Studie: 3D-Druck wird für die Industrie immer wichtiger

3D-Druck ist auf einem guten Weg, zu einem technischen Standard für Unternehmen zu werden, so das Ergebnis einer brandneuen Umfrage von reichelt elektronik. Durch automatisierte Prozesse lassen sich mit Hilfe dieser Technik – zumindest theoretisch – viel Kosten und Zeit einsparen. [...]

Technologie mit Zukunftspotenzial: Viele Industrie-Unternehmen setzen schon auf 3D-Druck. Viele planen es in der nahen Zukunft, heißt es der Studie von reichelt elektronik (c) pixabay

Befragt wurden im Juni 2020 branchenübergreifend 1.680 europäische Mitarbeiter und Manager aus den Bereichen Design, Entwicklung, Produktion und Technik, die an technischen Entscheidungen maßgeblich beteiligt sind – darunter 250 aus Österreich. Die Unternehmen stammen aus dem produzierenden Bereich, der Logistik, der Pharma-Branche, dem Energie-Sektor sowie der IT und Entwicklung.

50 Prozent der befragten Unternehmen nutzen bereits 3D-Druck, wiederum 50 Prozent davon verfügen über unternehmenseigene Geräte dafür direkt am Arbeitsplatz. Allerdings liegt Österreich weit hinter Ländern wie Deutschland, Frankreich oder den Niederlanden zurück, in denen über 70 Prozent der Befragten bereits 3D-Druck-Technik verwenden.

3D-Druck Anwendungsbereiche

Der meistgenannte Anwendungsbereich für den 3D-Druck ist die Fertigung von Anschauungsmodellen. 85 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, dass ihr Unternehmen 3D-Druck für Anwendungen dieser Art nutzt. Die große Mehrheit von 72 Prozent ist mit der 3D-Druck-Nutzung zu diesem Zweck zufrieden. Ebenfalls sehr beliebt ist die Entwicklung von Prototypen. Hierfür setzen 79 Prozent der befragten Unternehmen 3D-Druck ein. 68 Prozent sind mit den Möglichkeiten in diesem Bereich zufrieden. Zur Anfertigung von Ersatzteilen wird das Fertigungsverfahren von 64 Prozent der Betriebe eingesetzt, mit 51 Prozent, die an diesen Prozessen nichts zu bemängeln haben.

Die meisten Unternehmen (80%) drucken mit Filamenten aus Kunststoff wie etwa ABS, PLA oder PETG. Zusätzlich sind auch Verbundstoffe (39%) bereits weit verbreitet. Weniger bekannte Möglichkeiten wie das Drucken mit Materialien wie Keramik, Wachs, Kunstharz oder Papier werden von 27 Prozent eingesetzt. Die Möglichkeit, Metalle als Material zu nutzen, ist meist kostenaufwendiger, deshalb ist dieses Verfahren bei nur 21 Prozent der befragten Unternehmen im Einsatz. Zement wird derzeit nur von sechs Prozent der Unternehmen als Ausgangsmaterial verwendet.

Filamente, mit denen Unternehmen in Zukunft gerne drucken würden, sind zum Beispiel Silikon (FQM), Holz oder holzähnliche Stoffe, Textilien und Glas, Feuerfestrohstoffe, Carbon, Wirk- und Hilfsstoffe für Tabletten, Gummi und Lebensmittel. Der Wunsch nach einer größeren Materialauswahl deutet darauf hin, dass das Potenzial des 3D-Drucks noch lange nicht ausgeschöpft ist und Unternehmen in Zukunft ihre Produkte auf Kundenwunsch und individuell mit neuen Rohstoffen fertigen werden.

Kritik bei Geschwindigkeit und Präzision

Befragt nach den Schwierigkeiten, mit denen sich Unternehmen beim Umgang mit 3D-Druck konfrontiert sehen, gaben 32 Prozent an, dass die Erstellung der 3D-Drucke zu viel Zeit in Anspruch nimmt. 25 Prozent haben Schwierigkeiten, die benötigten Formen zu bilden aufgrund von Hohlräumen oder Begrenzungen in der Größe. 17 Prozent gaben an, der Unterhalt und die Filamente seien zu teuer und somit der Einsatz nicht effizient. Auch der qualitative Aspekt ist ein Problem. So sagen 16 Prozent, dass die Drucke nicht stabil genug sind, während weitere 15 Prozent unzufrieden mit der Qualität der Druckerzeugnisse sind.

Diese Probleme deuten darauf hin, dass die zugrunde liegende Computertechnik und die Anwendungsoptionen der 3D-Druck-Geräte noch Entwicklungsbedarf aufweisen. Fehler und Ungenauigkeiten können aber auch andere Ursachen haben. So kann es zum Beispiel sein, dass ein Nutzer eventuell einen nicht passenden Drucker oder nicht zweckmäßiges Material einsetzt. Zudem können Fehler bei der Konstruktion im Computer, bei der Bedienung des Druckers oder der Software auftreten. Je weiter die Technologie fortschreitet und je größer das Knowhow bei den Nutzern wird, umso besser können diese Fehlerquellen vermieden werden.

Mehr 3D-Druck wegen Corona

58 Prozent der befragten Unternehmen planen, mehr in 3D-Druck zu investieren und die Anwendung dessen in ihrem Unternehmen auszuweiten. 21 Prozent gaben an, dies als direkte Folge der Corona-Krise zu planen. Viele sehen also in diesem Verfahren durch mögliche Kosteneinsparungen oder Angebotserweiterungen die Chance, durch die Corona-Krise verursachte Geschäftseinbußen zu kompensieren. Zwar ist das zunächst mit Ausgaben zur Anschaffung der Geräte verbunden, doch durch die resultierenden Ersparnisse wird die Profitabilität dieser Investition hoch eingeschätzt.

Interessant ist jedoch, dass diese Zahlen weit hinter den Ergebnissen aus Deutschland zurückbleiben: Dort planen beachtliche 86 Prozent der befragten Unternehmen, mehr in 3D-Druck zu investieren und doppelt so viele (43 Prozent) tun dies als direkte Folge der Corona-Krise. Auch der generellen Aussage, dass die Herstellung im eigenen Unternehmen sinnvoll ist, um Verzögerungen in der Lieferkette zu überbrücken, stimmen mit 59 Prozent in Österreich weniger Befragte zu als in Deutschland (76 Prozent).

Dennoch zeigen sich österreichische Unternehmen von der 3D-Druck-Technologie überzeugt. Dies wird untermauert durch Angaben zu den positiven Auswirkungen des Einsatzes von 3D-Druck auf die Wirtschaftlichkeit der befragten Unternehmen. 46 Prozent der Unternehmen, die mit dem Verfahren arbeiten, konnten dadurch Kosten einsparen, 41 Prozent konnten ihre Produktivität steigern. Etwa ein Drittel (33%) berichten, dass sie mithilfe von 3D-Druck-Technik neue Geschäftsfelder erschließen konnten, während 32 Prozent ihr Produktsortiment erweitern konnte.

Diese Angaben wecken große Erwartungen hinsichtlich des Zukunftspotenzials von 3D-Druck-Verfahren, die durch weitere Umfragewerte bestätigt werden: Knapp ein Viertel (22 Prozent) der teilnehmenden Unternehmen plant bereits die Einführung eigener Herstellung durch beispielsweise 3D-Druck in den kommenden zwölf Monaten. Darüber hinaus sind sich fast die Hälfte der Unternehmen (47 Prozent) sicher, dass der 3D-Druck in den nächsten ein bis zwei Jahren einen höheren Stellenwert in der Lieferkette einnehmen wird.


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