Künstliche Intelligenz: Besorgnis laut Experten nicht angebracht (mit Video)

Die Entwicklung im Bereich Künstlicher Intelligenz (KI) verläuft rasant, deshalb reichen die Prognosen von sorgenvollen bis hin zu hoffnungsfrohen Einschätzungen dieser Technologie. Bei einer Podiumsdiskussion der Plattform „Digital Business Trends“ (DBT) in Graz hingen die Expertinnen und Experten eindeutig der optimistischen Variante an. [...]

Wolfgang Schinagl (Wirtschaftskammer Steiermark), Clemens Prerovsky (APA - Austria Presse Agentur), Viktoria Pammer-Schindler (TU Graz & Know-Center), Thomas Stern (Braintrust, Moderation) und Mikhail Arshinskiy (Deloitte Österreich).
Wolfgang Schinagl (Wirtschaftskammer Steiermark), Clemens Prerovsky (APA - Austria Presse Agentur), Viktoria Pammer-Schindler (TU Graz & Know-Center), Thomas Stern (Braintrust, Moderation) und Mikhail Arshinskiy (Deloitte Österreich). (c) APA/APA-Fotoservice/Scheriau

„KI ist ein Werkzeug ohne eigenes Bewusstsein und ohne Ziel, das programmiert und mit Daten gefüttert wird. Und wir sind die Gestalter und Entscheider“, hielt Viktoria Pammer-Schindler von der Technischen Universität (TU) Graz diversen Negativ-Szenarien entgegen. Die Diskussionen seien oft sehr angstbehaftet, „aber wir sind nicht die Sklaven der KI, wenn dann ist es umgekehrt“, forderte sie mehr Selbstbewusstsein. Um die Technologie sinnvoll einzusetzen, müsse man Ziele und Werte definieren, verstehen, was KI dazu beitragen kann und die Auswirkungen im Auge behalten. Schließlich sei KI ein mächtiges Werkzeug, „eher Mähdrescher als Sense“.

Die aktuellen Entwicklungen würden großes Gestaltungspotenzial bieten. So sollte man sich fragen, wie KI uns das Leben erleichtern kann, und nicht ohnmächtig erwarten, was passieren wird. Wichtig sei jetzt, neugierig und experimentierfreudig zu sein, so Pammer-Schindler. Das gelte für Einzelpersonen genauso wie für Unternehmen. Dadurch würden auch die derzeitigen Grenzen der Technologie aufgezeigt. So scheitere sie beispielsweise daran, zu entscheiden, unter welchen Umständen man eine Person, die sich gerade mit jemanden unterhält, stören darf. „Für die KI sind die zugrundeliegenden Regelwerke zu komplex, auch wenn es für den Menschen sehr einfach ist“, erklärte die Expertin.

Algorithmen werden immer leichter verfügbar

KI werde oft als die ultimative Lösung aller Probleme der Menschheit oder als ultimative Bedrohung dargestellt, sagte Mikhail Arshinskiy von Deloitte Österreich. Tatsächlich bestehe sie aus wohl bekannten statistischen und mathematischen Methoden und Algorithmen, die derzeit tief in unseren Geschäftsalltag eingebettet werden – von Empfehlungssystemen bis zu Fabriksrobotern. Mit der in der Cloud zur Verfügung stehenden Rechenleistung würden Algorithmen auch immer leichter verfügbar.

Ungelöst seien noch sozio-ökonomische und moralische Probleme: Einerseits gehe es um den Verlust von Arbeitsplätzen, „weil Maschinen schneller und effizienter sind“ und andererseits um die Fähigkeit von KI, vom Verhalten anderer zu lernen – unabhängig von menschlichen Moralvorstellungen, verwies Arshinskiy unter anderem auf rassistische Äußerungen von KI-Systemen. Dadurch könnten Unternehmen ihre Reputation gefährden. KI sei aber kein Trend, sondern eine technische Realität, die sich die Wirtschaft zu Eigen machen sollte.

Unternehmen sitzen auf Datenschätzen

„Es ist Zeit, die ersten Schritte zu setzen und KI ins Unternehmen zu bringen“, forderte auch Clemens Prerovsky von der Ideenschmiede APA-medialab. Großes Potenzial würde beispielsweise Künstliche Intelligenz in Kombination mit Daten aus internen Prozessen bergen: So habe ein japanischer Gurkenbauer ein System entwickelt, mit dem das Gemüse auf dem Fließband fotografiert und automatisch nach Größe sortiert wird. „Damit kann er nicht nur Gurken verkaufen, sondern auch Knowhow, das aus der Unzahl an Bildern abgeleitet wurde“, so Prerovsky. Viele Unternehmen würden über jahrelang erarbeitete Datenbestände aus ihrem Kerngeschäft verfügen, die kein Google und kein Facebook besitze. Diese könnten die Basis für neue oder erweiterte Geschäftsmodelle und Services bilden.

Man müsse sich auch daran gewöhnen, dass KI quasi unsichtbar werde – etwa wenn U-Bahnen vollautomatisch fahren oder autonome Autos mit Verkehrszeichen kommunizieren, so Wolfgang Schinagl von der Wirtschaftskammer Steiermark. Was mögliche Unfälle betrifft, verwies Schinagl auf die Luftfahrtbranche. Bei einem Flugzeugabsturz würden die Ursachen auf das Genaueste überprüft und alle Flugzeuge dieses Typs währenddessen stillgelegt. Denn hier gebe es ein weltweites – und gut funktionierendes – Regelwerk, was beispielsweise auch für Künstliche Intelligenzen in autonomen Fahrzeugen zu empfehlen sei.

 

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