Vernetzung wird digitalen Alltag massiv verändern

Der Umgang mit elektronischen Geräten ändert sich rasant. So wurden noch vor wenigen Jahren Handys mit Tasten gesteuert. Welche Bedienkonzepte sich im Zeitalter des "Internet der Dinge" durchsetzen, haben Experten in Wien unter die Lupe genommen. [...]

"In Zukunft ist alles ein potenzielles Display"
"In Zukunft ist alles ein potenzielles Display"

Ein Boom sei derzeit vor allem bei interaktiven Displays in Autos, Küchen, Schaufenstern und Co. feststellbar, sagte Markus Pargfrieder von der New Media-Agentur Netural. Zusätzlich zu den bestehenden visuellen Angeboten könnten sie aber dafür sorgen, dass eine regelrechte Informationsflut auf die Nutzer einprasselt. Etwa wenn eine Vielzahl an Daten auf der Windschutzscheibe angezeigt wird. Der Trend sei dennoch klar: „In Zukunft ist alles ein potenzielles Display“, so Pargfrieder.

Spannende Entwicklungen gebe es auch bei „intelligenten Umgebungen“. Hier sei „alles Input“, es werde also das Verhalten des Menschen von vernetzten Geräten und Systemen automatisch interpretiert. Außerdem gebe es mehrere Möglichkeiten zu interagieren. Der Umgang damit müsse aber erst erlernt werden. Ein Beispiel seien Smartphones, die eine TV-Werbung, die im Umfeld läuft, mithören und – falls für den Nutzer interessant – Zusatzinformationen anzeigen. Die Frage, die sich immer stärker stelle: „Was ist größer: Bevormundung oder Komfort?“

„Die Vision der Industrie, dass alles Input ist, kann dazu führen, dass nichts mehr Input ist“, gab Peter Purgathofer vom Institut für Gestaltungs- und Wirkungsforschung der Technischen Universität (TU) Wien zu bedenken. Außerdem sei Interaktion in der Praxis oft unbequemer als in der Theorie, nahm er die Gestensteuerung im Film „Matrix“ als Beispiel. „Mit den Armen herumfuchteln ist sehr ermüdend und auch nicht sehr effizient“, so Purgathofer. Digitale Interaktion müsse vielmehr wieder angreifbarer werden.

„MISSBRAUCH AUTOMATISCH MITDENKEN“
Die von Technikern entwickelten Systeme würden im Normalfall gut funktionieren. „An die vielen Sonderfälle des Lebens denkt aber keiner mehr. Technologiegetriebene Innovationen gehen am Menschen vorbei“, sagte der Experte. Bei der zunehmenden Vernetzung müsste außerdem „Missbrauch automatisch mitgedacht werden“, da sie zu einer „unglaublich verletzlichen Gesellschaft“ führe. Vielleicht sei es besser, auf gewisse Dinge einfach zu verzichten, meint Purgathofer.

Die menschliche Kommunikation mit Maschinen könne durchaus anstrengend sein, erklärte Martin Eder von Kapsch. „Wünschenswert wäre, wenn die Geräte mehr miteinander reden würden. Allerdings muss ich dann viel von mir preisgeben, beziehungsweise akzeptieren, dass jemand anderer die Entscheidungen für mich trifft“, so Eder. Je nach Interesse des Benutzers würden dann beispielsweise Informationen auf der Windschutzscheibe eingeblendet: der Name eines Berges, an dem man vorbeifährt, oder der nächste Starbucks-Standort.

INTERAKTION WIRD EMOTIONALER
Die beste Technologie sei eine, die der Anwender gar nicht wahrnehme, verwies Christian Adelsberger vom Kompetenzzentrum Evolaris auf praktische Erfahrungen. „Smarte“ Autoschlüssel würden den Wagen etwa automatisch entriegeln, wenn man einsteigt, ohne dass man ihn aus der Hosentasche fischen müsste. Durch neue Interaktionsmöglichkeiten könnten zudem mehrere Sinne angesprochen und dadurch manche Anwendungen emotional erlebbarer gemacht werden.

„Die Geräte und Technologien sind da“, erklärte Christian Knull vom Systemintegrator NextiraOne. Headsets würden etwa mit Sensoren ausgestattet, so dass das System Gespräche erst annimmt, wenn man sie aufsetzt. Außerdem könnte bei einem größeren Abstand zum Schreibtisch automatisch auf das Mobiltelefon umgeleitet beziehungsweise der Computer gesperrt werden. „Die Technologie wird unsichtbar, man braucht sich um nichts mehr zu kümmern“, so Knull.

Dass wegen der intensiven Nutzung digitaler Gadgets die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen generell kürzer würde, sahen die Experten differenziert. Feststellbar seien eher normale Verhaltensänderungen durch die neuen Möglichkeiten des permanenten Online-Zugriffs. Beispielsweise würden Wartezeiten intensiv genützt, weshalb maximal „Mikrolangeweile“ überbleibe.


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