Neue App macht HIV-Patienten selbstständiger

Eine neue Computer-, Tab- und Smartphone-Applikation - "Mein positives Tagebuch" - soll jetzt das Management der chronischen Infektion erleichtern. Sie wurde am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien präsentiert. [...]

(c) apa

Die HIV-Positiven spielten in den westlichen Industriestaaten von Anbeginn der Aids-Pandemie eine wesentliche Rolle in Sachen Patientenrechte und Selbstmanagement der Infektion bzw. Erkrankung. Die moderne antiretrovirale Therapie erlaubt inzwischen ein Langzeit-Überleben. Doch nur, wenn die Arzneimitteleinnahme penibel erfolgt.
Eine neue Computer-, Tab- und Smartphone-Applikation – „Mein positives Tagebuch“ – soll jetzt das Management der chronischen Infektion erleichtern. Sie wurde am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien präsentiert. „Die regelmäßige Einnahme der Medikamente ist nicht immer ganz einfach. Wenn gewährleistet sein soll, dass die antiretrovirale Therapie ihre Wirkung behält, muss auch gewährleistet sein, dass sieben Tage in der Woche und 365 Tage im Jahr adäquate Plasmaspiegel (Wirkstoffkonzentration im Blut, Anm.) vorhanden sind“, sagte Armin Rieger, Aids-Spezialist an der Universitäts-Hautklinik der MedUni Wien am AKH.
Doch im Durchschnitt sind die HIV-positiven Patienten bei Beginn der Therapie 30 bis 35 Jahre alt, haben noch nie dauernd Arzneimittel eingenommen. Rieger: „Dabei ist das am Beginn besonders wichtig.“ Die Behandlung zielt auf die vollständige Unterdrückung der Virusvermehrung im Körper ab. Wird sie nur unvollständig gehemmt, kommt es infolge des Selektionsdrucks durch die Medikamente zur Entstehung von Resistenzen. Oft muss dann von einfachen Therapieregimen auf kompliziertere umgestiegen werden. Horst Schalk, niedergelassener Allgemeinmediziner mit HIV/Aids-Schwerpunkt in seiner Wiener Praxis: „Wir haben in der Therapie mittlerweile mehr als 25 Substanzen zur Verfügung und können ganz gezielt auswählen. Eine gute HIV-Therapie kann auch die Infektionsgefahr, die von dem Patienten ausgeht (vor allem durch ungeschützte sexuelle Kontakte, Anm.) gegen Null drücken.“
Ärzte und Selbsthilfegruppen – in Österreich „Positiver Dialog“ und „PulsHIV“ – starteten deshalb nach der internationalen Aids-Konferenz im Jahr 2007 in Wien mit Finanzierung durch den US-Pharmakonzern Merck, Sharp und Dohme (MSD) auf der Basis einer bereits vorhandenen Broschüre die Entwicklung der Computer- und Smartphone-App „Mein positives Tagebuch“. Jetzt kann sie via App-Stores kostenlos geladen werden. Schalk: „Sie ist wesentlich mehr als ein Wecker. Der Patient kann den Verlauf der Erkrankung dokumentieren, die Wirksamkeit der Therapie überprüfen, Befunde und Laborwerte hochladen und verwalten und mit dem behandelnden Arzt Kontakt halten.“ Die App läuft anonymisiert, der Computer bzw. das Smartphone sollte jedenfalls per Password geschützt sein.
Helmut Garcia von „Positiver Dialog“: „Das ist für unsere Patienten eine große Unterstützung.“ Laut Aids-Spezialist Rieger sprechen 85 bis 90 Prozent der HIV-Positiven, die mit der antiretroviralen Therapie beginnen, von Beginn an ausreichend an. Durch optimiertes Selbstmanagement ließe sich das noch erhöhen. Irgendwie – so Schalk – haben übrigens die moderne Aids-Therapie und die modernen Handys eine mittlerweile schon historische Gemeinsamkeit: 1996 wurde bei der damaligen Aids-Konferenz in Vancouver (Kanada) die moderne HIV-Kombinationstherapie präsentiert. Und in jenem Jahr kam auch das erste Smartphone auf den Markt.


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