Gastkommentar: „Alles aus einer Hand“ versus „best of breed

Ein Thema, das immer mehr in einen wahren Glaubenskrieg ausartet: "Alles aus einer Hand versus best of breed"-Lösungen im Umfeld von ERP-Projekten. [...]

Dietmar Winterleitner
Dietmar Winterleitner

Mit einem befreundeten CPO (Chief Prozess Officer) eines oberösterreichischen mittelständischen Industriebetriebes durfte ich vor kurzen ein Thema diskutieren, das immer aktuell und spannend ist – „Alles aus einer Hand versus best of breed“-Lösungen im Umfeld von ERP-Projekten. Ein Thema, das immer mehr in einen wahren Glaubenskrieg ausartet.

Vorbildlich war er gerade dabei, seine Prozesse aufzunehmen und eine mögliche Systemlandkarte zuzuordnen. Das ziemlich zerfledderte Bild ergab als Basis ein ERP-state-of-the art Produkt, das, zurechtgestutzt auf seine ursprüngliche Back-Office-Funktionalität, vor allem die Legislativen der einzelnen ausländischen Tochterfirmen oder Vertriebsbüros abdecken sollte. Themen wie BI, CRM, SRM, MES, EDI, Lohn und Gehalt, ein etwaiger B2B-Shop oder aber auch Logistikmanagement würden in Subsysteme, die jeweils für sich als Top-Player ihrer Zunft gelten, ausgelagert werden. „Damit habe ich für jede Anwendung die volle Akzeptanz der Mitarbeiter“, so das Credo, wohlwissend, dass die Unterstützung der Mitarbeiter bei der Einführung von ERP-Systemen neben dem Fokus auf Projektziele (als wichtigstes nannte er den Scope: welche Prozesse will ich abdecken, welches Umfeld, …) der Erfolgsgarant aus Unternehmensseite sei. Nach einigen Diskussionen legte ich meine Einwände dar. Eine tiefe Integration der Lösungen wäre damit wohl nicht möglich, eine durchgehende Abdeckung der Prozesse und die Homogenität von Daten ohne respektablem Aufwand nur schwer zu gewährleisten und die notwendigen Informationen, um übergreifende Entscheidungen zu treffen damit erst über den Umweg von integrativen Management-Tools möglich.

Wie immer fand nach längerem Abwägen von Für und Wider die „österreichische Lösung“ – der Kompromiss – unseren Gefallen. Nachdem beide Extremvarianten durchaus ihren Charme versprühen, einigten wir uns darauf, dass vor allem die wirklich zentralen Prozesse, jene also, mit denen sich das Unternehmen tatsächlich vom Mitbewerb abhebt, die wertschöpfend sind und mit denen das Unternehmen schlussendlich Geld verdient, würdig sind einer „best-of-breed“ Überprüfung unterzogen zu werden.

Spannend dabei ist aber eines: Wie kommt das Unternehmen zu seinen Kernprozessen?
 
* Dietmar Winterleiter ist COO von FWI Information Technology.


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