Wunderwaffe künstliche Intelligenz

Confare und die COMPUTERWELT haben gemeinsam mit 5 heimischen Experten das Potenzial von künstlicher Intelligenz diskutiert. Das Fazit: Einfach mal damit anfangen. [...]

Die Teilnehmer des KI-Talks von links nach rechts: Robert Pucher (FH Technikum Wien), Helmut Waitzer (WOLF THEISS Rechtsanwälte), Michael Ghezzo (Confare), Clemens Wasner (EnliteAI), Bernd Schwarzer (EY Österreich) und Alin Kalam (Big Data Experte). (c) Confare
Die Teilnehmer des KI-Talks von links nach rechts: Robert Pucher (FH Technikum Wien), Helmut Waitzer (WOLF THEISS Rechtsanwälte), Michael Ghezzo (Confare), Clemens Wasner (EnliteAI), Bernd Schwarzer (EY Österreich) und Alin Kalam (Big Data Experte). (c) Confare

Künstliche Intelligenz (KI): Die Science-Fiction Horrorszenarios aus Hollywood haben mit der Realität in Unternehmen wenig gemeinsam. „Deep Learning“, „Machine Learning“, „Neuronale Netze“: Was steckt hinter der Technologie? Wieviel KI ist bereits in den Unternehmen angekommen und was sind die größten gesellschaftlichen Auswirkungen? Auf Einladung von Confare und der Computerwelt haben sich Experten aus unterschiedlichen Branchen zum Digitalisierungs-Talk getroffen. Michael Ghezzo (Confare), Alin Kalam (Big Data Experte), Robert Pucher (FH Technikum Wien), Bernd Schwarzer (EY Österreich), Helmut Waitzer (WOLF THEISS Rechtsanwälte) und Clemens Wasner (EnliteAI) diskutierten darüber, wo KI heute schon zum Einsatz kommt und was wir in Zukunft erwarten können.

Hype um KI: Eine Schlüsseltechnologie in den Kinderschuhen?

Künstliche Intelligenz ist eigentlich kein neues Thema, doch der Hype darum geht gerade erst richtig los. Denn erst seit wenigen Jahren machen Prozessorleistung, vorhandenes Datenmaterial und die leichte Verfügbarkeit von KI-Software einen wirtschaftlichen Einsatz möglich. In allen Branchen plant man, sich möglichst bald die neuen Möglichkeiten zu Nutze zu machen, doch im Eifer des Tagesgeschäftes werden tatsächliche Maßnahmen oft von Jahresbudget zu Jahresbudget geschoben. Während speziell Asien und USA stark im Bereich KI investieren, geht die Adaption der Unternehmen im DACH-Raum eher schleppend voranlangsam und zurückhaltend.

Es gilt zwei große Fragen zu diskutieren, bevor effektiv losgelegt werden kann:

  • Was sind die geschäftlichen Herausforderungen, die wir mit dem Einsatz von KI–Technologie überhaupt lösen wollen?
  • Wo starten wir? Welche Projekte eignen sich für die ersten Schritte?

Wer rechtzeitig startet, hat die Chance, wertvolles Knowhow frühzeitig zu sammeln. Schon jetzt sind KI-Experten auf dem Arbeitsmarkt nur sehr schwer zu bekommen. Wer jetzt Erfahrungen sammelt, wird in Zukunft einen Wettbewerbsvorteil daraus machen können.

KI hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Algorithmen können mittlerweile Aufgaben erledigen, die vor ein paar Jahren noch nicht denkbar waren. Doch allein in den Grundprinzipien der Computertechnik ist bereits angelegt, dass KI nie dem menschlichen Denken ebenbürtig sein kann, meint Robert Pucher von der FH Technikum Wien. Denn die Arbeitsweise von Computern beruht auf dem Beantworten, nicht auf dem Stellen kreativer Fragen.

Aber dort wo etwa standardisierte Aufgaben immer und immer wieder abgewickelt werden, kann KI schon heute Wunder bewirken, führt Bernd Schwarzer von EY Österreich aus. Sie kann dazu beitragen, die riesigen Datenmengen erfolgreich zu managen, die unsere Systeme laufend produzieren. Im datenzentrierten Zeitalter wird dies ein entscheidender Wettbewerbsfaktor für Unternehmen sein. Verarbeitung durch Menschen wäre in vielen Bereichen zu langsam, zu teuer und schlicht überfordernd.

Bei unstrukturierten Daten und komplexen Themen sieht es jedoch anders aus. KI lernt dabei aus vielen Einzelfällen Schlüsse zu ziehen. Dieses Training braucht oft tausende Referenzen und menschliche Unterstützung. Der Aufwand, KI zum Beispiel auf rechtliche Besonderheiten in Verträgen zu trainieren rechnet sich laut Helmut Waitzer, CIO bei WOLF THEISS Rechtsanwälte, in der Praxis noch nicht.

Organisation und Gesellschaft

Bei KI handelt es sich nicht nur um ein technologisches Thema. Organisation und Firmenkultur sind massiv davon betroffen. Wer in Hard- und Software investiert und das Change-Management dabei vernachlässigt, wird relativ schnell an Grenzen stoßen. Ängste um Arbeitsplätze erzeugen genauso Widerstände, wie Verlust an Einfluss und Macht, wenn Entscheidungen plötzlich maschinengestützt getroffen werden. Statt über die Köpfe der Betroffenen zu agieren, gilt es, alle ins Boot zu holen.

Doch nicht nur im Unternehmen mangelt es an gemeinsamer Entschlossenheit. Auch zwischen Unternehmen gibt es zu wenig Austausch und Kooperation. „Jeder kocht sein eigenes Süppchen, dabei besteht die größte Chance für den Erfolg im Aufbau von KI-Ökosystemen, in denen Konzerne, KMUs, Startups und Forschung gemeinsam an Lösungen arbeiten“, sagt Clemens Wasner von EnliteAI.

Die Ängste, dass ganze Berufsfelder verschwinden, sind nicht unberechtigt. Der Faktor Mensch wird jedoch weiterhin ausschlaggebend für den Erfolg von Unternehmen sein, beschreibt Big-Data-Experte Alin Kalam an Hand seiner Erfahrungen in der Finanzdienstleistungsbranche. Die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine wird zu einer neuen Disziplin, auf die sich die Gesellschaft vorbereiten muss.

Kritisches Hinterfragen bleibt menschliche Stärke

Dabei stehen die Bereiche Pädagogik und Bildung stark unter Druck, denn noch immer werde mehr faktisches Wissen statt kreativem Verstehen gefördert, beschreibt Robert Pucher. Es gilt die Heranwachsenden auf die Möglichkeiten der neuen Welt vorzubereiten, und da wären Kommunikation, Verständnis von Zusammenhängen und Kreativität weit wichtiger als Auswendiglernen. Dass das im Bildungssystem noch nicht angekommen ist, vermitteln die Erfolge des Todai Roboters in Japan, der die meisten Aufnahmetests für die japanische Eliteuniversität geschafft hätte. Dazu ist es nämlich nicht entscheidend, den Sinn von Fragen zu verstehen, es reicht die richtige Antwort zu geben. Die Initiatorin des Projektes, Noriko Arai, ist der Meinung, dass Computer dem Menschen schon jetzt überlegen sind, was Erinnerung, Speichern und Klassifizieren von Daten betrifft. Die Fähigkeit, kritische Fragen zu stellen und den Sinn von Antworten zu hinterfragen, fehlt der KI jedoch völlig. Das sind jene Fähigkeiten, die bei Schülern und Studenten jetzt verstärkt gefördert werden sollten.

Und es sind noch weitere gesellschaftliche Herausforderungen zu lösen. Auch wenn die KI nicht wie in Horrorfilmen selbstständig Komplotte gegen die Menschheit schmieden wird, ist nicht ausgeschlossen, dass die neuen Möglichkeiten im militärischen Bereich, zur Verletzung der Privatsphäre und der Schaffung einer umfassenden Überwachung, für kriminelle Aktivitäten und zum Ausschalten von Gegnern eingesetzt werden. Daher gilt es, ethische Rahmen zu definieren genauso wie rechtliche Voraussetzungen zu schaffen, um Missbrauch vorzubeugen. Wettbewerbsrechtliche und regulatorische Maßnahmen werden erforderlich sein. Dabei ist die Balance zu bewahren, so Bernd Schwarzer, damit die Regulierung den Fortschritt, speziell im globalen Wettbewerb, nicht ausbremst und gleichzeitig keine gesellschaftliche Spaltung (Digital Divide)entsteht, zwischen jenen, die KI nutzen können, und jenen, denen der Zugang fehlt.

Und was wird die Zukunft bringen?

KI wird unser Berufs- und Privatleben in den kommenden Jahren maßgeblich verändern, darüber sind sich die Experten einig. Bernd Schwarzer sieht etwa virtuelle Assistenten als zukünftige Revolution: Alexa und Co sind erst der Anfang, die zukünftigen Assistenten sind mobil, sprachgesteuert, massiv personalisiert, mit einer Vielzahl an Geräten und anderen KI Systemen-vernetzt und werden eine deutlich breitere Palette an Aufgaben für den Menschen übernehmen – und damit auch die Abhängigkeit von der Technologie nochmals signifikant erhöhen.

Einfach mal starten

Jetzt gilt es aber, selbst Erfahrungen zu machen. Bernd Schwarzer formuliert die drei Fragen, die man sich stellen muss, um den richtigen Ansatzpunkt für erste Prototypen zu finden:

  • Wo sind repetitive Abläufe, die hohe Kosten verursachen und mit bisherigen Technologien nicht automatisiert werden konnten?
  • Wo sind bereits ausreichend und geeignet aufbereitete Daten vorhanden, um ein KI System effizient anzulernen?
  • Wo ist mit einem schnellen Ergebnis zu rechnen, um die Potentiale und Grenzen der Technologie rasch ausloten zu können?

„Starten Sie mit Quick Wins, Tätigkeiten, die gut zu automatisieren sind und wo relativ rasch Einsparungen möglich sind“, rät Schwarzer. Und während man sich für die ersten Prototypen sinnvollerweise KI–Knowhow vom Markt zukauft, muss man in Folge überlegen, wie man die benötigten Skills permanent aufbaut und eine Roadmap entwickeln, um das Unternehmen gezielt, nachhaltig und gesamtheitlich in Richtung KI weiter zu entwickeln.

„Kleine Projekte lassen sich rasch identifizieren“, meint Clemens Wasner. „Chatbots oder einfache Use Cases im Bereich Kundendaten oder Bewerbungsströme verursachen geringem Aufwand und ermöglichen eine steile Lernkurve.“

In der Expertenrunde ist man sich einig: loszustarten und nicht noch mehr Zeit verlieren, ist die Devise der Stunde. Dabei auf jene Dinge konzentrieren, die auch nachvollziehbare Ergebnisse liefern und bereit sein, die Erfahrungen in Digitalen Ökosystemen zu teilen. So wird man selbst Teil der KI-gestützten, digitalen Transformation.


* Michael Ghezzo ist Gründer von Confare und Initiator des CIO Awards.

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