Prognosen zur Cybersecurity 2020

Klaus Nemelka ist Technical Evangelist beim IT-Sicherheitsanbieter Varonis. In seinem Kommentar prognostiziert er die Cybersecurity-Trends des kommenden Jahres. [...]

Klaus Nemelka, Technical Evangelist bei Varonis.
Klaus Nemelka, Technical Evangelist bei Varonis. (c) Varonis

Ransomware: Der Klassiker entwickelt sich weiter

Immer wieder abgeschrieben und für tot erklärt, wird uns Ransomware auch im Jahr 2020 beschäftigen. Es ist davon auszugehen, dass die Angriffe gezielter und ausgefeilter werden. Natürlich wird es immer noch Kampagnen nach dem Gießkannenprinzip geben, aber eben auch vermehrt auf ganz spezielle Ziele ausgerichtete Angriffe. Und auch das Vorgehen in den betroffenen Systemen könnte sich (zumindest bei den versierteren Angreifern) wandeln: Statt sofort alles zu verschlüsseln, werden sich Hacker zunächst in den Netzwerken nach den wertvollsten Datenbeständen umsehen und diese dann ganz gezielt verschlüsseln.  

Deepfake: Neue Dimensionen für Betrüger

Haben uns in den letzten Jahren vor allem Fake News beschäftigt, wird 2020 das Jahr der Deepfakes sein. Dank schlecht gesicherter Anwendungen und schwacher Datenschutzpraktiken (von Social Media ganz zu schweigen) sind unsere Daten und Fotos überall verfügbar. Für Kriminelle (aber auch Trolle oder Hacktivisten) ergeben sich durch die Deepfake-Technologie enorme Möglichkeiten: Von Desinformationskampagnen über (schlechte) Scherze bis hin zu ausgefeilten Varianten des Klassikers CEO-Fraud. Und denken wir dabei nicht nur an Bilder: Dank künstlicher Intelligenz werden auch „gefälschte“ Stimmen ins Repertoire von Angreifern gelangen – so wie im August 2019, als auf diese Weise Betrüger 220.000 Euro von einem britischen Energieversorger erbeuten konnten.

Phishing: Erfolgreich nicht mehr nur per Mail

Aber es müssen nicht immer neue Technologien sein, die Erfolg bringen. Phishing wird auch 2020 einer der erfolgreichsten Angriffsvektoren bleiben. Dabei sollten wir aber nicht nur an E-Mails denken. Betrüger werden vermehrt auch andere Wege gehen, etwa über Messenger–Dienste, per SMS oder sogar über Assistenten wie Alexa oder Google Home

Wahlen: Es geht um mehr als um Kandidaten

Im November 2020 finden in den USA Präsidentschaftswahlen statt. Vor vier Jahren spielten im Wahlkampf die geleakten E-Mails rund um Hillary Clinton eine große Rolle und seitdem hat sich das politische Klima deutlich verschlechtert. Bereits jetzt wird der Einfluss ausländischer Kräfte diskutiert, der angesichts der Bedeutung der Wahl nicht unwahrscheinlich ist. Die US-Regierung hat es leider versäumt, eine sinnvolle Reform der Wahlsicherheit durchzuführen. Und auch wenn die Ergebnisse nicht durch einen Angriff beeinflusst werden, wird höchstwahrscheinlich die unterlegene Seite dies suggerieren. All das diskreditiert das demokratische System und untergräbt das Vertrauen in den Wahlprozess. Die Problematik mit unsicheren Wahlautomaten haben wir hierzulande (bislang) noch nicht, aber das Infragestellen von Ergebnissen, gepaart mit Social-Bot- und Fake-News-Kampagnen lassen sich längst auch in Europa beobachten.

*Klaus Nemelka ist Technical Evangelist bei Varonis.

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