USA: Gefängnisbesuche nur noch per Video-Chat

Immer mehr US-amerikanische Gefängnisse setzen auf die Abwicklung von Besuchen mittels Video-Chat, wie die New York Times berichtet. [...]

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Im Gefängnis des District of Columbia sind direkte Kontakte mit Besuchern überhaupt nicht mehr möglich, nur noch Gespräche über die Webcam sind erlaubt. Die aufgerüsteten Strafvollzugsanstalten loben vor allem die geringeren Kosten und die Möglichkeit einer höheren Besucherfrequenz. Einige Gefängnisse verlangen sogar Geld für die Nutzung der elektronischen Systeme. Kritiker sagen, dass der Verlust des direkten Kontaktes gerade für Familien ein großes Problem darstellt.
„In Österreich ist das derzeit kein Thema. Internettelefonie gibt es nur in seltenen Ausnahmefällen, etwa für Häftlinge aus Übersee. Ich glaube, dass der persönliche Kontakt unschlagbar ist. In den USA, wo die Distanzen riesig sind, kann ein Video-Kontakt für Personen, die sich keine Reisen leisten können, aber besser sein als nichts“, sagt Peter Prechtl, stellvertretender Leiter der österreichischen Vollzugsdirektion, gegenüber der Nachrichtenagentur pressetext.
Der District of Columbia hat seinen Strafvollzug am 25. Juli komplett auf Videochats umgestellt. Insgesamt 108 Video-Stationen wurden eingerichtet, die Hälfte in einem Krankenhaus, die restlichen 50 Prozent in den Zellblöcken des District of Columbia Jail. Längerfristig sollen die Videoverbindungen auch von Büchereien und Kirchen – am Ende sogar von zuhause aus – möglich sein. Experten schätzen, dass es in den USA mittlerweile mehrere hundert Gefängnisse in mindestens 20 Bundesstaaten gibt, die auf die Videochat-Lösung bauen. Allerdings bleibt der persönliche Besuch in vielen als Option bestehen.
Eine Sprecherin des District of Columbia gibt an, dass die Anzahl der Besuche, die täglich abgewickelt werden können, sich durch das neue verpflichtende System auf rund 400 verdoppelt. Zudem spart sich das Gefängnis laut Berechnungen rund 64 Prozent der Kosten für Besuche, da weniger Personal gebraucht wird und keine aufwendigen Sicherheitskontrollen durchgeführt werden müssen. Dadurch soll auch die Gefahr sinken, dass Besucher unerlaubte Waren in die Vollzugsanstalten schmuggeln. Die Besucher kämen zudem in den Genuss kürzerer Wartezeiten, so die Sprecherin.
Einige Anbieter von virtuellen Besuchersystemen verlangen bis zu 15 Dollar pro halbstündigem Besuch. Kritiker sehen vor allem in den fehlenden Alternativen im District of Columbia ein Problem. „Familienkontakte sind essentiell. Aber die junge Generation von Verantwortlichen scheint das anders zu sehen“, sagt Arthur Wallenstein, Leiter des Strafvollzuges in einem anderen Bezirk.
Verfechter des Systems sind hingegen der Meinung, dass die Video-Chats einen weitaus regelmäßigeren Kontakt der Insassen mit ihren Familien erlauben. Zudem sei ein körperlicher Kontakt auch früher durch eine Glasscheibe verwehrt worden. Die verantwortliche Behörde plant bereits eine Studie, um die Auswirkungen des Tele-Besuchs zu untersuchen. (pte)
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