Hightech-Rezepte können ländlichen Raum retten

Digitalisierung und Automatisierung bieten die Chance, ländliche Regionen vor Abwanderung und Braindrain zu bewahren. Vor allem Handwerk und Landwirtschaft könnten durch neue Technologien profitieren. Doch das ist nur mit einer ausgeprägten digitalen Infrastruktur möglich. [...]

Digitalisierung und Automatisierung bieten die Chance, ländliche Regionen vor Abwanderung zu bewahren. (c) pixabay

Zu diesem Schluss kommt Zukunftsforscherin, Technologie– und Innovationsexpertin Petra Schaper-Rinkel vom Austrian Institute of Technology, die im Rahmen der Europäischen Toleranzgespräche in Villach und Fresach sprechen wird.

„Wenn es in Österreich eine digitale Infrastruktur geben wird, die nah an den Menschen und den regionalen Bedürfnissen ist, dann können lokale Akteure vor Ort Innovationen schaffen, in die ihre ganz individuellen Ideen einfließen. Das klassische Handwerk muss gar nicht verschwinden, stattdessen kann es durch die Digitalisierung zu einer Renaissance kommen, in der Kreativität die treibende Kraft ist“, sagt Schaper-Rinkel. Durch die Automatisierung würden (schwere und belastende) körperliche Aufgaben an die Maschinen fallen, wodurch mehr Freiheit für Innovation, Geist und Erfindungsreichtum entsteht.

Unabhängigkeit durch 3D-Druck

Besonders der 3D-Druck biete große Möglichkeiten für das „Handwerk 2.0“. Mit dem nötigen Know-how sei es auch regionalen Akteuren möglich, unabhängig und individuell – weit weg von den Städten – zu produzieren. So könnten hochwertige und nachhaltige Produkte entstehen, die an die Situation und Ästhetik vor Ort angepasst sind. „Die Zukunft des Handwerks führt weg von industrieller Standardisierung und hin zu lokalen Ressourcen und Materialien. So kann man auch bestimmte Berufe in der Region wieder attraktiv machen. Sie erhalten damit einen höheren Stellenwert und mehr Unabhängigkeit“, meint die Zukunftsforscherin.

„Landwirtschaft 4.0“ für kleine Akteure

Moderne Landwirtschaft muss Schaper-Rinkel zufolge vor allem auf Agrarrobotik setzen. Ein Beispiel dafür seien Sensornetzwerke, die etwa im Weinbau die Reben überwachen und deren Pflege steuern. Um in diesem Bereich das Potenzial für die Regionen ausschöpfen zu können, muss man lokale Know-how-Träger frühzeitig einbeziehen. Für die Zukunft sei zentral, dass diese Technologien nicht nur für große Player leistbar sind, sondern Anwendungen wie zum Beispiel Drohnen an die Bedarfe einer kleinräumigen Landwirtschaft angepasst werden können. Aufgrund der unterschiedlichen Topografien in Österreich sei es wichtig, individuell auf die Gegebenheiten in jeder Region einzugehen, was durch die Digitalisierung erleichtert wird.

Demokratisierung der Digitalisierung

„Das alles sollte europäisch gedacht werden. In Österreich fehlt das Investitionsvolumen, um die gewünschten Veränderungen für regionale Bedürfnisse herbeizuführen. Es braucht deshalb ein Zusammenspiel von Regionen, Ländern und Staaten. Die Idee von Genossenschaft kann in digitalen Kooperationsplattformen völlig neu entstehen. Ziel ist jedenfalls die Demokratisierung der Digitalisierung, und dass alle Stakeholder als aktiv Handelnde daran teilhaben“, erklärt Schaper-Rinkel.

Dafür müssen Innovations-Know-how und Technologien bei möglichst vielen einzelnen Akteuren ankommen, der „digitale Alphabetismus“ ist für künftige Generationen geradezu essenziell, ist Schaper-Rinkel überzeugt. Um das Potenzial neuer Technologien auszuschöpfen, sollten Kinder schon in der Schule lernen, wie sie neue Technologien nicht nur anwenden, sondern auch kreativ weiterentwickeln können. „Die Bildung darf aber nicht nur darauf abzielen, die Beschäftigten der Zukunft so auszubilden, dass sie nur als Angestellte taugen. Die Digitalisierung muss kreativ und produktiv sein und dazu beitragen, dass die jungen Leute selbstständig Innovationen schaffen können“, so Schaper-Rinkel.

Petra Schaper-Rinkel ist als Senior Scientist am Austrian Institute of Technology tätig und wird am 5. Juni 2019 in Villach anlässlich der Europäischen Toleranzgespräche in Villach zum Thema „Mensch und Maschine – Wer programmiert wen?“ und am 7. Juni in Fresach zum Thema „Im Datenrausch: Warum Digitalisierung und neue Technologien eine große Chance für die Zukunft sind“ sprechen.

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