Wo die Sportbranche digitalen Nachholbedarf hat

Digitalisierung - das Buzzword der letzten Jahre macht auch vor der Sportbranche nicht halt. Und auch hier zeigt sich: Deutschland hat gegenüber den großen IT-Nationen, allen voran den USA, noch Nachholbedarf. [...]

Digitalisierung im Sportbereich steckt noch in den Kinderschuhen. (c) Petra Bork/pixelio.de
Digitalisierung im Sportbereich steckt noch in den Kinderschuhen. (c) Petra Bork/pixelio.de

Die amerikanischen Ligen sind derer in Deutschland – gar in Europa – ein großes, digitales Vorbild. Hier setzen die Entscheider und Funktionäre schon seit Jahren auf den Aufbau digitaler Power Units. Mit MLB Advanced Media entstand eine Plattform bei der Baseballspiele verschiedenster Ligen als Abo plattformübergreifend gestreamt werden können und zusätzliche Live-Inhalte und Statistiken die Fans fesseln. Ähnlich ist es auch im Basketball: Dort ist mit NBA Digital von professionellen Interview-Formaten bis hin zur detaillierten Live-Berichterstattung alles dabei, was das Fan-Herz begehrt. Und auch im mittlerweile gehypten Fußball gibt es Bewegung. Genau deswegen arbeitet ein Team von Strategen, Designern und Technologie-Experten im Rahmen der MLS Digital Labs daran, das Erlebnis Fußball für die Amerikaner noch attraktiver und digital zugänglich zu gestalten. Außerdem setzt die Women’s Tennis Association seit 2017 auf das Online-Netzwerk WTA Network. Ziel ist es, Tennisliebhabern, Spielern und Partnern eine gemeinsame Plattform zu geben. Auch das Thema Storytelling, Behind-the-Scenes-Specials und Porträts der Star-Spielerinnen spielen eine große Rolle, um den Zuschauer digital auf die weltweite Tennis-Tournee mitzunehmen.

Kooperationen, Super-Technologien und Vermarktung für Sport Experience 3.0

Live-Statistiken sind im Sportbereich ein alter Hut, der Fan möchte noch näher am Geschehen sein. Zur Fußball EM und WM kommen – zumindest in Deutschland – darüber hinaus Second-Screen-Technologien zum Einsatz – längst Standard in den USA. Schon 2015 entschloss sich die Eishockey-Liga NHL zu einer Kooperation mit dem Kamera-Hersteller GoPro, um Aufnahmegeräte auf den Helmen zu befestigen und den Zuschauer so aufs Eis zu bringen. Der Superbowl feierte 2017 gar seine Virtual Reality-Premiere. Jüngst präsentierte dann das Footballteam der Minnesota Vikings in Zusammenarbeit mit Zeality die erste VR App, bei der Fans seit 2016 auf 360-Grad-Videos und Fotos Zugriff haben. Mit ShotTracker findet im Basketball eine Technologie Anwendung, die es ermöglicht Ball- und Spielerbewegungen in Echtzeit zu monitoren und zu analysieren. Und auch in puncto Selbstvermarktung setzen amerikanische Vereine und deren Spieler Maßstäbe: So etablierte sich The Players‘ Tribune als eine Plattform von Spielern für Fans, bei der die Profis exklusive Einblicke in das Profi-Dasein vermitteln. Ein überaus kluges Mittel hinsichtlich Selbstvermarktung, denn mit der Positionierung der Spieler steigert auch der Verein die Wahrnehmung und die Attraktivität.

Fazit: In Deutschland sind Apps und Videobeweis erst der Anfang

Die amerikanischen Profi-Ligen und -Teams gehen als Paradebeispiel voran: Von Power Units über Kooperationen – mit Mut auf neue Technologien und der ausführlichen Selbstvermarktung zu setzen, werden die digitalen Möglichkeiten vollends ausgeschöpft. In Deutschland hapert es mit der Digitalisierung im Sport. Eigene Apps der Profi-Vereine sprießen zwar aus dem Boden und auch der Videobeweis ist ein vielversprechender, technologischer Ansatz, aber ganzheitlich gesehen fehlt noch die Entschlossenheit neue Wege zu gehen. Im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung ist der Fußball und selbst dort gibt es noch deutlich Potenzial. Die deutsche Branche kann sich einiges aus Übersee abschauen, es braucht eine Disruption im Sport. Das Vertrauen in Startups, neue Technologien und innovativer Selbstvermarktung birgt enorm viel Potenzial um näher am Fan zu sein und an den Entscheidern liegt es nun etwas Neues zu wagen.

*Naomi Owusu ist CEO und Co-Founder von Tickaroo und dort vor allem für Business Growth, Strategie und Skalierung zuständig.

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