Smartes Energiemanagement

Energieeinsparung, die Energiewende zu begleiten und einen bewussteren Umgang mit Ressourcen zu schaffen: Das war die Motivation zur Gründung der neoom group im Jahr 2014. Was mit Ladestationen und Stromspeicher-Lösungen begann, wurde mit der KI-basierten Energiemanagement-Software NTUITY ergänzt. Zu den Kunden zählen u.a. das ÖSW und die Modekette Fussl. [...]

Walter Kreisel, CEO neoom group, bietet umfassendes Energiemanagement für Gebäude. (c) neoom group
Walter Kreisel, CEO neoom group, bietet umfassendes Energiemanagement für Gebäude. (c) neoom group

2011 begann der Mühlviertler Walter Kreisel als Ein-Personen-Unternehmen, Maschinen in Gebäuden zu steuern. „Am Anfang waren das Licht und Jalousien, bald aber auch ging es um Steuerung von Strom erzeugenden Solaranlagen, kombiniert mit Wärmepumpen und Lüftungen“, erzählt Kreisel im Gespräch mit der COMPUTERWELT. Sehr rasch entstand die Idee, diese Dienstleistung mit Software zu automatisieren und damit zu beschleunigen. 2014 wurde dann die neoom group in Freistadt in Oberösterreich formell als GmbH gegründet, doch tatsächlich wurde laut Kreisel erst 2018 richtig gestartet. Der Fokus liegt auf dem Thema Energiewende. Kreisel ist übrigens Cousin der drei Kreisel-Brüder, die ebenfalls im Mühlviertel Kreisel Electric betreiben und sich auf Batterie-Packs für Elektroautos spezialisiert haben.

Die neoom group hingegen ist Hersteller von schlüsselfertigen Stromspeicher- sowie E-Ladestationen samt Energiemanagement-Software für Gebäude aller Art. Die Produkte wurden erst im März 2019 gelauncht. Heute beschäftigt das Unternehmen bereits rund 50 Mitarbeiter und ist – trotz Corona-Krise – inhaltlich und personell auf Expansionskurs. Zudem wurde auch in Wien ein Standort eröffnet.

„Die Idee ist, Energie zu speichern – in Form von Elektrizität, Wärme, Kälte und auch Mobilität. Wir denken da in der Gesamtlösung, in der Applikation“, erklärt Walter Kreisel. Es gehe darum, Energiekosten zu reduzieren und den Energieverbrauch flexibler zu gestalten. Dafür braucht es zunächst Hardware, Stichwort Ladestationen: „Betriebe brauchen für 100 Mitarbeiter, die mit E-Autos kommen, künftig einen Parkplatz mit 100 Ladestationen“, sagt der Mühlviertler Unternehmer. Stromspeicher-Lösungen geben die notwendige Flexibilität in der Stromversorgung: „Unser primäres Ziel ist es, den Eigenstromanteil unserer Kunden zu maximieren, die Lastspitzen zu reduzieren und Stromausfälle zu verhindern, was insgesamt eine Energiekosteneinsparung von mehr als vier Millionen Euro pro Jahr für unsere Kunden ausmacht. In CO2 gerechnet bedeutet es eine Verdreifachung der CO2-Reduktion gegenüber 2019 auf insgesamt mehr als 8.000 Tonnen CO2 pro Jahr“, rechnet Kreisel vor. „Die Corona-Krise hat sich nach kurzer Schockstarre vom Markt für uns und unsere Kunden sehr positiv ausgewirkt, wir haben sehr schnell erkannt das Blackout, Unabhängigkeit, Flexibilität, Resilienz, sichere Investitionen und langfristige Reduktion der Energiepreise ein wesentlicher Treiber für die Investition in erneuerbare Anlagen sind“, sagt Kreisel und weiter: „Wir sind fest davon überzeugt das die Digitalisierung der Schlüssel zur Elektrifizierung ist, ohne ihr wird es die so notwendige Energiewende nicht geben.“

Eine wichtige Komponente ist die Softwarelösung NTUITY, es handelt sich dabei laut neoom group um ein „intuitives Energy Operating System (EOS), um IoE, Internet of Energy, zur Realität werden zu lassen.“ Die SaaS-Lösung bietet ein umfassendes und vorausschauendes Energiemanagement von Gebäuden und Unternehmensstandorten auf Basis von künstlicher Intelligenz. Die Plattform vernetzt beliebig viele Standorte, misst und steuert alle Geräte, informiert und alarmiert deren Benutzer. Ein wichtiger Unterschied zu vielen anderen Anbietern: NTUITY ist nicht in die Hardware integriert, sondern läuft als unabhängige Einheit, womit auch Bestandsanlagen eingebunden, betrieben, überwacht und gesteuert werden können. „Es war noch nie so leicht, Benutzer, Geräte und Standorte miteinander zu vernetzen, um Kosten zu minimieren: bei der Anschaffung und Installation, für Betrieb und Wartung, aber auch bei der Energieproduktion, -speicherung und -verteilung“, zählt Walter Kreisel die Kosteneinsparungsmöglichkeiten auf.

Zu den Kunden zählen bereits einige große Unternehmen wie ÖSW (Österreichisches Siedlungswerk), Zinkpower oder die Modekette Fussl (40 Filialen). „Die Cloud-basierte Software kann pro Monat als Servicepaket gekauft werden, gezahlt wird pro Standort, es gibt keine Kündiungs- und Bindefrist“, erklärt Johannes Schleicher, Partner der neoom group und CTO NTUITY. „Nicht viele Hardware-Unternehmen in unserem Bereich haben einen so tiefen Software-Ansatz wie wir. Da unsere Software auf Basis der neuesten Technologien und Programmiersprachen aufsetzt, hilft uns das, ein sehr interessanter Arbeitgeber für Programmierer am Markt zu sein“, so Schleicher. Im Moment werden dringend Mitarbeiter sowohl für die Software-Entwicklung als auch im Vertrieb gesucht. Noch heuer will die neoom group in den DACH-Raum, nach Bayern, Schweiz und Liechtenstein, expandieren.


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