Österreichischen Arbeitnehmern geht der Optimismus verloren

Eine aktuelle Great Place to Work-Studie zeigt die unterschiedlichen Auswirkungen der Krise auf die Menschen und ihre Zusammenarbeit in den einzelnen Branchen. Die COMPUTERWELT hat sich die Studie genauer angesehen. [...]

Wenig überraschend zeigen die aktuellen Studiendaten eine höhere Besorgnis der Menschen bezüglich Arbeitsplatzverlust. (c) Pixabay
Wenig überraschend zeigen die aktuellen Studiendaten eine höhere Besorgnis der Menschen bezüglich Arbeitsplatzverlust. (c) Pixabay

Das neue Jahr beginnt so, wie das alte geendet hat. Mit einem harten Lockdown. Auch Österreichs Branchen kommen nicht aus dem Krisenmodus und so haben sich die letzten Monate für Menschen in allen Arbeitsfeldern als Dauer-Stresstest erwiesen. Wie es den Mitarbeitenden in den unterschiedlichen Branchen dabei geht, zeigt die aktuelle Great Place to Work-Studie „Branchen-Insights“. Sie gibt einen differenzierten Einblick in die Unternehmensbranchen Gewerbe und Handwerk, Industrie, Handel, Banken und Versicherung, Transport und Verkehr, Tourismus und Freizeitwirtschaft, Information und Consulting, öffentlicher Dienst sowie Gesundheit. Wie auch schon im Juni 2020 wurden hierfür über das Bilendi-Online-Panel rund 630 unselbständig Beschäftigte befragt.

Im Vergleich zu den Zahlen aus dem Juni 2020 sind nur mehr wenige davon überzeugt, dass sich aus der Krisen-Situation Chancen für das Unternehmen ergeben werden. Einzig Mitarbeitende im Bereich Transport und Verkehr blicken optimistischer in die Zukunft (Juni: 26 Prozent, November: 32 Prozent) praktisch überall sonst weist der Trend nach unten: So waren in der Branche Banken und Versicherung im Juni noch 74 Prozent der Befragten zuversichtlich, zuletzt jedoch nur mehr 51 Prozent. In den anderen Branchen ist der Rückgang teilweise noch dramatischer: In der Tourismus- und Freizeitwirtschaft sank der Wert von 27 Prozent auf 7 Prozent, in der Gesundheitsbranche Von 41 Prozent auf 20 Prozent.

Corona-Pandemie bringt Digitalisierungsschub

Ganz besonders im Banken- und Versicherungssektor herrscht Zuversicht darüber, dass die aktuelle Krise eine Digitalisierungsrakete gezündet hat. 60 Prozent der Befragten – im Vergleich zu 57 Prozent im vergangenen Juni – sehen hier Chancen. Aber auch im Bereich Information und Consulting ist die Stimmung diesbezüglich gut, wenn auch im Rückgang begriffen: zuletzt lag die Zustimmung bei 46 Prozent, verglichen mit 58 Prozent bei der Juni-Befragung. Alle anderen Branchen sehen das deutlich verhaltener.

Vertrauenskultur als Krisenmanager

„Wer in den letzten Jahren seine Kultur-Aufgaben gemacht hat, kann auch in der Krise auf dem stabilen Fundament des Vertrauens aufbauen. Wenn alle im Unternehmen ans selbe Glauben lässt sich auch eine unvorhersehbare Zukunft gestalten“, so Doris Palz, Managing Director von Great Place to Work.

In Krisen bewährt sich in Unternehmen nachweislich eine Kultur des Miteinander, des Respekts und der gegenseitigen Wertschätzung. Kommunikation ist der Kern einer belastbaren Vertrauenskultur. Wie ist es in Österreichs Unternehmen darum bestellt? Im Branchendurchschnitt finden etwa 50 Prozent der Befragten, dass ihre Führungskräfte leicht erreichbar und unkompliziert anzusprechen sind.

Ein vergleichbares Bild zeigt sich auch bei der Mitarbeiterbeteiligung (38 Prozent höher) und beim Vertrauen der Führungskräfte in die Mitarbeitenden (40 Prozent höher).

Beschäftigte vermissen empathische Führungskräfte

Mitarbeitende aus allen Branchen fühlen sich von ihren Führungskräften nicht ausreichend wahrgenommen. Nicht einmal die Hälfte (47 Prozent) der Befragten aus der optimistischsten Branche Banken und Versicherung erleben zurzeit empathische Führung. Im Bereich Transport und Verkehr sind es gar nur etwa ein Drittel (34 Prozent) der Mitarbeitenden.

Nur 17 Prozent der Mitarbeitenden aus der Branche Information und Consulting haben das Gefühl, dass in ihrer Organisation die Menschen wichtiger sind als der Gewinn. In keiner anderen Branche ist die Zustimmungsrate in diesem Bereich so niedrig wie in dieser.

Auch geht in der Wahrnehmung der Mitarbeitenden die Vorbildwirkung ihres Managements mit dem Fortdauern der Krise zurück. Der Wert lag zuletzt über alle Branchen verteilt durchschnittlich bei mageren 28 Prozent, im Juni immerhin noch bei 38 Prozent. Das ist besorgniserregend, da gerade Eigenschaften wie Vorbildwirkung und die Fähigkeit zu begeistern wesentliche Begleiter durch die Krise sind. Denn: Unsichere Zeiten erfordern sichere Menschen – zumindest auf der Führungsebene.

Persönliche Belastung im Alltag nimmt zu

In der Trendstudie „Arbeitswelt 2020“ vom Juni dieses Jahres haben 46 Prozent der Teilnehmenden auf die Frage, wie sehr die Corona-Pandemie auf sie Auswirkungen hat, geantwortet, dass das Virus für sie im Alltag kaum mehr eine Rolle spiele.

Nur fünf Monate später, also im November 2020, zeigt sich mit Blick auf die untersuchten Branchen ein differenziertes Bild: Während Menschen aus den Branchen Transport und Verkehr, Tourismus und Freizeitwirtschaft und auch Industrie mit mehr als 60 Prozent Zustimmung sagen, dass sie die aktuelle Corona-Krise persönlich als belastend empfinden, fühlen sich Menschen, die in den Branchen Banken und Versicherung, Gewerbe und Handwerk sowie Information und Consulting tätig sind, am wenigsten belastet.

Arbeitsplatzsicherheit nimmt ab

Die nach einem vergleichsweise ruhigen Sommer erneut und dramatisch steigenden Infektionszahlen im Herbst machten eine neuerliche starke Reduktion von persönlichen Kontakten notwendig. Was folgte, war also ein zweiter harter Lockdown mit unmittelbarer Auswirkung auf viele Unternehmen und deren Mitarbeitende. Wenig überraschend zeigen die aktuellen Studiendaten eine höhere Besorgnis der Menschen bezüglich Arbeitsplatzverlust.

Beim direkten Vergleich zwischen Juni und November 2020 ergibt sich hinsichtlich der Sorge um den Arbeitsplatz in mehreren Branchen ein geändertes Bild. Wenig verwunderlich fürchten in der Tourismus- und Freizeitbranche in Relation am meisten Menschen (36 Prozent), ihren Arbeitsplatz zu verlieren – im Vergleich zu den Juni-Werten bedeutet dies eine Verdopplung. Anhaltend hoch ist die Sorge um den Job bei fast einem Drittel der Mitarbeitenden in Betrieben der Branchen Transport und Verkehr (32 Prozent) sowie Industrie (28 Prozent).

Angestellte der Banken- und Versicherungsbranche, in der Sparte Information und Consulting und dem Gesundheitswesen hingegen haben im November sogar weniger Sorge, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, als noch im Juni. Erstaunlich mutet die prozentuelle Verdreifachung der Jobverlust-Sorge im öffentlichen Dienst an.

Der Faktor Mensch & Vertrauen

In der Great Place to Work-Studie wurde auch gefragt, wie Führungskräfte die Performance der Mitarbeiter einschätzen. Interessant ist, dass in keiner anderen Branche das Vertrauen in die gute Arbeit der Mitarbeitenden so gering ausgeprägt zu sein scheint wie im Bereich Information und Consulting. Der Feststellung „Die Führungskräfte vertrauen auf die gute Arbeit der Mitarbeitenden, ohne sie ständig zu kontrollieren“ stimmen in der Informations- und Consultingbranche nur 46 Prozent zu – im Vergleich dazu liegt die Zustimmung bei den Unternehmen, die zu den Besten gehören wollen, bei 86 Prozent, also um satte 40 Prozent höher. Ein Unterschied, in dem sich eindrucksvoll die gelebte Vertrauenskultur in diesen Unternehmen abbildet.

„Was bleibt, ist der Faktor Mensch, und das wird uns in Zukunft mehr denn je begleiten, es ist das Wesentliche, das Wichtigste, dass wir für die nächsten Jahre, Monate, Tage und Stunden mitnehmen müssen“, sagt Karl-Heinz Täubel, Geschäftsführer der unit-IT. „Althergebrachte Managementkultur und Kommunikationskultur muss überdacht werden. Ist es das, was uns wirklich auch in Zukunft begleiten soll? Hier muss sich jeder selbst bei der Nase nehmen und kritisch diese Frage stellen!“


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