mikrofon nutzt das Gerät laut dem Hersteller dann eine Lippenlese-Technologie und simultane Stimmquellentrennung, um das Signal zu filtern.

Kamera jenseits des Sehens

Letztendlich übermittelt Orcam Hear die gewünschte Stimme klar via Bluetooth an ein Hörgerät. Der Anhänger erweitert damit das Spektrum der Personen, die von Orcams Expertise im Bereich intelligenter Kameratechnologien profitieren sollen. Bislang kam diese speziell in Assistenzlösungen für Blinde und Sehbehinderte zum Einsatz. Am bekanntesten ist die MyEye-Produktlinie, die Nutzern hilft, bekannte Gesichter zu erkennen. Das MyEye 2 hat es 2019 bei „Time“ auf die Liste der besten Innovationen geschafft.


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