„Umstieg auf Domain-Endungen wie .FISH ist Geldverschwendung“

Daniel Colakovic, Geschäftsführer der Wiener Melon IT GmbH, warnt hinsichtlich der neuen Domain-Endungen (gTLDs) vor unüberlegten Schnellschüssen. [...]

Daniel Colakovic
Daniel Colakovic

Es ist so weit: Die von der Internet-Regulierungsbehörde ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) beschlossene Liberalisierung der Regelung rund um Top-Level-
Domains kommt in ihre dritte und somit letzte Phase – die „Offene Registrierung“. Seit 15. Juli, schlag 12 Uhr mittags, kann zusätzlich zu den „Country Code Top-Level Domains“ wie zum Beispiel .AT auch die sogenannte „Generic Top-Level Domain“ .WIEN zu den marktüblichen Jahrespauschalen registriert werden – sofern sie dann nicht schon vergeben ist. Denn in der Sicherungs- (bis Ende April 2014) und in der Wettbewerbsphase (bis 2. Juli 2014) konnten sich alle Early Adopters die Rechte für ihre Wunsch-Domain sichern bzw. ihre Ansprüche geltend machen. Darüber hinaus sind jetzt aber auch völlig einzigartige und individuelle Domain-Endungen möglich. Dafür muss allerdings direkt bei der ICANN eine eigene Lizenz beantragt werden – „und die kostet satte 250.000 US-Dollar. Damit ist es aber noch lange nicht getan“, warnt Daniel Colakovic, Geschäftsführer der Wiener Melon IT GmbH. „Denn für die ganz persönliche Domain-Endung muss natürlich auch die technische Infrastruktur geschaffen und gepflegt werden. Auch hierfür benötigt man etwa eine Viertelmillion US-Dollar“, rechnet der IT-Experte vor.

„Jeder muss für sich prüfen, wie sinnvoll ein Domain-Wechsel für das eigene Unternehmen ist“, so Colakovic. „Für weltweit agierende Konzerne wie Hotelketten mit Standorten in unterschiedlichen Städten ist die Umstellung sicher ein Mehrwert – auch für ihre Gäste (z.B. Hilton.WIEN, Hilton.BERLIN, …).“ Auch Domain-Endungen, die einen konkreten Hinweis auf das Unternehmen, die Dienstleistung oder das Produkt geben, erachtet Colakovic als absolut empfehlenswert. „Andere Endungen wie .FISH halte ich eher für einen Gag und somit für reine Geldverschwendung.“ Für Domain-Grabber eröffnet die Liberalisierung natürlich wieder völlig neue Perspektiven. „Schon jetzt bieten sie einige von ihnen reservierte Domain-Namen um mehrere Millionen Euro an“, weiß der IT-Experte, der allerdings bezweifelt, dass derartige Summen dieser Tage noch bezahlt werden. Aber dennoch: Eine gute URL ist vergleichbar mit einem Geschäftslokal an einem erstklassigen Standort – „auch Nobeladressen im Web haben ihren Preis.“

UMSTELLUNG NEIN, REGISTRIERUNG JA
Kleineren Unternehmen mit einem schon bestehenden Web-Auftritt rät Colakovic von einer Umstellung ab, „denn dann muss mitunter auch das Corporate Design angepasst oder neu gestaltet werden. Die neue Internetadresse muss natürlich auch entsprechend kommuniziert werden – insgesamt kann das ganz schön ins Geld gehen“, gibt er zu bedenken. „Was ich allerdings sehr wohl empfehle, ist, sich interessante Domain-Endungen für das eigene Unternehmen zu registrieren – in der Phase der ‘Offenen Registrierung’ kostet das je nach Anbieter und Paket knappe 30 bis 60 Euro pro Jahr. Das zahlt sich auf jeden Fall aus. Vor allem dann, wenn man verhindern möchte, dass andere mit dieser Domain online gehen.“ Auch für Startups ist es ratsam, sich die Wunsch-URL gleich am 15. Juli, ab 12 Uhr, zu sichern. „Bleibt nur zu hoffen, dass nicht schon ein Domain-Grabber auf die gleiche Idee gekommen ist. Hysterie ist allerdings nicht angesagt“, beruhigt Colakovic. „Im Notfall einfach eine andere URL wählen – so wie bisher auch.“

Wie die neuen Domains das Suchmaschinen-Ranking beeinflussen werden, ist noch ungewiss. „Wenn aber die Domain-Endung auf das Business hinweist, dann wirkt sich das sicher positiv auf die Platzierung bei Google und Co. aus“, ist Colakovic überzeugt. (pi)


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