Oliver Krizek: Kommunikation über alle Kanäle ist jetzt am wichtigsten

"SARS-CoV-2 stellt uns Menschen in unserer sozialen Gesellschaft vor neue Herausforderungen. Diese Herausforderungen machen auch vor Unternehmen nicht halt", sagt Oliver Krizek, Eigentümer und CEO der NAVAX Unternehmensgruppe, IT-Systemhaus für Business-Software (ERP, CRM, BI) und Microsoft Gold Partner. [...]

Oliver Krizek, CEO und Eigentümer der NAVAX Unternehmensgruppe zur aktuellen Corona-Krise: Videobotschaften helfen uns, greifbarer zu sein. Kommunikation ist wichtiger denn je. (c) NAVAX

Krizek sieht sich selbst und sein Team gefordert, mit einem großen Unterschied zu vielen Unternehmen: Bei NAVAX ist Homeoffice und mobiles Arbeiten schon lange Gewohnheit und wurde im Team auch im „normalen“ Arbeitsalltag praktiziert. Der täglich fehlende persönliche Kontakt wird jetzt durch noch mehr offene, transparente und faire Kommunikation ausgeglichen. Dazu hat NAVAX etwa jetzt eine neue „Kommunikations-Lounge“ gestartet. Oliver Krizek beschreibt im Gespräch mit der COMPUTERWELT, wie er im Unternehmen, mit den Kunden und auch ganz persönlich die aktuelle Situation bewältigt.

Wie handhabt Ihr eigenes Unternehmen die Corona Krise bzw. welche Maßnahme werden intern gesetzt?

Ich bin mir dabei meiner gesellschaftlichen als auch unternehmerischen Verantwortung bewusst und versuche entsprechend zu handeln. Sowohl beruflich als auch privat. Daher halten wir uns bei NAVAX natürlich an die Verordnungen der Regierung zur Bekämpfung des Coronavirus. Wir haben das Glück, in einer sehr modernen und vor allem ortsunabhängigen Branche arbeiten zu dürfen. Derzeit arbeiten wir, mehr als 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, zu 100% vom Homeoffice aus. Unsere Kunden werden weiterhin, zu 100% online, betreut. Abstimmungen und Workshops, Meetings, Tests und Abnahmen finden ebenfalls zu 100% online statt. Verkaufsgespräche, Präsentationen und Vertragsabstimmungen laufen genauso online ab. Somit sind wir nach wie vor „ganz normal“ am Arbeiten und operativ tätig.

Wir setzen dabei verschiedene unterstützende Collaboration Tools z.B. Microsoft Teams, Skype for Business etc. ein. Diese Tools helfen uns nun in dieser besonderen Zeit optimal in der täglichen Arbeit im Homeoffice, beim Kunden und Interessenten. Homeoffice und Online Arbeit ist allerdings mehr als der Einsatz von Technologie und IT Tools. Beides hat viel mit Struktur, Führung, Emotionen und Empathie zu tun. Um z.B. im regelmäßigen Austausch mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu sein, haben wir eine virtuelle Lounge eingerichtet. Dort tauschen wir uns über viele Themen aus. Auch privat wird diese virtuelle Lounge genutzt. Ich selber verwende sie ebenfalls, um mit meinen Kolleginnen und Kollegen direkt in Kontakt zu bleiben. Ich will weiterhin für meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter greifbar sein.

Eine offene, ehrliche und transparente Kommunikation ist maßgeblich wichtig. Daher kommuniziere ich auch täglich neben Teams über LinkedIn und Yammer. Ich interagiere sehr offen und transparent mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um sie über die aktuell gesetzten Maßnahmen (intern wie extern und politisch) am Laufenden zu halten. Videobotschaften helfen dabei, greifbarer zu sein und auch meine Initiative „CHAT with ME“ wird sehr gut angenommen: Ich stehe online Rede und Antwort (ohne Auffangnetz) zu den Fragen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Jeder kann zuhören und es wird auch aufgezeichnet für jene, die gerade nicht teilnehmen können.  Dabei bin ich lösungsorientiert, offen und ehrlich – die Schlüsselwörter bei all diesen Initiativen.

Zusätzlich dazu unterstützen wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zuhause mit betrieblichem Gesundheitsmanagement per Video durch Experten. Dabei geht es um Informationen zu Gesundheit, Haltung, Bewegung, Sport, Ernährung und psychischer Ausgeglichenheit, damit alle fit und gesund durch die Zeit im Homeoffice kommen.

Welche Maßnahmen und Aktionen bietet Ihr Unternehmen aufgrund der Corona Krise seinen Kunden?

Wie schon erwähnt läuft der Geschäftsbetrieb Richtung Kunden und Interessenten in gewohnter Weise ab. Lediglich die Vororttermine wurden und werden bis auf weiteres online und per Video durchgeführt. Wir sind mit unserer Arbeitsweise zum Glück in den meisten Fällen an keine festen Örtlichkeiten gebunden und können die Leistungen für unsere Kunden 100% remote erbringen. Dabei kommt es uns natürlich zugute, dass wir mit dieser Arbeitsweise schon jahrelang Erfahrung haben und auch Lösungen dazu anbieten. Wir sind für solche Ausnahmesituationen technologisch gerüstet.

Neu ist, dass wir unseren Kunden in zahlreichen Webinaren zeigen, wie jetzt und in Zukunft online und per Homeoffice gearbeitet werden kann. Welche technischen, organisatorischen als auch menschlichen Voraussetzungen gewährleistet sein sollten, damit diese Methodik des Arbeitens auch von Erfolg gekrönt ist. Wir stellen diesbezüglich leider fest, dass einige Unternehmen dieses Thema der Online Arbeit völlig unterschätzt haben und jetzt händeringend nach Lösungen suchen. Das beginnt bei der Hardware, über Datenleitungen, räumliche Gegebenheiten zuhause, bis zu effizientem Meeting- und Abstimmungsmanagement, transparenten und nachvollziehbaren Arbeitsmodellen, Zeiterfassung, Kundenkommunikation und so weiter. Sodass alle an einem Strang ziehen ist sehr viel Koordinations- und Kommunikationsarbeit erforderlich.

Das Potenzial sehe ich bei einigen Kunden, bei denen wir neben dem Thema Online Arbeiten auch behilflich sind, deren Geschäftsmodelle teilweise bis völlig zu digitalisieren. Händler, die endlich Webshops effizient betreiben, Produzenten deren Fuhrpark wir plötzlich für die Anlieferungen nutzen und koordinieren. Dienstleister, die ihre Leistungen online zur Verfügung stellen und gleich zur Abrechnung gelangen. Der elektronische Unterschriftenweg, der extrem rasch und effizient ist, die elektronische Rechnung, die im besten Fall beim Empfänger gleich in den Eingangsrechnungen in deren System mit Genehmigungsverfahren abläuft und so weiter. Wir versuchen, unsere Kunden für die Zeit nach Corona fit zu machen!

Welche Maßnahmen sollten aus Ihrer Sicht wirtschaftspolitisch gesetzt werden oder was wünschen Sie sich?

Meines Erachtens leistet die Regierung bis jetzt gute Arbeit. Ich begrüße den Schulterschluss aller Parteien und auch die enge Zusammenarbeit mit der Wirtschaftskammer, dem ÖGB und dem AMS. Ich bin gespannt, wie die plakativ kolportierten Konjunkturpakete und Beträge (38Mrd. Euro) dann in der Realität umgesetzt werden. Irritierend sind für mich allerdings bereits die Härtefallbeträge für Kleinstunternehmen und Unternehmer/innen. Wenn das System der Härtefälle ein Beispiel bleibt, wie es auch bei den anderen Konjunkturpaketen laufen soll, dann sehe ich für die österreichische Wirtschaft allerdings schwarz. Lernt die Regierung allerdings rasch aus den Fehlern dieser Finanzhilfen, dann kann aus den Konjunkturpaketen und Hilfsbeträgen durchaus ein Erfolgsmodell für die österreichische Wirtschaft werden.

Daneben gibt es aber auch die Unternehmer. Wenn ich lese, dass gerade internationale Konzerne die Situation nutzen, um Mieten nicht zu zahlen, Lieferanten zu drücken, dann sehe ich es als einen wichtigen Punkt, ethisch korrekt zu handeln. Ich finde es geht und darf jetzt nicht um Gewinnmaximierung für Investoren gehen, sondern es sollte um die Sicherung des österreichischen und europäischen Wirtschaftsstandortes gehen. Damit kommt auch viel auf die Unternehmer zu. Wir werden sehen, ob die Erwartungen, die jetzt von uns Unternehmern da sind, wirklich erfüllt werden. Die Unternehmen tragen eine große Verantwortung: die Sicherung der Arbeitsplätze. Um den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern Sicherheit und Zuversicht zu geben, denn sie sind die Konsumenten nach Corona. Verlieren sie ihren Job, so fehlt der Auftrag in den Unternehmensbüchern.

Wie gehen Sie persönlich in Ihrem Unternehmen mit der Krise um, wie verhalten Sie sich? 

Ich setze, wie schon Anfangs erwähnt, auf völlige Transparenz mit dem Thema Corona und den wirtschaftlichen Auswirkungen auf unser Unternehmen. So hoffe ich, dass, sollten Maßnahmen wie Kurzarbeit bis hin zur Kündigung ergriffen werden, diese Punkte weder überraschend kommen noch Unmut darüber herrscht. Aber vor allem bin ich darum bemüht, dass wir als Team gemeinsam daran arbeiten, um es gar nicht so weit kommen zu lassen.

Ich bin jeden Tag mit schriftlichen Informationen per Video oder Live-Schaltung mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verbunden. Ich möchte damit erreichen, dass sie mich spüren und merken, wie sehr mir das Unternehmen, unsere Arbeit und das, was wir bisher erreicht haben, am Herzen liegen und keine Eintagsfliege einer One-Man-Show war. Es war und ist ein Teamerfolg und jetzt umso mehr, wenn wir diese Krise überstehen. Die virtuelle Lounge ist ständig online. Sie wird auch von mir gerne und rege genutzt. Dadurch erfahre ich, wie es den einzelnen zuhause geht, was sie beschäftigt und wie sie mit der Situation zurechtkommen, ungefiltert und authentisch. Genauso natürlich auch in die andere Richtung. Die virtuelle Lounge wird bereits von anderen Firmen kopiert, was mich besonders freut, da ich mich auch mit anderen Unternehmerinnen und Unternehmern austausche.

Ich stehe außerdem – wie schon gesagt – regelmäßig online Rede und Antwort im „CHAT with ME“, ein tolles Format, indem mir die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über Chat Fragen stellen und ich sie live über Video beantworte. Mir war es schon vor Corona extrem wichtig, regelmäßig mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu kommunizieren und mich mit ihnen auszutauschen. Das behalte ich gerade in dieser herausfordernden Zeit bei. Ich möchte Ihnen damit Orientierung, Vertrauen und Halt geben sowie Sorgen und Ängste im Vorfeld nehmen. Ich bin für alle „greifbar“ und verstehe mich mehr denn je als Vorbild, das mit gutem Beispiel vorangeht. Wichtig ist es jetzt vor allem, gesund zu bleiben, Hoffnung zu geben, klare Ziele zu vermitteln, Halt zu geben und die sozialen Verbindungen aufrecht zu erhalten. 


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