Test: iPhone 12 Pro «Max»

Es steht an der Spitze der Nahrungskette und bietet Eigenschaften, die den anderen iPhones verwehrt bleiben. [...]

Bereits das Gehäuse verrät die Klasse (c) Apple

Apple hat dieses Jahr nicht weniger als vier iPhones praktisch zur selben Zeit auf den Markt gebracht. Da sind das iPhone 12 und das technisch baugleiche, aber kleinere iPhone 12 mini. Bei den Pro-Modellen warten das iPhone 12 Pro mit seinem 6,1-Zoll-Display und das iPhone 12 Pro «Max» mit seinem großen 6,7-Zoll-Display. Allerdings ist es nicht allein die Größe, die die beiden Pro-Modelle unterscheidet; das «Max» bietet auch weitere Besonderheiten, auf die wir eingehen werden.

Edel, edel!

Bereits das Gehäuse verrät die Klasse. Mit seinen Abmessungen ist das iPhone 12 Pro Max eine Wucht, und zwar in zweierlei Hinsicht. Zum einen muss man die optische Größe zuerst einmal verdauen. Das Gehäuse fühlt sich außerdem wuchtig an, aber nicht klobig, im Gegenteil. Unser Testgerät in Gold wirkte mit seinem Hochglanz-Edelstahlrahmen fast wie ein Goldbarren. Das Gerät liegt gut in der Hand, wirkt jedoch ein wenig kantig. Wie die anderen drei Modelle orientiert es sich an der Formsprache, die Apple mit dem iPhone 4 eingeführt hat.

Sie werden ja so schnell groß: das iPhone 12 Pro Max und seine Inspiration, das iPhone 4 (c) PCtipp.ch

Das Finish hat jedoch seinen Preis, denn der edle Rahmen scheint die Abdrücke förmlich aus den Fingern zu saugen. Dafür ist die Rückseite deutlich resistenter gegen solche Schmierereien, denn im Gegensatz zum regulären iPhone 12 besteht sie nicht aus glattem, sondern aus mattem oder «gefrostetem» Glas.

Das ungeliebte CE-Zeichen ist an die Stirnseite gerückt und eigentlich nur wahrnehmbar, wenn es bewusst fotografiert wird (c) PCtipp.ch

Kabel und Laden

Der Rest ist bekannte Kost. Das iPhone 12 Pro Max wird wieder über den Lightning-Anschluss geladen, wobei nur das Kabel zum Lieferumfang gehört, das auf der anderen Seite mit USB-C bestückt ist. Ein Netzteil fehlt genauso wie die Kopfhörer. Apple empfiehlt als Alternative zum Kabel den neuen MagSafe. Er wird einfach an das Gehäuse gepappt, damit er sich automatisch in die richtige Position bringt. Allerdings ist die praktische Umsetzung längst nicht so klar und entspannt, wie es wirkt.

Wenn Sie also unter dem Christbaum ein iPhone, aber kein Netzteil mit USB-C dazu finden, dann bleibt nur die Hoffnung, dass irgendwo noch ein altes Ladekabel von Lightning zu USB-A herumliegt, denn das funktioniert natürlich weiterhin.

MagSafe: Fehlzündungen (fast) garantiert (c) PCtipp.ch

Die Kamera im iPhone 12 Pro Max

Und hier die schlechte Nachricht an alle, die beim Fotografieren und Filmen gerne zwischen verschiedenen Geräten eine Auswahl haben: Kein anderes iPhone 12 bietet dieselben Eigenschaften wie das Max. Stellen wir einige Vergleiche an.

Brennweiten. Das Max bietet drei 12-Mpx-Kameras und den LiDAR-Scanner. (Dazu später mehr.) Die Kameras bieten (auf Kleinbild umgerechnet) die Brennweiten 14 Millimeter, 26 Millimeter und 64 Millimeter. Apple spricht hier ein wenig aufrundend von einem «5-fach-Zoom».

Die drei Brennweiten im Vergleich (c) PCtipp.ch

Das iPhone 12 Pro mit seinen drei Kameras bringt es hingegen beim leichten Tele nur auf 52 Millimeter, während das iPhone 12 (mini) nur mit den beiden Weitwinkel-Objektiven klarkommen muss.

Sensor-Shift. Das iPhone 12 Pro Max ist das erste und aktuell einzige iPhone, das mit Sensor-Shift (Sensorverschiebung) ausgestattet ist, um Bewegungen und Verwackelungen zu kompensieren. Das heißt, der Sensor ist beweglich und wird durch die Software gesteuert, die bis zu 5000 Mal pro Sekunde korrigierend eingreift. Damit werden schärfere Fotos bei schwachem Licht möglich, während Videos besser stabilisiert werden. Sensor-Shift ist jedoch nur für das Weitwinkel verfügbar, also für die Kamera mit der 26-er-Brennweite.

Harte Kontraste sind des iPhones Leibspeise (c) PCtipp.ch

Alle iPhone-12-Modelle sind mit Apples Cinematic-Videostabilisierung ausgestattet, bei der zitternde Hände durch eine Mischung aus beweglichen Linsen und Software kompensiert werden. Und auch wenn es kaum zu glauben ist: Dieser Schwenk wurde aus der Hand gehalten, nach drei Tassen Kaffee und eigentlich ohne weitere Ambitionen:

Sensor-Größe. Nur das Max ist mit einem 47 Prozent größeren Sensor ausgestattet. Und wie jeder Fotograf weiß, bedeutet ein größerer Sensor fast automatisch eine bessere Qualität. Das kommt besonders bei Nachtaufnahmen zum Tragen.

Solange ein Funken Licht da ist, wird die Nacht auf dem iPhone nie stockdunkel (c) PCtipp.ch

So viel zu den einmaligen Eigenschaften von Max. Es gibt jedoch auch noch einige wichtige Unterschiede bei den Kameras, die sowohl das iPhone 12 Pro Max als auch das kleinere iPhone 12 Pro bieten – aber nicht das reguläre iPhone 12 (mini).

Videos und Dolby Vision

Es ist eine Sensation, die sich schwer beschreiben lässt: Alle iPhone-12-Modelle filmen als zurzeit einzige Kameras auf der Welt direkt in HDR und Dolby Vision! Damit werden die Metadaten des Videos Frame-für-Frame angepasst und optimiert, während die Kamera munter drauflos filmt. Es gibt keine Wartezeiten, keine nachträgliche Bearbeitung, einfach nichts: Der Muskelprotz von einer CPU regelt das automatisch und ohne Zutun des Videografen!

Allerdings gibt es einen großen Unterschied: das iPhone 12 Pro (Max) filmt in 4K Dolby Vision und 60 fps. Beim iPhone 12 (mini) muss hingegen eine Entscheidung getroffen werden: Entweder wird in 4K und 60 fps bei 8 Bit gefilmt, oder in 4K, HDR und Dolby Vision – dann aber nur mit 30 fps.

Vorsicht, Falle! Leider kommuniziert Apple die Zusammenhänge nicht deutlich genug, respektive wählt die Voreinstellungen unglücklich. Auf dem iPhone 12 Pro (Max) ist alles in Ordnung: Rufen Sie in den Einstellungen des Gerätes den Bereich Kamera auf. Tippen Sie auf Video aufnehmen. Hier finden Sie den Schalter HDR-Video, der HDR mit Dolby Vision verspricht. Nur: Der Schalter bewirkt rein gar nichts, solange oben 4K (60 fps) angewählt ist. Sie müssen also manuell auf 4K (30 fps) umschalten, damit in Dolby Vision aufgezeichnet wird. Hier hätte Apple die Bildrate selber reduzieren sollen, sobald der HDR-Schalter umgelegt wird.

Die HDR-Einstellungen ab Werk sind wenig optimal und irreführend (c) PCtipp.ch

So oder so: Die Ergebnisse in Dolby Vision HDR sind bestens geeignet, die Zuschauer aus den Socken zu hauen! Die Farben, die Qualität der Darstellung und die Schärfe sind schwer in Worte zu fassen. In Ermangelung von eigenem Material (die Zeit war zu knapp für ein ernsthaftes Shooting) sehen Sie sich diesen Film von Apple an, komplett mit dem iPhone und der Standard-Kamera-App gedreht.

Apple ProRAW

Dieses neue Bildformat ist den Pro-Modellen vorbehalten. Das wird wohl einzig aus Marketing-Gründen so sein, denn weil sich alle iPhone-12-Modelle dieselbe CPU teilen, gibt es keinen Grund dafür, das iPhone 12 (mini) im Regen stehen zu lassen.

Bei «Apple ProRAW» handelt es sich um ein neues Bildformat, mit dem die anspruchsvolleren Fotografen zufriedengestellt werden sollen. Die Datei selbst ist ein DNG, also kein echtes RAW. Doch diese Spitzfindigkeiten lassen wir hier beiseite. Im Prinzip handelt es sich um eine Aufnahme, die nur «ein wenig nachbearbeitet» wurde. Denn alle Smartphones bieten mit ihren winzigen Sensoren und ihren geradezu lächerlichen Linsen nur deshalb so gute Fotos, weil mit «Computational Photography» nachgeholfen wird – also der Computer-gestützten Fotografie. Dabei werden in einem Sekundenbruchteil alle möglichen Optimierungen, Anpassungen und Verbesserungen vorgenommen, die zu einem befriedigenden Ergebnis führen – aber es manchmal auch ein wenig zu gut meinen.

Apple ProRAW soll hierbei die Rolle einer möglichst wenig aufbereiteten Rohdatei einnehmen. Ein echtes RAW wäre natürlich komplett unbearbeitet, aber diese Ausgangslage würde bei einem iPhone-Foto vermutlich für Konsternierung bei allen Fotografen führen. Und so wird aufbereitet, was sich nicht verhindern lässt, also zum Beispiel die Rauschreduktion bei Nachtaufnahmen. Der Rest ist das, was der Fotograf in einer anderen Software daraus macht.

Dieses Format und der Arbeitsablauf sind zurzeit noch ein wenig unklar, weil das Format wohl erst mit iOS 14.3 eingeführt wird – zumindest auf dem iPhone 12 Pro (Max).Nachtmodus-Porträt. Es war bereits das iPhone 11, das für baffes Erstaunen bei den Nachtaufnahmen sorgte. Der «Nachtmodus» erlaubte Freihand-Aufnahmen in einer nie dagewesenen Qualität. Dieser Modus ist nun auch mit der Selfie-Kamera der Pro-Modelle verfügbar – aber nicht auf dem iPhone 12 (mini).

LiDAR-Scanner und Fazit

Und dann unterscheidet sich die Pro-Serie auch durch den LiDAR-Scanner, der schon im iPad Pro beheimatet ist. LiDAR (sprich: «Laidar») steht für «Light Detection and Ranging». Dabei werden Lichtstrahlen ausgeschickt und die Zeit gemessen, die vergeht, bis sie zurück sind – und daraus wird dann die Distanz abgeleitet. Dieser Vorgang funktioniert auf bis zu 5 Metern Distanz und wird Tausende Male pro Sekunde wiederholt, damit ein 3D-Abbild des Motivs errechnet werden kann. Dieselbe Technik kommt auch zum Einsatz, wenn selbstfahrende Autos ihre Umgebung analysieren.

Nun ist es so, dass der LiDAR-Scanner bei mir eigentlich keinen verwertbaren Nutzen gezeigt hat. Was immer ihm zum Einscannen vorgesetzt wurde, wirkte wie eine groteske Parodie auf die Wirklichkeit. Ein Objekt so einzufangen, wie es zum Beispiel die App «????» verspricht, ist mir nicht ansatzweise gelungen und eigentlich bin ich ganz zufrieden, dass wenigstens der Staubsaug-Robotor mit seinem LiDAR-Scanner so gut klarkommt

.Im iPhone 12 Pro (Max) wird der LiDAR-Scanner für die Fokussierung hinzugezogen, Apple spricht von einem 6-mal schnelleren Autofokus. Auf dem Weitwinkel­ ermöglicht die daraus resultierende Tiefenkarte bessere Nachtmodus-Porträts. Das klingt plausibel, ist aber schwer nachzuprüfen. Und so wirkt der LiDAR-Scanner auf meinem iPhone nach dem Motto «Nützt’s nünd, so schad’s nünd». Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass die App-Entwickler in der nächsten Zeit noch einiges zu diesem Thema beizutragen haben.

Fazit

Das iPad Pro 12 «Max» beeindruckt mit seiner schieren Größe und den besten Technologien, die der Markt zurzeit hergibt. Als Foto- und erst recht als Videokamera lässt es die Kiefer herunterklappen. Wer es mit diesen beiden Themen ernstmeint, kann eigentlich nur zu diesem Modell greifen; jede andere Wahl würde den Verzicht auf den beweglichen Sensor oder auf 4K HDR mit Dolby Vision bedeuten.


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