Glasfaserausbau und 5G in Österreich: Zwischen Marktversagen und Visionssuche

Auf der „Fiber-Enquete 2018“ am 18. April 2018, veranstaltet von der Action Group Gigabit Fiber Access (aggfa) der Computer Measurement Group (CMG-AE), nahmen Netzbetreiber, Technologieexperten, Politiker und Wirtschaftsvertreter den Ball auf und stellten sich der „Infrastruktur-Challenge“. [...]

v.l.n.r.: Stefan Gara, Landtagsabgeordneter und Gemeinderat in Wien, Sprecher für Gesundheit, Stadtentwicklung, Energie- und Klimapolitik sowie Wohnbau, NEOS; Heinz Pabisch, Vice President CMG-AE und Vorsitzender der Action Group Gigabit Fiber Access (aggfa); Manfred Litzlbauer, Geschäftsführung, Energie AG Oberösterreich Telekom GmbH; Marcus Grausam, Vorstand, A1 Telekom Austria AG; Jan Trionow, Präsident, VAT, Hutchison 3; Andreas Bierwirth, Vorstand, T-Mobile Austria; Igor Brusic, Deputy Director Action Group Gigabit Fiber Access (aggfa).
v.l.n.r.: Stefan Gara, Landtagsabgeordneter und Gemeinderat in Wien, Sprecher für Gesundheit, Stadtentwicklung, Energie- und Klimapolitik sowie Wohnbau, NEOS; Heinz Pabisch, Vice President CMG-AE und Vorsitzender der Action Group Gigabit Fiber Access (aggfa); Manfred Litzlbauer, Geschäftsführung, Energie AG Oberösterreich Telekom GmbH; Marcus Grausam, Vorstand, A1 Telekom Austria AG; Jan Trionow, Präsident, VAT, Hutchison 3; Andreas Bierwirth, Vorstand, T-Mobile Austria; Igor Brusic, Deputy Director Action Group Gigabit Fiber Access (aggfa). (c) aggfa/Dusek

Der internationale Wettlauf ist eröffnet: Obwohl Österreich beim Glasfaserausbau bisher Europas Schlusslicht ist, scheint das hoch gesteckte Ziel der Bundesregierung, Österreich bis zum Jahr 2025 zur Gigabit-Gesellschaft auszubauen, gerade noch erreichbar. Dies bedarf jedoch einer landesweiten GlasfaserInfrastruktur bis zu jedem Gebäude. Erst wenn Hochleistungsglasfasernetze wirklich jedes Haus erreichen, kann auch die 5G-Strategie der Bundesregierung flächendeckend – und somit vor allem in ländlichen Regionen – umgesetzt werden. Worauf es dabei ankommt, ist die Frage nach der Finanzierung der erforderlichen GlasfaserInfrastruktur. Auf der „Fiber-Enquete 2018“ umrissen Unternehmer, Forscher und Politiker die Herausforderungen und zeichneten mögliche Lösungswege.

In der Vergangenheit oft gerne gegeneinander ausgespielt, erkennen heute alle Marktteilnehmer, dass 5G einer flächendeckenden GlasfaserInfrastruktur bis zu jedem Gebäude bedarf. Ist dieser Schritt geschafft, kann die Gigabit-Gesellschaft auch von weitreichenden glasfaserbasierten Ortsnetzen sowie der Mobilfunktechnologie 5G profitieren. Klar ist, dass eine flächendeckende Breitbrandversorgung die Basis für die digitale Zukunft und den langfristigen, wirtschaftlichen Erfolg Österreichs ist. Aktuell ist die Situation jedoch eher als „digitale Kluft“ zwischen den urbanen und ruralen Regionen zu beschreiben. In den Städten stellt die Versorgung mit Glasfaser-Hochgeschwindigkeitsnetzen für die Netzbetreiber ein lukrativeres Geschäft dar. Im oft recht zersiedelten ländlichen Raum sind profitable Geschäftsmodelle schwer bis gar nicht darstellbar.

Bürgermeister Alfred Riedl, Präsident des Österreichischen Gemeindebundes, fordert daher die Verknüpfung von einzelnen Glasfasernetzplanungen über Bezirke und Regionen hinweg zu größeren Projekten: „Jedes Vorhaben ist abzulehnen, bei dem Gewinne konsequent privatisiert und Verluste sozialisiert werden.“

Neue Geschäftsmodelle braucht das Land 

International kristallisiert sich ein Modell heraus, das Netzbetrieb und Services voneinander trennt. Neueste Studien, wie von Karl-Heinz Neumann von der deutschen WIK-Consult präsentiert, legen nahe, dass eine Trennung auch wirtschaftliche Vorteile für alle Seiten bieten würde. „Der Wettbewerb muss auf der Ebene der Dienste stattfinden, nicht auf der Ebene der Infrastruktur. Man baut ja auch nicht parallel zwei Autobahnen oder Zugstrecken!“, fordert Heinz Pabisch, Vice President der CMG-AE und Vorsitzender der Arbeitsgruppe Glasfaser-Ausbau (aggfa). Kommunale Einrichtungen wären durchaus gut beraten, in GlasfaserInfrastrukturen zu investieren, da sie so von einem anteiligen Rückfluss aus der gesamten Telekommunikationswertschöpfung an die Gemeinden und Regionen profitieren würden. Sowohl europäische als auch private Investoren stünden für diese langfristigen Vorhaben zur Verfügung. „Voraussetzung dafür sind relevante Projektgrößen“, ergänzt Igor Brusic, Deputy Director der aggfa. Von erfolgreichen Fallbeispielen berichtet auch Manfred Litzlbauer, Geschäftsführer der Energie AG Oberösterreich Telekom GmbH: „War es vor wenigen Jahren noch recht mühevoll Partner zu gewinnen, so fragen heute Kommunen und Regionen proaktiv Kooperationen beim Glasfaser-Ausbau nach.“

Mäßigung bei den hausgemachten Kostentreibern 

Alfred Ruzicka, Stabstelle Informations- & Kommunikationsinfrastruktur im Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit), stellt klar, dass die gesteckten Breitbandziele weder durch Auflagen alleine noch ohne Aufbau einer GlasfaserInfrastruktur erreicht werden können. Ein weiteres Hindernis ist, dass der Zielsetzung zahllose Limitationen und Einschränkungen gegenüberstehen – von finanzieller und rechtlicher Natur bis hin zur Verfügbarkeit der erforderlichen Fachkräfte und bisweilen von konkurrierenden Interessen der beteiligten und betroffenen Gruppen. Während für den Glasfaser-Ausbau auf der einen Seite Fördergelder seitens der Bundesregierung zur Verfügung gestellt werden, entzieht diese auf der anderen Seite der Wirtschaft Gelder, die für die Errichtung der GlasfaserInfrastruktur dringend benötigt würden. Die Vorstände der Mobilfunkbetreiber A1, T-Mobile und Drei beispielsweise sehen sich in ihrer Investitionsbereitschaft für den Infrastrukturausbau vor allem durch hohe Kosten bei der bevorstehenden Funkfrequenz-Auktion im Herbst 2018 gebremst.

Ein weiteres Hindernis des zügigen Ausbaus der GlasfaserInfrastruktur stellt das Verbot von Kooperationen dar. Eine Zusammenarbeit unter den privatwirtschaftlichen Akteuren, besonders aber auch mit offenen und öffentlichen GlasfaserInfrastrukturen, würde nicht nur das Ausbauvorhaben beschleunigen, sondern auch eine maßgebliche Kostenreduktion bedeuten. Gerade außerhalb der großen Städte würde eine gemeinsame Nutzung von offenen Glasfaser-Netzen bis zu jedem Gebäude auch den 5G-Ausbau beschleunigen und damit besonders ländliche Regionen attraktiver machen.

Keine Entscheidungen ohne Visionen 

Für die Vision, jedes Gebäude in Österreich mit einer Glasfaserleitung zu erschließen, um die Gigabit-, 5G- und Digitalisierungs-Ziele erreichen zu können, ist Entschiedenheit gefragt. Andreas Hanger, Nationalrat (ÖVP), pocht auf die Erhaltung der Vielfältigkeit und Attraktivität Österreichs ruraler Lebensräume, „wofür eine moderne GlasfaserInfrastruktur unbedingt Voraussetzung ist“. Der promovierte Physiker und Landtagsabgeordnete von Wien Stefan Gara (NEOS) weiß um die noch weißen Flecken der Stadt und erklärt: „Eine weitreichende Glasfaser-Infrastruktur ist mir ein persönliches Anliegen. Nur so werden wir die Potenziale der Digitalisierung für Bürger, Verwaltung und Wirtschaft heben. Dafür braucht es jetzt mutige Entscheidungen!“

Wer ist die CMG-AE?

Der Veranstalter der „Fiber-Enquete 2018“ ist die CMG-AE, (kurz für Computer Measurement Group – Austria & Eastern Europe). Diese ist ein offenes Forum für Technologiebegeisterte. Die Non-Profit-Organisation, die seit 25 Jahren in Österreich und Osteuropa vertreten ist, beschäftigt sich mit der Frage, wie technologische Innovationen sinnbringend, wirtschaftlich und nachhaltig zum Wohle der Menschen eingesetzt werden können. Unter der Präsidentschaft von Klaus Jaritz treibt die CMG-AE eine Reihe von verschiedenen Themen-Panels voran wie beispielsweise „AGGFA – Action Group Gigabit Fiber Access“, „Security sensibler Systeme“, „IT-Transformation“, „Design & Prozess“ oder „Industrie 4.0″. Gegründet wurde die CMG ursprünglich in den USA, um die Leistungen von Computersystemen zu vergleichen.


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