Provider kehren Breitband-Flatrate den Rücken

In den USA suchen die Anbieter von Breitband-Internetverbindungen nach Alternativen zum Flatrate-Tarifmodell, wie die New York Times berichtet. Österreich ist noch nicht so weit. [...]

(c) Mike Kiev - Fotolia.com
Durch das stetig wachsende Datenvolumen, vor allem durch Videokonsum, und die hohen Kosten des Infrastrukturausbaus alarmierte Provider gehen nach und nach dazu über, nach Datenmenge oder Geschwindigkeit gestaffelte Preismodelle einzuführen. Online-Videoplattformen fühlen sich bedroht, weshalb das Justizministerium eine Untersuchung eingeleitet hat. In Österreich ist eine Abkehr vom Flatrate-Modell derzeit kein Thema.
Da Bandbreite keine unbegrenzte Ressource ist, schlägt sich der steigende Datenhunger der Internetnutzer bei starkem Andrang auf die Qualität der Verbindung nieder. Das ist schlecht für die Kundenzufriedenheit. Zudem ist eine Abrechnung nach Menge oder Geschwindigkeit für die Provider in der Regel lukrativer. Comcast testet deshalb als einer der ersten großen US-Versorger ein gestaffeltes Modell. Die Kunden werden dabei mit einem Zähler ausgestattet, der das Ablesen des verbrauchten Datenvolumens in Echtzeit ermöglicht. Bezahlt wird je nach Verbrauch.
Wer unter fünf Gigabyte bleibt, erhält fünf Dollar als Belohnung, wer mehr konsumiert, muss Strafzahlungen leisten. Die meisten Konkurrenten experimentieren mit ähnlichen Ansätzen, die eine Abrechnung nach Verbrauch ermöglichen. Das ruft die Anbieter von Videodiensten im Netz auf den Plan. Sie fürchten, dass die User durch die neuen Modelle ihren Datenverbrauch einschränken, wodurch die Entwicklung des Online-Videomarktes gebremst würde. Das Justizministerium ermittelt wegen Wettbewerbsverzerrung.
Auch andere Wirtschaftszweige, wie der Handel, sind durch immer aufwendigere Internetauftritte zunehmend von Breitbandverbindungen abhängig. Auch hier wird ein Abflachen der Innovationskurve durch bewussteren Datenkonsum der Nutzer gefürchtet. Viele Anbieter fürchten auch, dass die Provider mit eigenen Angeboten, die sogar von der Staffelung ausgenommen werden könnten, als Konkurrenz auftreten. Allerdings hätte das Gesetz dann sicher den ein oder anderen Einwand. Das optimale Geschäftsmodell haben die Provider auch im Vorreiterland USA also noch nicht gefunden.
Österreichische Provider denken derzeit nicht an eine Abkehr vom Flatrate-Modell. „Einzelverrechnungen sind derzeit kein Thema, auch wenn sich das Datenvolumen alle eineinhalb Jahre verdoppelt. Allerdings ist die Branche sehr schnelllebig“, sagt A1-Sprecherin Livia Dandrea-Böhm gegenüber der Nachrichtenagentur pressetext. Ähnlich äußert sich UPC: „Wir planen derzeit keine Änderung an unserem Tarifmodell. Die Flatrates werden gut angenommen. Was in zehn Jahren sein wird, kann heute nicht seriös beurteilt werden“, so Unternehmenssprecher Siegfried Grobmann. (pte)
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